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Sie kostete zwei Astronomen den Kopf: 7 verrückte Fakten zur Sonnenfinsternis

Sonnenfinsternis 2026: Sieben Fakten aus der Geschichte der Sofi – hingerichtete Astronomen, die Entdeckung von Helium und Einsteins Durchbruch.

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Am 12. August 2026 schiebt sich der Mond vor die Sonne – in Berlin zu rund 85 Prozent. Die Illustration zeigt eine totale Sonnenfinsternis.

Am 12. August 2026 schiebt sich der Mond vor die Sonne – in Berlin zu rund 85 Prozent. Die Illustration zeigt eine totale Sonnenfinsternis.

© IMAGO/Ales Utouka

Zwei chinesische Hofastronomen wurden geköpft, weil sie eine verschliefen. Ein Erfinder scheiterte an Hühnern. Und ein Planet wurde entdeckt, den es nie gab.

Sonnenfinsternisse haben in der Menschheitsgeschichte Kriege beendet, Karrieren zerstört und einen Physiker über Nacht zur Weltberühmtheit gemacht.

Am Mittwochabend gibt es die nächste. In Berlin beginnt die partielle Sonnenfinsternis gegen 19.15 Uhr, das Maximum liegt um 20.08 Uhr, dann sind rund 85 Prozent der Sonnenscheibe bedeckt. Der Kernschatten selbst zieht über Grönland, Westisland, Nordspanien und die Balearen; die Europäische Weltraumorganisation überträgt aus Teruel live.

Vorher aber sieben Geschichten aus 4000 Jahren Finsternis-Historie.

1. Sonnenfinsternis verschlafen: Der Kaiser ließ die Astronomen köpfen

Die älteste Finsternis-Anekdote der Welt endet blutig. Nach der chinesischen Chronik Shujing waren die Hofastronomen Xi und He dafür zuständig, Himmelsereignisse rechtzeitig anzukündigen.

Als sich der Himmel verdunkelte, fand man die beiden volltrunken vor. Kaiser Zhong Kang ließ sie töten.

Ihr Job war wichtiger, als er klingt. Im alten China galt eine Finsternis als Drache, der die Sonne frisst. Das Volk musste trommeln und Krach schlagen, um ihn zu vertreiben. Ohne rechtzeitige Ansage kein Lärm.

Die Datierung schwankt je nach Quelle zwischen 2136 und 2128 vor Christus, belegt ist die Episode nicht. Als Warnung an unpünktliche Wissenschaftler hat sie trotzdem vier Jahrtausende überstanden.

2. 585 vor Christus: Die Sonnenfinsternis, die einen Krieg beendete

Herodot berichtet von der Schlacht am Halys im heutigen Anatolien. Lyder und Meder kämpften im sechsten Kriegsjahr, als sich der Tag mitten im Gefecht in Nacht verwandelte.

Beide Heere legten die Waffen nieder und schlossen Frieden.

Vorhergesagt haben soll das Ereignis Thales von Milet, allerdings nur das Jahr, nicht den Tag. Astronomen identifizierten die Finsternis später mit dem 28. Mai 585 vor Christus. Damit gilt die Schlacht als eines der ersten taggenau datierbaren Ereignisse der Geschichte.

Ob Thales überhaupt berechnen konnte, was er vorhergesagt haben soll, bezweifeln Fachleute bis heute. Mehrere Arbeiten halten die Vorhersage für eine Legende, die sich hartnäckig hält.

3. Helium: 1868 erst auf der Sonne entdeckt, dann auf der Erde

Am 18. August 1868 reiste der französische Astronom Jules Janssen ins indische Guntur und vermaß das Spektrum der verdeckten Sonne. Er fand eine leuchtend gelbe Linie bei 587,49 Nanometern, die zu keinem bekannten Element passte.

Der Brite Norman Lockyer sah dieselbe Linie zwei Monate später und benannte den unbekannten Stoff nach dem griechischen Sonnengott: Helium.

Die Fachwelt hielt das für Unfug. Ein Element, das nur am Himmel existiert? Erst 1895 löste William Ramsay das Gas aus einem Uranmineral. Die Finsternis von 1868 hatte 27 Jahre früher geliefert, was heute jeden Kindergeburtstagsballon füllt.

Janssen selbst blieb finsternissüchtig. 1870 verließ er das belagerte Paris im Ballon, um in Algerien die nächste Eklipse zu sehen. Vor Ort war es bewölkt.

4. Sonnenfinsternis 1878: Edisons Experiment scheiterte an Hühnern

Im Juli 1878 reiste Thomas Edison nach Rawlins im Wyoming-Territorium, um sein neuestes Gerät zu testen. Das Tasimeter, ein extrem empfindlicher Wärmemesser, sollte die Hitze der Sonnenkorona bestimmen.

Das Problem begann bei der Unterkunft. Die Profi-Astronomen hatten die guten Beobachtungsplätze längst besetzt, für Edison blieb ein baufälliger Hühnerstall.

