Lernen können sie von den Berliner Baugenossenschaften, die mit der energetischen Sanierung ihres Bestands bereits begonnen haben, als das Thema Energieeffizienz in Gebäuden auf der politischen Agenda noch unter „ferner liefen“ vermerkt war.
Die Avantgarde der Traditionalisten
Beispiel „Wendenschloß“: Die Berliner Wohnungsbaugenossenschaft gehört zu den Vorreitern in Sachen Heizkostenkontrolle und Energieeffizienz.
„Wir haben unsere energetische Sanierung bereits in der Zeit zwischen 1995 bis 1998 abgeschlossen“, sagt Dietmar Labudda vom Vorstand. Seitdem läge der durchschnittliche Verbrauch der 1 365 Wohnungen im Südosten Köpenicks im Jahr bei durchschnittlich 95 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche – ein guter Mittelwert.
Ähnlich fortschrittlich zeigt sich die Wohnungsbaugenossenschaft Lichtenberg (WGLI), die in Berlin-Lichtenberg 10 138 Wohnungen besitzt und damit die größte Wohnungsbaugenossenschaft
der Hauptstadt ist. „Wir haben in den Jahren 1995 bis 2002 über 400 Millionen Euro in die Sanierung investiert“, sagt Clemens Thurmann, Technischer Vorstand der WGLI. Dabei waren die Voraussetzungen alles andere als günstig, es gab akuten Handlungsbedarf. „Wir hatten einen Ausgangswert von 202 Kilowattstunden Verbrauch pro Quadratmeter und Jahr“, sagt Clemens Thurmann. Durch den Austausch von Einrohr- in Zweirohrheizungen, den Einbau neuer Fenster mit Lüftungssystemen und die Dämmung mit hinterlüfteten, vorgehängten Keramikfassaden ließ sich der Wert jedoch deutlich drücken. „2001 lag er schon bei 80, im vergangenen Jahr haben wir im Mittel 67 Kilowattstunden erreichen können.“
Ein Vorbild, das inspiriert: Aktuell modernisiert zum Beispiel die älteste Genossenschaft der Hauptstadt – die Berliner Baugenossenschaft (BBG) – gleich an drei Orten ihren Bestand. Das Ziel: mehr Wohnkomfort und eine bessere Energiebilanz. 227 Wohneinheiten in Steglitz in der Kniephofstraße sind gerade fertig geworden. „Wir haben die Holz- in Kunststofffenster ausgetauscht und eine 14-Zentimeter-Vollwärmedämmung der Fassaden vorgenommen“, sagt Thomas Frohne, Technischer Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft. Keller und Dächer wurden bereits in der Vergangenheit gedämmt. Die Fassadenvolldämmung erhielten auch die 214 Einheiten in Lichtenrade.
In Zehlendorf saniert die BBG ihre Wohnungen von Grund auf: Das komplette Dach wurde erneuert, der Keller gedämmt, Fenster dreifach verglast und die Heiz- und Wasserleitungen auf den neuesten Stand gebracht. Ähnliche Maßnahmen plant die Baugenossenschaft mit den 475 Wohnungen in Mariendorf und den 170 Einheiten in Lichtenberg. „Wir kontrollieren jedes Jahr, ob der Verbrauch gefallen oder gestiegen ist“, sagt Thomas Frohne, dessen Genossenschaft in Berlin insgesamt 6 660 Wohnungen betreibt. Durch dieses Monitoring und den daraus abgeleiteten Baumaßnahmen sollen die Energiekosten für die Genossenschaftsmitglieder trotz steigender Energiekosten auch langfristig bezahlbar bleiben.
Die Wärmekamera deckt Schwachstellen auf
Dieses Ziel verfolgen die meisten Berliner Genossenschaften, die mit knapp 12 Prozent Anteil die drittstärkste Kraft am hiesigen Mietmarkt sind: Die Wohnungsbaugenossenschaft Vorwärts etwa, die in Lichtenberg über 4 896 Einheiten verfügt, plant für 2013 eine umfassende Sanierung ihrer 18-geschossigen Hochhäuser. In den 136 Wohnungen sollen die kompletten Heizungsanlagen ausgetauscht und die Fassaden gedämmt werden. Über vier Millionen Euro investiert Vorwärts bis 2013 Jahr in das Projekt. Im laufenden Jahr beginnt die Genossenschaft mit den Arbeiten in den Objekten in der Dathepromenade.
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz sind auch für die Märkische Scholle längst kein Neuland mehr. „Wir haben in den vergangenen Jahren viel für die Bestandspflege unserer Wohnungen unternommen“, sagt Jochen Icken, Technischer Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft. So wurden in vielen Wohnungen neue Heizungen in stalliert und die Haustechnik modernisiert, um Energie zu sparen. Vor allem in Wilmersdorf, wo die Genossenschaft 404 Wohnungen besitzt, wurde die Blockrandbebauung der 50er-Jahre auf neuesten Energiestandard gesetzt. „Mit Wärmebildkameras haben wir die energetischen Schwachpunkte ausfindig gemacht“, sagt Jochen Icken. Die fanden sich vor allem an Kellerdecken und Fassaden, die daraufhin eine Dämmung erhielten. Für Behaglichkeit in den Wohnstuben sorgt nun Fernwärme – die alten Elektrodurchlauferhitzer mussten raus. Dreifach verglaste Fenster, energiesparende LED-Technik sowie photovoltaische und solarthermische Anlagen runden das Energiekon zept ab. „Energieeffizienz ist unter ökologischen Gesichtspunkten ein wichtiges Thema, aber natürlich wollen wir auch die Betriebskosten für unsere Mitglieder möglichst gering halten“, sagt Jochen Icken.
Und das bleibt weiterhin eine Herausforderung: Mit der erwarteten Novelle der Energieeinsparverordnung könnten weitere Aufgaben auf die Genossenschaften zukommen. Doch die meisten von ihnen müssen dann geringere Anstregungen unternehmen als so mancher private Vermieter. Schließlich haben sie schon einen gewissen Vorsprung.
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