Sicher für eine Million Jahre

Jörg Michel
2 Min

BERLIN. Noch gibt es in Deutschland kein Endlager für hoch radioaktiven Müll. In Gorleben, einst als Standort dafür vorgesehen, ruhen die Arbeiten. Keine Gemeinde, kein Landkreis will den strahlenden Müll vor der Haustüre haben. Seit Jahren kommt die Politik bei der Frage Endlagerung nicht voran.Das ist auch in der großen Koalition so. Die CDU will Gorleben endlich in Betrieb nehmen, die SPD fordert ein neues Suchverfahren mit alternativen Standorten. Wenige Wochen vor der Bundestagswahl hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) nun allein gehandelt. Er hat die Vorfälle im störanfälligen Kernkraftwerk Krümmel und dem Lager für schwach strahlende Abfälle in Asse zum Anlass genommen, die Sicherheitsanforderungen für die Endlagerung von Atommüll in Deutschland zu verschärfen.Zwar weiß noch niemand, ob und wann ein solches Lager für stark strahlenden Müll je gebaut wird. Nach Gabriels gestern in Kraft getretenen Kriterien muss es aber für mindestens eine Million Jahre lang sicher sein. Außerdem muss es mehrere voneinander unabhängige Sicherheitssysteme enthalten. Bis zum endgültigen Verschluss des Endlagers soll ferner die Rückholung des Mülls jederzeit möglich sein. Damit zieht Gabriel Lehren aus den Problemen in Asse. Dort ist wegen Versäumnissen des Betreibers und der Aufsicht unklar, ob die Fässer je aus dem maroden Bergwerk geborgen werden können.Auch Biblis B bleibt abgeschaltetDie neuen Auflagen ersetzen die laxeren Richtlinien aus dem Jahre 1983. Gabriel nannte es gestern bei der Vorstellung "absolut skandalös", dass sich CDU und CSU einem neuen Auswahlverfahren verweigerten. Vom Ausgang der Bundestagswahl wird es nun abhängen, ob Gabriels Gesetz in der Praxis jemals angewandt wird. Falls Union und FDP die Mehrheit erhalten, dürfte der Standort Gorleben gesetzt sein - Kriterien hin, Kriterien her.Bei den Wartungsarbeiten des Energieversorgers Vattenfall im abgeschalteten Atomkraftwerk Krümmel ist derweil ein defekter Brennstab entdeckt worden. Der Reaktor war am 4. Juli wegen eines Kurzschlusses vom Netz gegangen. Die Grünen verlangten in einer Anfrage von der Bundesregierung umfassende Aufklärung. Ebenfalls abgeschaltet bleibt vorläufig der hessische Meiler Biblis B. Wegen einer fehlenden Nachrüstung im Sicherheitssystem wird es nach Angaben der hessischen Aufsicht nicht zum geplanten Wiederanfahren des Reaktors dieses Wochenende kommen. Einen neuen Termin gibt es noch nicht. (jöm.)

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