Der slowakische Regierungschef Robert Fico ist nach dem Attentat auf ihn nach offiziellen Angaben erneut operiert worden. Der Zustand des Ministerpräsidenten sei weiterhin „sehr ernst“, teilte Vize-Regierungschef Robert Kalinak am Freitag in Banska Bystrica mit. In der dortigen Klinik wird Fico seit den Schüssen auf ihn am Mittwoch behandelt.
Nach letzten Informationen von Ficos Stellvertreter Robert Kalinak und Innenminister Matus Sutaj Estok war der Regierungschef von vier Schüssen getroffen worden. Die Schwere der Verletzungen könnten eine Genesung schwierig machen, Fico werde „vieles wieder neu lernen müssen“, hatte Kalinak gesagt. Kalinak vertritt Fico während dessen Abwesenheit.
Der mutmaßliche Attentäter wurde bereits gefasst. Medienberichten zufolge hat die Polizei am Freitag die Wohnung von Juraj Cintula durchsucht, er soll auf den slowakischen Regierungschef geschossen haben. Polizisten brachten den Verdächtigen zu seiner Wohnung in der westslowakischen Stadt Levice, die er gemeinsam mit seiner Frau bewohnt, berichtete der private Fernsehsender Markiza. Der mutmaßliche Schütze war demnach mit einer schusssicheren Weste und einem Helm ausgestattet.
Die Polizisten sollen mehrere Stunden in der Wohnung verbracht und einen Computer sowie Dokumente mitgenommen haben. Die Polizei wollte sich gegenüber der Nachrichtenagentur AFP nicht zu den laufenden Ermittlungen äußern.
Juraj Cintula wird in den lokalen Medien als vielschichtige Persönlichkeit mit einem überraschenden Wandel bezeichnet. Geboren und aufgewachsen in Levice, einer Stadt mit 30.000 Einwohnern im Herzen der Slowakei, wird Cintula von seinem langjährigen Bekannten Ludovit Mile als „freundlicher, hilfsbereiter Nachbar“ beschrieben. Mile betont, dass er Cintula seit 1983 kennt und ihn nie als politischen Eiferer erlebt hat.
Juraj Cintula: Wer ist Ficos mutmaßlicher Attentäter?
Cintula, ein 71-jähriger Rentner und Vater zweier erwachsener Kinder, lebte ein ruhiges Leben. Trotz einiger Meinungsverschiedenheiten über Regierungsmaßnahmen des nationalistischen Populisten Fico sprach er selten über Politik. Ein politisch motivierter Mordversuch scheint für Mile unvorstellbar.
Früher arbeitete Cintula als Wachmann, bis gesundheitliche Probleme ihn zwangen, den Job aufzugeben. Seine Interessen lagen unter anderem in der Natur und der Literatur. 2005 gründete er den Literaturclub „Duha“ und veröffentlichte mehrere Gedichtbände, darunter „Traum eines Rebellen“. Seit 2019 war er jedoch inaktiv im Club.
Eine andere Seite von Cintula zeigte sich 2016, als er in einem TV-Bericht über einen Angriff auf ihn erzählte. Kurz darauf gründete er eine politische Bewegung „gegen Gewalt“, wie er in einem YouTube-Video verkündete. In seiner Bewegung thematisierte er die zunehmende Gewalt und Waffen in der Welt sowie die Herausforderungen durch Migration und Extremismus.
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Obwohl Cintula öffentlich kaum über den Krieg in der Ukraine sprach, zeigte er Sympathien für die prorussische Vereinigung Slovenskí branci, was ein altes Foto und Facebook-Posts belegen. Diese Gruppe steht der extremen Rechten nahe, ist aber seit zwei Jahren inaktiv.
Innenminister Matus Sutaj Estok beschreibt Cintula als „Einzelgänger“, der sich über den Wahlsieg vom Fico-Verbündeten Peter Pellegrini im April verärgert zeigte. Die Tat wirft weiterhin viele Fragen auf, und das Bild von Cintula als wütender Bürger steht im krassen Gegensatz zu seinem bisherigen Leben als friedlicher Nachbar und Hobbyschriftsteller.
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