Siemens

Tag der Reue und Selbstkritik

Der neue Vorstandschef strebt eine höhere Rendite an

Thomas Magenheim
2 Min

Zu viel zu schnell erreichen“, wollte der Münchner Traditionskonzern in der Vergangenheit, räumte der seit 100 Tagen amtierende Firmenchef Joe Kaeser in Berlin ein und will es nun selbst besser machen. Die Bilanzvorlage geriet bei Siemens diesmal zum Tag der Reue und Selbstkritik.

Neue Renditeziele und seine von vielen mit Spannung erwartete Konzernstrategie will er erst nächsten Mai verkünden. Erste Umrisse der neuen Zeiten werden dennoch klar. Kaeser räumt auf – etliche Manager und Gefolgsleute seines Vorgängers Peter Löscher mussten gehen – und setzt eigene Prioritäten. Innovation geht künftig vor Kostensenkung, Sanierung vor Verkauf, Vorsicht vor Risiko.

Belegschaft die Angst nehmen

Kaeser verspricht Belegschaft und Investoren bessere Zeiten. „Wir wollen nicht nur technisch, sondern auch kommerziell zu den besten Unternehmen gehören“, kündigte der Vorstandschef nach einem Gewinnrückgang an. Ein Jahr gibt sich Kaeser, um mit dem bereits laufenden Sparprogramm, schärferer Risikokontrolle und besserem Management dafür zu sorgen, dass vom Umsatz mehr Gewinn bleibt. Die Marge des Technologieriesen soll auf etwa zehn Prozent steigen. Damit soll der ersehnte Anschluss an die Rivalen ABB und GE gelingen.

Die Siemens-Aktionäre verwöhnt Kaeser unterdessen mit einem milliardenschweren Aktienrückkauf, der den Kurs der Papiere beleben soll. Die Dividende soll bei drei Euro je Anteilsschein stabil bleiben, obwohl der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft im abgelaufenen Geschäftsjahr um ein Zehntel auf 4,2 Milliarden Euro abrutschte. Die Siemens-Aktien legten knapp vier Prozent zu und gehörten zu den größten Dax-Gewinnern.

Kaeser will zudem die Firmenkultur verändern, damit teure Probleme wie der missratene Anschluss von Windparks auf See oder die Verzögerungen bei der Lieferung von ICE-Zügen nicht mehr so häufig vorkommen. Mit einem Kreis von 50 Top-Managern will er dafür sorgen, dass der Belegschaft die Angst genommen wird. „Die Mitarbeiter müssen wissen, ihnen wird nicht der Kopf abgerissen, wenn Sie sagen: Ich komme hier nicht mehr weiter.“ (tmh./Reuters)

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