Ja, Skispringen ist eine Freiluft-Sportart. Und: Ja, das soll sie auch bleiben. Dass Naturgewalten mitmischen, gehört zum Programm der Randsportart, die längst eine veritable Karriere als Fernsehprodukt gemacht hat – egal, ob es sich um Schnee, Nebel oder Wind von hinten, vorne oder seitwärts handelt.
Nun hat sich der Ski-Weltverband (Fis) viel einfallen lassen, um die Wetterbedingungen so gut wie möglich zu berechnen und die Wettbewerbe so gerecht wie möglich auszuwerten. Laut Renndirektor Walter Hofer ist es bei aller Innovation stets zuvorderst um die Sicherheit der Athleten gegangen. Um die ging es auch beim Weltcup am Sonntag in Klingenthal: Wegen starker Böen wurde der Beginn des Einzelspringens verschoben.
Sprung-Boykott
Nachdem 48 von 50 Springern gelandet waren, nahm der Wind zu. Nur der Österreicher Gregor Schlierenzauer und Anders Bardal aus Norwegen, die Besten der Vorsaison, saßen noch oben. Sie boykottierten den Sprung. „Ich fühlte mich nicht sicher“, sagte Bardal. „Die Verhältnisse waren irregulär. Man muss nichts Sinnloses riskieren“, sagte Schlierenzauer, vor allem nicht in einer Olympiasaison.
Ihre Verweigerung ist mutig gewesen, sie zeugt von der Mündigkeit der Athleten. Die Jury der Fis aber war der Meinung, der Wind hätte beiden Sportlern ein Sprungfenster gelassen. Deshalb wies sie den Protest Österreichs ab und ließ sich durch den Boykott nicht zur Annullierung des Wettbewerbs zwingen.
Zweifellos liegt es im Interesse der Fis, einen Wettbewerb zu Ende zu bringen und somit die Erwartungen des Veranstalters, der Zuschauer, der Sponsoren und des Fernsehens zu erfüllen. Und zweifellos fällt die Jury Entscheidungen auf einem schmalen Grad. Ihr deshalb aber vorzuwerfen, sie mache die Skispringer „zum Spielball einer Show“, wie es Österreichs Trainer Alexander Pointner tat, ist unsinnig. Denn die Jury weiß: Nichts schadet der Sportart mehr als ein Sturz, der sich auf ein unkalkulierbares Wetterrisiko zurückführen lässt.
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