Am 29. Juli kam Wind auf, das Gerät ließ sich kaum justieren. Und als die Totalität einsetzte, taten die Hühner, was Hühner bei Dunkelheit tun: Sie kehrten heim. Durch die Tür, am Teleskop vorbei, über den verzweifelten Erfinder hinweg.

Die Messdaten waren wertlos. Am Tag nach seiner Rückkehr begann Edison mit der Arbeit an der Glühbirne.

5. Der Planet Vulkan: entdeckt bei der Finsternis, existiert aber nicht

Dieselbe Finsternis brachte ein zweites Debakel hervor. Astronomen suchten seit Jahrzehnten nach Vulkan, einem Planeten innerhalb der Merkurbahn. Der französische Mathematiker Urbain Le Verrier hatte ihn berechnet, um Merkurs sonderbare Bahn zu erklären, und starb 1877 in der Überzeugung, recht zu haben.

Am 29. Juli 1878 meldeten zwei angesehene Beobachter Erfolg: James Craig Watson und Lewis Swift wollten Vulkan gesehen haben.

Nur passten ihre Positionsangaben weder zueinander noch zu Le Verriers Rechnung, andere Stationen sahen gar nichts. Vermutlich hatten beide in der Hektik der knapp drei Minuten Totalität gewöhnliche Sterne verwechselt.

Erledigt wurde der Phantomplanet 1915 von Albert Einstein. Die Allgemeine Relativitätstheorie erklärte Merkurs Bahn ohne Zusatzplanet.

6. Sonnenfinsternis 1919: Wie Einstein zum Weltstar wurde

Einstein hatte seine Theorie unter anderem vor der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin vorgestellt. Beeindruckt war zunächst kaum jemand.

Den Beweis lieferte die Finsternis vom 29. Mai 1919. Zwei britische Expeditionen brachen auf, eine nach Sobral in Brasilien, eine unter Arthur Eddington auf die westafrikanische Insel Príncipe. Sie wollten messen, ob die Schwerkraft der Sonne das Licht dahinterstehender Sterne ablenkt.

Der Effekt war winzig, auf den Fotoplatten ging es um Hundertstelmillimeter. Und am Morgen des Finsternistags regnete es über Príncipe. Von 16 Aufnahmen blieben zwei brauchbare übrig.

Sie reichten. Die Auswertungen ergaben 1,98 und 1,61 Bogensekunden, vorhergesagt hatte Einstein 1,75. Am 6. November 1919 wurde das Ergebnis verkündet, binnen Tagen war aus einem Fachgelehrten eine Weltberühmtheit.

Nebenbei: Eddington hatte im Ersten Weltkrieg aus Gewissensgründen den Kriegsdienst verweigert und wäre ohne diese Expedition wohl im Gefängnis gelandet. Ausgerechnet er bestätigte die Theorie eines deutschen Physikers.

Die deutsche Presse ließ sich Zeit. Die Berliner Illustrirte Zeitung machte Einstein erst am 14. Dezember 1919 groß auf.

7. Sofi 1999: Berlin fuhr der Sonnenfinsternis hinterher

Die letzte totale Sonnenfinsternis über Deutschland liegt fast auf den Tag 27 Jahre zurück: 11. August 1999.

Berlin lag damals nicht im Kernschatten, sondern weit daneben. Der zog ungefähr entlang der Autobahn 8 über Saarbrücken, Karlsruhe, Stuttgart, Ulm, Augsburg und München.

Wer die Korona sehen wollte, musste also in den Süden. Entsprechend sahen die Straßen aus: Staus von mehreren hundert Kilometern Länge, überfüllte Züge, abgewiesene Fahrgäste an den Bahnhöfen. Drei Concorde-Maschinen brachten je hundert Passagiere in die Höhe.

Am Ziel angekommen, standen viele im Regen. Über weiten Teilen der Totalitätszone hing dichte Bewölkung, in Stuttgart wurde es zwar dunkel, zu sehen war praktisch nichts.

Geblieben ist immerhin ein Wort: Die Abkürzung „Sofi“ landete bei der Wahl zum Wort des Jahres auf Platz neun.

Nächste totale Sonnenfinsternis in Deutschland erst 2081

Diesmal bleibt der große Hype aus, weil Deutschland komplett außerhalb des Kernschattens liegt. Immerhin ist die Bedeckung ungewöhnlich hoch: So viel wie an diesem Mittwoch gibt es hierzulande erst am 13. Juli 2075 wieder.

Und die nächste totale Sonnenfinsternis über Deutschland fällt auf den 3. September 2081 – sichtbar dann nur im äußersten Südwesten. Berlin schaut also auch in 55 Jahren in die Röhre.

Ein Hinweis zum Schluss, und der ist ernst: Die tief stehende Abendsonne blendet kaum, gefährlich bleibt sie trotzdem. Ein ungeschützter Blick kann die Netzhaut in Sekunden dauerhaft schädigen, schmerzfrei und ohne Vorwarnung. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät zu zertifizierten Filterbrillen oder zur Lochkamera.

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