Ein seltsames Paar, diese beiden. Wie Fremde wirken sie nebeneinander, auf breiten Füßen stehend er: der mächtige König, wie auf einem Kanapee liegend sie: die ebenso mächtige Königin. Ihr Verhältnis: erhabene Distanziertheit; viel Luft ist zwischen ihnen. Und - die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen - verrostet sind sie außerdem. Trotzdem aber sind die zwei von der Natur gezeichneten Edelstahlgestalten elegant. Es sind phantasievolle Geschöpfe des seit 1971 in Berlin lebenden Bildhauers Songhak Ky. Zu bewundern ist das "Königspaar" im Foyer des Constanze-Pressehauses, ist Teil einer sich über vier Stockwerke erstreckenden Ausstellung mit dem Titel "Skulpturen". Ky erzählt hier wohl einen Teil der Geschichte seines Heimatlandes: Kambodscha. Ehemals war es ein Königreich, in den vergangenen Jahrzehnten haben Bürgerkrieg und andere Miseren daraus einen hochgradig instabilen Flecken Erde gemacht. Ohne Herrscherpaar versteht sich. Das ist in der Werkschau umringt von skurrilen Gebilden. Ein rotlackiertes, zwei Meter großes "Ungeheuer" aus Stahl steht da, sieht aus wie eine Mischung aus überdimensioniertem Spielzeug, Raumschiff und futuristischem Tower. Ky vermischt auf virtuose Weise das Figürliche und Architektonische mit der Abstraktion, das Geometrische mit dessen Auflösung ins Ästhetische. Schöne Beispiele dafür sind seine "Würfel". Der eigentlich hermetische Kubus mutiert durch ausbrechende Fragmente des Korpus zu einer vielseitig deutbaren Gestalt, die stets neue Blickperspektiven - und Assoziationen - eröffnet. Dabei verläßt der Künstler, handwerklich perfekt, das symmetrische Prinzip nur, um es auf eine andere, subtilere Art wiederherzustellen. Das massive, kalte Material, der Stahl, scheint so weicher zu sein. Wie bei der Skulptur "Kleine Fische", wo man nach längerem Hinsehen plötzlich zarte Schuppen, Flossen und Bärte entdeckt; wie beim aerodynamischen "Winterspieler", der samt Skibrettern förmlich von seinem Podest abzuheben scheint oder der "Endphase": Aus einem robusten Sockel wächst eine verspielte Arabeske heraus: bizarres Blumengebinde. Gar nicht hart wie Stahl. Constanze-Pressehaus, Kurfürstenstraße 72-74, bis 16. 2. 1996, Mo-Fr 8-18 Uhr. +++
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