Das Ambiente war perfekt. In den kaukasischen Bergen hoch oben über Sotschi lag schöner weißer Schnee. Die Sonne strahlte, der Himmel glänzte blau. Torah Bright rauschte in ihren waschmittelwerbungsweißen Hosen, der dunkelgrünen Jacke und mit ihrem schwarzen Helm durch den Rosa Chutor Extreme Park. Doch ihre Mission lief schleppend an. Weder glänzte Bright, noch strahlte sie.
Die australische Snowboarderin haderte mit dem Kursaufbau in der Qualifikation zum olympischen Slopestyle-Wettbewerb. Nachdem es im Training schwere Stürze gegeben hatte, waren auf Drängen der Athleten schon Änderungen vorgenommen worden. In der neuen Disziplin muss ein Ensemble aus Hindernissen in einer möglichst spektakulären Mischung aus Rasanz und Akrobatik bewältigt werden.
„Das Problem war: Wir sind die Besten bei dem, was wir tun, aber der Kurs hatte nicht das Niveau. Die Modifikationen haben definitiv schon viel geholfen“, sagte Bright, „er war einfach nicht stimmig aufgebaut, und daher gab es viele unglückliche Leute, weil dies das Slopestyle-Debüt bei Olympia ist.“
Mit ihrem zweiten Lauf hat Bright dann all ihre olympischen Ambitionen gerechtfertigt. Hinter der Schweizerin Isabel Derungs qualifizierte sie sich direkt für das Finale am Sonntag. Die Halfpipe-Olympiasiegerin von Vancouver will als erste Snowboarderin in drei Disziplinen starten und gewinnen – neben Slopestyle und Halfpipe noch im Cross-Wettbewerb. „Ich weiß nicht, was passiert“, sagt Bright, „aber ich will der Welt die Sportart Snowboard vorführen.“
Die 27-Jährige steht perfekt für den Trend ihres Heimatlandes. Australien profitiert von der Modernisierung der Winterspiele. Seit die Olympier reihenweise die unter Jugendlichen populären Action-Sportarten aufgenommen haben, können die Australier auch zu Winterspielen größere Abordnungen schicken und ihre Medaillenziele höher stecken. Neben Bright bauen sie in Sotschi auf Halfpipe-Snowboarder wie Nate Johnstone und Holly Crawford, auf Snowboard-Crosser wie Jarryd Hughes und den Fahnenträger Alex Pullin. „Ich wäre sehr angetan, wenn wir die drei Medaillen vom letzten Mal wiederholen könnten“, sagt der Chef von Australiens Olympischem Komitee, John Coates.
Nach ihrer Goldmedaille von Vancouver, wo sie schon die Fahne ihres Landes bei der Eröffnungszeremonie tragen durfte, gibt Torah Bright inzwischen Coates’ beliebtestes Covergirl. Als Australiens Sunday Telegraph die attraktive Blondine vorigen Sonntag auf dem Titel abbildete, twitterte Bright brav: „Danke für das Cover“.
Alexey Sobolev aus Russland legt sich während der Slopestyle-Quali im Rosa Khutor Extreme Park nieder.
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Finne trifft Matroschka: Roope Tonteri schwebt in der Luft.
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Im Fokus: Isabel Derungs aus der Schweiz bei der Slopestyle-Qualifikation der Frauen.
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Seamus O'Connor aus Irland.
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Sven Thorgren aus Schweden.
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Seppe Smits aus Belgien.
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US-Snowboarderin Jamie Anderson freut sich über ihre gute Abfahrt.
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Ganz in blau haben sich die Fans auf Sotschi vorbereitet.
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Rosa Khutor Extreme Park
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Maxence Parrot aus Kanada
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Sarka Pancochova aus Tschechien
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Sage Kotsenburg aus den USA
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Karly Shorr, USA
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Rosa Khutor Extreme Park
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Niklas Mattsson aus Schweden
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Yuki Kadono aus Japan
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Schweizer Lucien Koch
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Emil Andre Ulsletten, Norwegen
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Ville Paumola aus Finnland
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Sie ist es gewöhnt, herumgereicht zu werden. Seit über zehn Jahren wird sie von einem Snowboard- und Surfbekleidungshersteller gesponsert, der sie zu Werbeterminen durch die Welt schickt, wenn gerade keine Saison ist. Sie kommt aus bescheidenen Verhältnissen und hat durch ihre Snowboard-Profikarriere schon mit 14 Jahren Selbstständigkeit lernen müssen.
Ihre Eltern betrieben einst in Cooma, fünfeinhalb Autostunden südlich von Sydney, auf einem Bauernhof Viehzucht und Kartoffelanbau – und gingen 1988 pleite, als eine Dürre Australien heimsuchte. Ihr Vater Peter hat sich danach auf das Geschäft mit Bewässerungsanlagen und Brunnensystemen verlegt, die Mutter überwachte Torahs Karriere. „Eigentlich war Olympia der Traum meiner großen Schwester Rowena, die 2002 in Salt Lake City als Skifahrerin gestartet ist“, sagt Bright, „aber irgendwann hab’ ich gedacht: Warum nicht auch ich?“
Viele Menschen unterschätzen sie, vielleicht, weil sie so sehr höflich und blond ist. Aber Bright rückt die Dinge schnell so entwaffnend offen gerade, dass ihr am Ende kaum jemand böse sein kann. Sie hat genaue Vorstellungen und Prinzipien. „Ich trinke nicht, rauche nicht, trinke keinen Tee oder Kaffee und habe keinen Sex vor der Hochzeit“, predigte sie früher.
Wie ihre Eltern ist sie Mormonin, mit 15 Jahren zog sie mit Mutter und Bruder Ben, der sie bis heute coacht, nach Salt Lake City. „Wegen der Sponsoren und Wettbewerbe lebt es sich viel leichter in den USA, um von da nach Europa zu reisen“, sagt Bright, „Australien ist zu weit weg von allem.“
Die Ehe hielt keine Olympiade
Als sie dann noch vier Monate nach den Spielen in Vancouver den US-Kollegen Jake Welch, Mormone wie sie, heiratete, witterten einige Amerikaner eine große Chance, sie künftig für die USA starten zu lassen. Lächelnd entgegnete Bright, sie sei „nur zum Arbeiten in den USA“, nicht der Pass reize sie, „höchstens die Green Card“. Die Ehe hielt ohnehin nicht einmal eine Olympiade. Im vorigen Sommer trennte sich das Paar wieder.
Ihre Bodenständigkeit hat Bright trotz Ruhm und Rückschlägen bewahrt. Als sich in Sotschi nach dem Training zum Wochenbeginn nicht die angemessenen Einrichtungen fanden, um die Muskeln zu entspannen, improvisierte sie, statt wie einige andere Athleten groß über die Nachlässigkeiten der Organisatoren zu lamentieren: Sie nahm eine große grüne Mülltonne, füllte sie mit flüssigem und gefrorenem Wasser, zog die Hosen und Strümpfe aus – und stieg hinein ins Eisbad.
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