So nah sich die Brüder Steffen und Markus Deibler auch sind - als Schwimmer könnten sie gegensätzlicher nicht sein

Die zwei vom Baggersee

Tino Scholz
3 Min

BERLIN Gerade hatte Steffen Deibler beim Schwimm-Weltcup in Berlin das Finale über 100 Meter Freistil gewonnen, da warteten am Beckenrand schon die ersten Gratulanten. Doch sie mussten einen Moment warten. Steffen Deiblers Blick wanderte nach rechts, zwei Bahnen weiter. Er suchte Blickkontakt zum Drittplatzierten, zu seinem Bruder Markus. Die beiden klatschten sich ab, und Steffen tätschelte Markus' Kopf, als wolle er sagen: "Gut gemacht, Brüderchen."Die zwei Schwimmer des Hamburger SC zählten an diesem Wochenende zu den erfolgreichsten Athleten des Weltcups, sie standen nach sieben Rennen sieben Mal auf dem Podest. Neben dem ersten und dritten Platz über 100 Meter Freistil erreichte Steffen auch noch auch zweite Plätze über 50 Meter Schmetterling, 50 Meter Freistil und 100 Meter Schmetterling. Markus belegte über 200 Meter Lagen den dritten, über 100 Meter Lagen den ersten Rang. Letzteres sogar in der Weltjahresbestzeit von 52,17 Sekunden. Trainerin Petra Wolfram sagte: "Die beiden haben bewiesen, welches Talent in ihnen steckt."Vor allem Steffen Deibler sorgt in dieser Weltcup-Saison für Aufsehen. Bei jedem seiner 18 Auftritte während der nun fünf Weltcupeinsätze belegte er einen Platz unter den ersten Drei. "Es hat mich selbst überrascht, dass ich vor allem am zweiten Tag in Berlin noch so gut war. Ich war ziemlich kaputt", wunderte er sich. Trainerin Wolfram erklärt das vor allem damit, "dass die Niveaus der jeweiligen Weltcups stark schwanken. So wie auch Steffens Zeiten, da müssen wir noch Konstanz reinbekommen."Die Begabung zum Schwimmen haben die Eltern der beiden früh erkannt. Mutter und Vater, beide ehemalige Schwimmer, legten im Kindesalter der Söhne viel Wert auf die Schwimmausbildung. "Aber auch nur, weil sie am Baggersee in Ruhe ihre Zeitung lesen wollten, ohne sich Sorgen zu machen", flachst Steffen Deibler. Aus dem Überlebenskampf am Baggersee ist Leistungssport geworden. Zusammen wohnen und trainieren die beiden in Hamburg und gehören zu den Hoffnungen im deutschen Team. Steffen, 23, hält den Weltrekord über 50 Meter Schmetterling (21,8 Sekunden). Markus, 20, behauptet den deutschen Rekord über 200 Meter Lagen (1:54,52 Minuten).Längere Hebel"Jeder gönnt dem anderen den Erfolg", sagt Trainerin Wolfram. Wenn sie, wie beim Weltcup in Berlin, gegeneinander schwimmen, sprechen sie nicht von Konkurrenz. "Das ist bei uns eher Mannschaftssport als Einzelsport", sagt Markus. "Wir schwimmen dann gegen den Rest." Und doch sind die beiden unterschiedlicher, als man annehmen könnte. Da ist Markus, breites Kreuz, 1,96 Meter groß. Und Steffen, elf Zentimeter kleiner und körperlich kompakter. "Dadurch hat Steffen zwar den Vorteil, weniger Masse durchs Wasser bewegen zu müssen, Markus hat dafür längere Hebelverhältnisse", sagt Trainerin Wolfram.Doch nicht nur äußerlich unterscheiden sich die beiden, auch ihr Saisonverlauf könnte kaum gegensätzlicher sein. Während Steffen seit Anfang September an allen Weltcups teilnahm, trainiert Markus seit sechs Wochen vornehmlich Grundlagen. "Ihm fehlt die Belastungsfähigkeit", sagt Wolfram. In den vorigen Saisons war der jüngere der Deibler-Brüder oft verletzt.Mittlerweile ist er seit Wochen fit, das nährt die Hoffnungen auf eine erfolgreiche Zukunft. Bis zu den Olympischen Spielen in London 2012 wollen die Deiblers zur Weltspitze gehören. "Das Ziel ist das Finale", sagt Steffen. "Mit dem Bruder zusammen in einem Endlauf, das wäre schon was", findet auch Markus. Und dafür tun die beiden einiges. An den Tagen des Weltcups saßen sie lange nach Wettkampfende mit ihrer Trainerin zusammen. Ob Sie ihren Erfolg feiern würden? "Wir sind Leistungssportler auch außerhalb des Beckens", sagt Steffen Deibler. "Wir werden nun nicht über die Reeperbahn ziehen."------------------------------Foto: Gut gemacht, Brüderchen: Steffen (r.) und Markus Deibler sprechen von Mannschaftssport, wenn sie übers Schwimmen reden.

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