Dass in Berlin Industriearbeitsplätze nicht nur abgebaut werden müssen, sondern auch neu entstehen können, will Osram beweisen. Der einst in der Stadt gegründete Konzern setzt den Umbau vom Lampenhersteller zum Technologie-Unternehmen fort. Sensoren und Chips sollen künftig das Produktportfolio bestimmen und die heimischen Standorte dabei weiterhin von Bedeutung sein. „Hightech kann auch in Deutschland produziert werden“, sagte Vorstandschef Olaf Berlien auf der Technikmesse CES in Las Vegas.
Das wird man auch in Berlin spüren. Im Osram-Werk in Siemensstadt soll ein neues Software- und Elektronik-Zentrum für Technologien zum autonomen Fahren entstehen. „Da suchen wir gerade Mitarbeiter. Es ist nicht einfach, gute Leute sind schwer zu finden. Trotzdem bleibe ich dabei: Der deutsche Standort und die deutsche Ingenieurskunst haben viel erreicht“, sagte der Konzernchef. Er sehe heute keinen Grund, das woanders machen zu lassen, betonte Berlien.
Flächen freigeräumt
An der Nonnendammallee in Spandau ist der Umbau zum Technologiestandort bereits seit dem vergangenen Sommer ein Thema. Seinerzeit hatte der Konzern eine entsprechende Zukunftsstrategie zusammen mit der Gewerkschaft beschlossen.
„Jetzt wird es konkret“, sagt Thomas Wetzel, Betriebsratsvorsitzender im Berliner Werk. Es würden bereits Flächen freigeräumt. Erste Stellen seien ausgeschrieben. Insgesamt sollen mit dem Profilwandel in Siemensstadt rund 200 neue Jobs entstehen. Das freut auch Wetzel, doch sei noch viel zu tun. Der Betriebsratsvorsitzende will neue Stellen nicht nur mit Neueinstellungen besetzen, sondern aus der Stammbesetzung so viele Leute wie möglich mitnehmen. „Dafür müssen Qualifizierungsmöglichkeiten geschaffen werden.“
Ledvance baut ab
Was aus Osram werden soll, zeigte der Konzern bis Freitag auf der Technikmesse CES. Dort positionierte sich Osram vor allem als Zulieferer für die Automobilindustrie, insbesondere für autonom betriebene Fahrzeuge. „Digitalisierung heißt vor allem, dass man Daten sammelt“, sagte Berlien. Bei einem autonom fahrenden Auto benötige man an mindestens vier Punkten des Fahrzeugs Sensoren zur Erfassung der Umgebung. Osram demonstrierte auf der CES ebenfalls, wie Systeme mit unsichtbarem Licht auch die Kommunikation zwischen fahrenden Autos ermöglichen können. Für Osram ergäben sich aus dem Technologiewandel gute Chancen, sagte Berlien.
Der Umbau des Konzerns hat aber auch Schattenseiten. Bereits 2016 hatte Osram seine traditionelle Lampensparte abgespalten und das Unternehmen Ledvance an ein Konsortium um einen chinesischen Investor verkauft. Dieser hatte dann im Dezember die Streichung von deutschlandweit 1 300 Arbeitsplätze abgekündigt. Das Ledvance-Werk in Siemensstadt soll geschlossen werden. (jk./dpa)
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