Bei einem Angriff israelischer Siedler auf eine Jungenschule im Dorf Al-Mughayyir nordöstlich von Ramallah sind am Dienstag zwei Palästinenser erschossen worden, darunter ein 14-jähriger Schüler, wie die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA berichtet. Das palästinensische Gesundheitsministerium in Ramallah identifizierte die Getöteten, es handelte sich um einen Neuntklässler und den 32-jährigen Vater eines Schülers. Vier weitere Personen wurden laut Ministerium durch scharfe Munition verletzt, wie WAFA berichtet.
Der Schulleiter Bassam Abu-Assaf schilderte gegenüber CNN, gegen Mittag hätten sich mindestens fünf bewaffnete Siedler dem Dorf genähert, während sich ein Teil der Schüler auf dem Schulhof aufgehalten habe. Ein Video vom Tatort zeige einen Mann in Militärkleidung, der mindestens acht Schüsse in Richtung der Schule abgegeben habe. Aktivisten bezeichneten den Schützen als bekannten Siedler, der das Dorf bereits zuvor angegriffen haben soll. Der 32-Jährige Mann sei herbeigeeilt, als er die Schüsse hörte, und dann selbst erschossen worden, so der Schulleiter.
Die israelische Armee teilte laut CNN mit, der Vorfall habe begonnen, nachdem Steine auf ein Fahrzeug mit israelischen Insassen geworfen worden seien, darunter ein Reservist, der daraufhin ausgestiegen sei und „auf Verdächtige in der Umgebung gefeuert“ habe. Die Berichte über die Toten würden geprüft.
Palästinenser in weiterem Ort getötet
Bei einem weiteren Vorfall wurde laut der Deutschen Presse-Agentur ein 25-jähriger Palästinenser in Deir Dibwan bei einer Konfrontation mit israelischen Siedlern getötet. Über den Hergang gibt es widersprüchliche Angaben: Der palästinensische Rote Halbmond erklärte, Siedler hätten dem Mann bei einem Angriff in den Rücken geschossen. Das israelische Nachrichtenportal ynet berichtete hingegen, jüdische Wanderer seien in der Region unterwegs gewesen und zunächst von Dutzenden Palästinensern mit Steinen beworfen worden – erst danach seien Schüsse gefallen.
Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Nach palästinensischen Medienberichten durchsuchte die israelische Armee anschließend das Dorf und nahm mehr als 30 Personen fest. Ein israelischer Armeesprecher erklärte gegenüber der dpa auf Anfrage, man prüfe die Berichte.
Laut WAFA stieg die Zahl der seit Dienstagmorgen im Westjordanland getöteten Palästinenser auf vier. In Hebron sei der 16-jährige Muhammad Majdi al-Ja'bari von einem Siedlerfahrzeug überfahren worden, in Dschenin erlag der 49-jährige Raja' Fadl Bitawi seinen vor zwei Jahren erlittenen Schussverletzungen.
Aktivisten: Schule mit Bulldozern zerstört
In zwei weiteren Vorfällen sollen Siedler laut einer Aktivistengruppe aus dem Jordantal, die CNN zitiert, eine Schule in Hammamat al-Maleh im nördlichen Jordantal mit Bulldozern zerstört haben, ohne dass nahe stationierte Soldaten eingegriffen hätten. Im Süden des Westjordanlandes blockierten Siedler nach Angaben des Gemeindevertreters Khaleel Alhathaleen, der mitCNN sprach, mit Stacheldraht den Schulweg von Kindern aus Umm al-Khair.
Die WAFA zitierte die Kommission gegen Mauer und Siedlungen mit 1819 dokumentierten Übergriffen im März, davon 497 durch Siedler. Israels Generalstabschef Ejal Zamir hatte solche Angriffe laut dpa im März als „moralisch und ethisch inakzeptabel“ verurteilt. Sicherheitskräften wird jedoch vorgeworfen, nicht konsequent gegen die Übergriffe vorzugehen.
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