Was tun?

So gehen andere Länder mit der Sommerhitze um

Wie so oft empfiehlt es sich zu schauen, wie es die anderen machen.

Marcus Weingärtner Karl Doemens Martin Dahms Anne Vorbringer und Birgit Holzer
7 Min
40 Grad zeigt das Thermometer. Doch was tun? Wir zeigen, wie andere Länder mit der Sommerhitze umgehen. 

40 Grad zeigt das Thermometer. Doch was tun? Wir zeigen, wie andere Länder mit der Sommerhitze umgehen. 

© imago images / Patrick Scheiber

Es ist nicht auszuhalten: Erst die Hitzewelle, dann wochenlang nass-kühles Wetter und nun erneut die Wärmepeitsche mit Temperaturen tropischen Ausmaßes. Aber was tun? Wie so oft empfiehlt es sich zu schauen, wie es die anderen machen.

In diesem Fall haben unsere Redakteure einen Blick in andere Länder geworfen, die Erfahrung mit großer Sommerhitze haben. Und das haben sie dabei gelernt:

Griechenland

Auf Kreta kennt man sich aus mit sommerlichen Temperaturen. Aber der August vor zwei Jahren übertraf sogar die Befürchtungen der Einwohner von Iraklio, der Hauptstadt der Insel. Wochenlang sank das Thermometer nicht mehr unter 35 Grad, erreichte 38, gar 39 Grad Celsius. In den Nächten dampften wir bei 27 Grad und ratternder Klimaanlage vor uns hin.

Urlaub auf Kreta im August – was für eine Schnapsidee. Nach ein paar Tagen jedoch hatten wir nach anfänglicher Urlaubsenergie den Modus der Einheimischen übernommen, eine Art reptilienhafte Langsamkeit, mit der wir uns durch die schlimmsten Stunden des Tages manövrierten.

In den vielen Cafés und Restaurants Iraklios gibt es immer einen eisgekühlten Krug Wasser und salzige Knabbereien. 

In den vielen Cafés und Restaurants Iraklios gibt es immer einen eisgekühlten Krug Wasser und salzige Knabbereien. 

© Getty Images 

Um die Mittagszeit ruht die Stadt und wer kann, der bleibt im Haus oder rettet sich in eines der klimatisierten Kaufhäuser. In den vielen Cafés und Restaurants Iraklios gibt es immer einen eisgekühlten Krug Wasser und salzige Knabbereien für den Elektrolytehaushalt.

Beides geht aufs Haus, die Kreten wissen, wie man Gäste bewirtet. Gegessen wird ohnehin spät, ein Abendessen ab 21 Uhr ist keine Seltenheit und wer nach 22 Uhr durch die Straßen Iraklios läuft, der findet in vielen Ecken eine pulsierende und trubelige Stadt vor – das Leben verschiebt sich in die späteren, wenn auch nur wenig kühleren Stunden.

Wer doch tagsüber die Insel erkunden will, dem seien die Reisebusse empfohlen, wir wählten oft die längste Strecke und genossen die Zeit im Bus. Voll klimatisiert und mit getönten Scheiben konnte man im Inneren der schlimmsten Hitze entkommen.

Marcus Weingärtner

Vereinigte Staaten 

Abends um 19 Uhr zeigte das Außenthermometer 104 Grad Fahrenheit (40 Grad Celsius) an, und auch die Nacht brachte kaum Erleichterung. Wegen der oft drückenden Hitze und der hohen Mückendichte genießt der Hochsommer im sprichwörtlichen Sumpf von Washington ohnehin einen zweifelhaften Ruf. Doch die Hitzeglocke der vergangenen Woche stellte alle bisherigen Rekorde in den Schatten.

Die Bürgersteige der US-Hauptstadt waren am Sonnabend wie leer gefegt. Dagegen herrschte Gedränge in den Tiefgaragen der Supermärkte, von wo sich die Kunden eilig aus ihren klimatisierten Autos über Rolltreppen in die üblicherweise tiefgekühlten Lebensmittelabteilungen bewegten.

In vielen amerikanischen Häusern und Wohnungen brummt eine Klimaanlage, die zu Hause die Hundstage erträglicher macht

In vielen amerikanischen Häusern und Wohnungen brummt eine Klimaanlage, die zu Hause die Hundstage erträglicher macht

© Getty Images 

Die Behörden hatten vor körperlicher Betätigung und längeren Aufenthalten im Freien gewarnt. In New York, wo es heißer war als in Neu-Delhi, wurde der Triathlon abgesagt – ein Spektakel, bei dem rund 4000 Teilnehmer unter anderem durch den Hudson River schwimmen.
In vielen amerikanischen Häusern und Wohnungen brummt eine Klimaanlage, die zu Hause die Hundstage erträglicher macht. Zudem öffnen viele Städte öffentliche Gebäude mit Aircondition für überhitzte Bürger. Allerdings zwingt der hohe Energieverbrauch im Hochsommer regelmäßig das Stromnetz in die Knie.

So fiel am Sonntag die Versorgung für etwa 50.000 Haushalte in den New Yorker Stadtteilen Brooklyn und Queens aus. Erst eine Woche zuvor war auf der West Side von Manhattan plötzlich der Strom weggeblieben.

