Skilanglauf

Nystads Comeback endet auf Platz 40

Die Unberechenbarkeit von Langlaufrennen hat Claudia Nystad zu einer Rückkehr in ihren Sport bewegt - am Freitag endete ihr Comeback zeitig nach der Qualifikation im Klassik-Sprint. Sie landete auf Platz 40.

Jörg Winterfeldt
4 Min
Behutsamer Beginn: Nach drei Jahren Pause hat Claudia Nystad in Finnland mal wieder ein Weltcup-Rennen bestritten.

Behutsamer Beginn: Nach drei Jahren Pause hat Claudia Nystad in Finnland mal wieder ein Weltcup-Rennen bestritten.

© dpa/Antonio Bat Lizenz

Für Profisportler bedeuten Fernsehübertragungen so etwas wie eine Geschäftsgrundlage. Sie bescheren Sponsoren. Die Kehrseite des Konstrukts hat Bayer Leverkusen in der Champions League vorgeführt: Erstmals in dieser Saison live im ZDF und ausgerechnet da fürchterlich vermöbelt von Manchester United.

Insofern muss Claudia Nystad nicht traurig sein, dass das ZDF kleinlaut vermelden musste, aus Kuusamo den Weltcupauftakt der Skilangläufer nicht übertragen zu können, weil die Rechte-Verhandlungen scheiterten. Nystads Weltcup-Comeback mit 35 Jahren nach ihrem vor drei Jahren verkündeten Abschied vom Sport endete am Freitag zeitig nach der Qualifikation im Klassik-Sprint: 3:17,43 Minuten reichten nur zu Platz 40.

Um unter die ersten 30 zu gelangen, hätte die einst unter ihrem Mädchennamen Künzel startende Nystad zwei Sekunden flinker sein müssen. Sie trug den Einstieg mit Fassung: „Der klassische Sprint war ja noch nie mein Ding.“

Im deutschen Skiverband halten sie große Stück auf die Rückkehrerin. Als Nystad sich entschloss, in den Leistungssport zurückzukehren, rollten die Skibosse in aller Heimlichkeit einen roten Teppich aus. Sie durfte sofort wieder ins Nationalmannschaftstraining. „Sie ist eine unglaubliche Verstärkung“, schwärmt Bundestrainer Frank Ullrich, 55, „mit ihrer Erfahrung, ihrer Menschlichkeit und der gereiften Persönlichkeit sorgt sie für ein harmonisches Klima.“

Ziel: Zwei Medaillen in Sotschi

Der Grund für die Begeisterung des Verbandes liegt auf der Hand: Die Langläufer waren zuletzt live im Fernsehen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Von der WM im Frühjahr kamen sie erstmals nach 16 Jahren mal wieder ohne Medaille heim. Nun gilt die ganze Hoffnung dieser Saison.

Nachdem der vom Biathlon zum Langlauf umgewidmete Cheftrainer Ullrich ein Jahr lang hat walten können, soll er mit seinen Langläufern bei den Olympischen Spielen in Sotschi im Februar für zwei Medaillen sorgen. Zwangsläufig sind dabei die Routiniers gefragt: Nystad kehrt zurück, Tobias Angerer, Axel Teichmann und Jens Filbrich haben angekündigt, nach der Saison aufzuhören.

„Dass Olympische Spiele sind, ist ein großer Grund, dass ich in diesem Jahr das Comeback mache“, sagt Nystad, „obwohl ich schon drei Mal da war, ist es immer noch das Ziel – und wenn es nicht realistisch wäre, würde mich der gesamte Skiverband nicht so unterstützen.“


Überraschung: Denise Herrmann, 24 aus Oberwiesenthal hat zum Start des Olympiawinters das erste Einzel-Podest ihrer Karriere gefeiert. Sie landete beim Klassik-Sprint in Kuusamo überraschend auf Platz drei und erfüllte als erste DSV-Athletin die Norm für die Winterspiele in Sotschi.


Bei der Saisonstart-Pressekonferenz verzichtete sie auf offizielle Kleidung und trug lieber ihre verwaschenen Bluejeans mit den modischen Löchern. Nystad wirkt heute wesentlich entspannter als vor ihrem Rücktritt. „Das war ja nicht mehr so gut am Ende, als ich als 57. im Gesamtweltcup ausgestiegen bin“, sagt sie. Außerdem fiel es ihr stets schwer, mit dem damaligen Bundestrainer Jochen Behle einen Konsens zu finden.

Sie hat gemalt und Ausstellungen gemacht, vor allem aber hat sie in Leipzig Wirtschaftsinformatik studiert, im Juni mit dem Bachelor abgeschlossen und zwar „sehr gut, über dem Durchschnitt“. So gut, dass sie sich ziert, die Noten ganz genau zu sagen. „Einfache Mathematik, find’ ich immer, muss ja jeder können, weil ich’s ja auch kann, aber dann stell’ ich fest, dass das nicht so ist“, sagt sie. Ihre Abschlussarbeit hat Nystad über Social Media im Deutschen Ski-Verband geschrieben. Sie hat das Treiben von Athleten und Verband bei Facebook, Twitter, Youtube analysiert und „eine Struktur entwickelt, wie man das so aufbauen kann, dass es wächst“.

Dass der Langlauf sie zurückgelockt hat, liegt an dem Nervenkitzel seiner Unberechenbarkeit. „Im Sport trainiert man den ganzen Sommer, und im Winter weißt du nicht, ob es aufgeht. Das Auf und Ab habe ich vermisst“ sagt Nystad, „ich würde mich später verurteilen, wenn ich es nicht probiert hätte.“ Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt. Danach ist Schluss weil sie auch im Leben gegen die Uhr kämpft: „Bis 40“, sagt Nystad, „möchte ich ein paar Kinder haben.“

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