Mehr als 300.000 Menschen erleiden pro Jahr einen Herzinfarkt. In Berlin sind es etwa 10.000. Die beginnende Grippesaison erhöht das Risiko für Infarkte, denn bei einer Infektion durch Influenzaviren reagiert das Immunsystem mit einer starken Abwehrreaktion. Es entwickeln sich Entzündungsprozesse, die auch auf die Blutgefäße und das Herz übergreifen. Ablagerungen können sich von den Gefäßwänden lösen und als Blutgerinnsel zu einem Verschluss führen.
Eine Grippeschutzimpfung verringert die Gefahr eines Infarkts. Darauf weist das Deutsche Herzzentrum der Charité (DHZC) jetzt hin. „Eine Grippeimpfung gehört zur Herzinfarkt-Vorsorge“, sagt der Kardiologe Ulf Landmesser, stellvertretender Ärztlicher Direktor des DHZC. Der Professor weiter: „Das ist inzwischen sehr gut belegt – wird aber immer noch unterschätzt.“
Eine Impfung schützt in doppelter Hinsicht. Darauf weist Bettina Heidecker hin, am DHZC Spezialistin für Herzmuskelentzündungen. „Sie verhindert die Infektion – und sie verhindert, dass diese Entzündungsreaktionen überhaupt entstehen.“
Influenza-Impfung senkt Herzinfarkt-Risiko
Die Professorin ist Erstautorin eines Konsensuspapiers, das im European Heart Journal veröffentlicht wurde. Das Papier beschreibt die Influenza-Impfung als vierte Säule der Herzinfarktprävention neben der Blutdrucksenkung, der Behandlung erhöhter Blutfette und der optimalen Einstellung des Blutzuckers. Für Menschen mit koronarer Herzkrankheit, nach Herzinfarkt oder mit Herzinsuffizienz kann die Impfung einen zusätzlichen Schutz vor akuten Ereignissen bieten.
Die Grippesaison dauert in der Regel von Oktober bis März. Die Ständige Impfkommission (Stiko) beim Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt eine Schutzimpfung jenen, die über 60 Jahre alt sind, sowie Menschen mit Grunderkrankungen.
Doch gerade in diesen Personengruppen verzichten viele auf den Grippeschutz. Laut RKI sind nur 38 Prozent der über 60-Jährigen und 31 Prozent der Erwachsenen mit einer Grunderkrankung gegen Influenza geimpft.
Gesundheitsamt warnt vor Anstieg im Dezember
In Berlin wurden bisher wenige Fälle an das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) gemeldet. Von einer Entwarnung kann jedoch keine Rede sein. Das Lageso rechnet nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre im Dezember mit einem deutlichen Anstieg.
Die Kardiologen des DHZC empfehlen Herzpatienten, sich zeitnah impfen zu lassen. Doch auch zu einem späteren Zeitpunkt, im Dezember oder Januar, ist es noch sinnvoll, da sich der Impfschutz innerhalb von zwei Wochen aufbaut.
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