Karl Doemens

Spanien

Hitzewellen sind was für Deutsche. Wellen türmen sich auf und ebben wieder ab. Hier ebbt die Hitze nicht ab. Die Madrider Hitze ist ein See, der langsam vollläuft. Entrinnen gibt es nur in den Bergen. „Ich bin am Wochenende in Cercedilla“, sagte mir meine Kollegin Sandra. Cercedilla liegt auf 1200 Meter Höhe und hat ein Waldschwimmbad. Ich aber blieb in Madrid.
Die erste Regel ist: nicht das Haus verlassen. Fenster zu, Rollläden runter.

Zum Mittagessen Salat oder Gazpacho. Bloß nicht kochen, das heizt nur die Wohnung auf. Wer hat bei diesen Temperaturen schon Hunger? Nicht bewegen und viel trinken. Ein paar Stunden geht das gut. Irgendwann am Nachmittag schläft man ein. So kam die Siesta nach Spanien.
Gegen zehn Uhr abends machen wir die Fenster auf. „So geht jedenfalls eine Brise durchs Haus“, sagt Rosa, meine Frau. Es ist eine Heizlüfterbrise. Wir schlafen bei offenem Fenster, da hört man, was die Nachbarn tun.

Nicht bewegen und viel trinken. Ein paar Stunden geht das gut. Irgendwann am Nachmittag schläft man ein. So kam die Siesta nach Spanien.

Nicht bewegen und viel trinken. Ein paar Stunden geht das gut. Irgendwann am Nachmittag schläft man ein. So kam die Siesta nach Spanien.

© Getty Images 

Meistens gucken sie lange fern, weil man sowieso nicht schlafen kann. Morgens um sieben sind es endlich frische 23 Grad. Bald darauf schließen wir die Fenster, damit sich etwas von der Kühle in den Räumen hält. Man kann natürlich trotzdem rausgehen. Das tun hauptsächlich die Touristen. Jetzt im Sommer findet man nicht nur freie Parkplätze, sondern auch freie Tische in den Straßencafés. Nur Touristen halten die Hitze und die rumänischen Straßenmusikanten aus. Die Madrider sind drinnen im Lokal, wo die Klimaanlage etwas zu kühl eingestellt ist. Oder im Museum oder im Kino. Frühestens um Mitternacht setzen wir uns auf die Straße, bei angenehmen 30 Grad.

Die Steine der Stadt haben sich mit Hitze vollgesogen, und wir ergeben uns. Vielleicht sollte ich im Schlafzimmer einen dieser trägen Deckenventilatoren installieren lassen. Von denen hört man hier Wunderdinge. Bis wir einen haben, lassen wir uns willenlos durch den Hitzesee treiben.

Martin Dahms

Indien

Es ist wirklich keine gute Idee, im Mai in den Norden Indiens zu reisen. Schließlich herrschen dort dann gern mal Tageshöchsttemperaturen von 40 bis 50 Grad. Wenn man aber schon mal da ist, kann man von den Bewohnern einige Strategien gegen die Hitze lernen. Bei weitem nicht jeder kann sich eine ununterbrochen laufende Klimaanlage leisten.

Man trinkt Limettensaft mit Sodawasser oder das Joghurtgetränk Lassi. Das ist nicht nur erfrischend, sondern hat auch eine positive Wirkung auf die Darmflora. 

Man trinkt Limettensaft mit Sodawasser oder das Joghurtgetränk Lassi. Das ist nicht nur erfrischend, sondern hat auch eine positive Wirkung auf die Darmflora. 

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Oder Geräte, die Wasserdunst durch Matten aus Süßgras pumpen. Beliebt und kostengünstiger sind Lokale mit Dachterrasse, die kaltes Wasser durch Ventilatoren sprühen. Zur weiteren Abkühlung trinkt man Limettensaft mit Sodawasser oder das Joghurtgetränk Lassi. Das ist nicht nur erfrischend, sondern hat auch eine positive Wirkung auf die Darmflora. Und das kann in Indien nun wirklich nicht schaden.

Anne Vorbringer

Frankreich

Wenn die Temperaturen in Paris steigen, und das tun sie in dieser Woche auf über 40 Grad, dann laufen auch die Telefone heiß: Im Rathaus sind rund ein Dutzend Ehrenamtliche damit beschäftigt, Hunderte Nummern anzurufen.

Sie gehören überwiegend alleinstehenden Senioren, die meist von ihren Angehörigen in einer Liste eingetragen wurden, weil die aktuelle Hitzewelle ihnen besonders zusetzen könnte. Ob alles in Ordnung sei und ob sie ausreichend trinken und essen, werden sie gefragt. Wenn keiner den Hörer abnimmt, kommen Sozialarbeiter vorbei.

Ob alles in Ordnung sei und ob sie ausreichend trinken und essen, werden Senioren gefragt. Wenn keiner den Hörer abnimmt, kommen Sozialarbeiter vorbei.

Ob alles in Ordnung sei und ob sie ausreichend trinken und essen, werden Senioren gefragt. Wenn keiner den Hörer abnimmt, kommen Sozialarbeiter vorbei.

© Getty Images

Zu Maßnahmen wie diesen greifen mehrere französische Städte, um einer Katastrophe wie 2003 vorzubeugen. Angesichts von Rekordtemperaturen, der Überforderung von Behörden und Krankenhäusern starben innerhalb von drei Wochen fast 20.000 Menschen in Paris. Nun stellt die französische Metropole kühle Räume zur Verfügung, lässt Wasserflaschen verteilen und Trinkfontänen aufstellen.

Für Autos, die strengen Umweltkriterien nicht entsprechen, gelten Fahrverbote – eine unbeliebte Maßnahme, die aber die Luft so erträglich wie möglich halten soll.

Birgit Holzer

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