Der Iran hat eine Vielzahl von Drohnen in Richtung Israel gestartet, teilte der Sprecher der israelischen Verteidigungskräfte IDF, Daniel Hagari, am Samstagabend mit. Der amerikanische Sender CNN sprach von „mehr als 100“. Damit würden sich die Befürchtungen eines iranischen Vergeltungsschlags bestätigen. Die Regierung in Teheran vermutet, dass Israel für einen Luftangriff auf einen iranischen Botschaftskomplex in der syrischen Hauptstadt Damaskus am vergangenen Montag verantwortlich ist.
Irans Revolutionsgarden haben laut dem Staatsfernsehen in Teheran auch Raketen abgefeuert. Allerdings kamen bislang keine Berichte über Einschläge oder Zerstörungen. Begleitet von einem massiven Drohnenangriff sei das die „Antwort auf die jüngsten Verbrechen des zionistischen Regimes“, hieß es in einer live im Fernsehen verlesenen Erklärung der Revolutionsgarden.
Der israelische Armeesprecher sagte, die Drohnen würden „mehrere Stunden“ brauchen, um den israelischen Luftraum zu erreichen. Ähnlich äußerte sich die US-Regierung. Der Drohnenangriff auf Israel werde sich „wahrscheinlich über mehrere Stunden hinziehen“, erklärte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Adrienne Watson. Die USA stünden „an der Seite des israelischen Volkes“ und würden Israel bei seiner Verteidigung „gegen diese Bedrohungen durch den Iran“ unterstützen.
Israel hatte dem Iran für den Fall einer weiteren Eskalation der Lage zuvor mit „Konsequenzen“ gedroht. Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte am Abend zudem in einer Fernsehansprache gesagt, Israel sei auf einen „direkten Angriff aus dem Iran“ vorbereitet. „Unsere Verteidigungssysteme sind einsatzbereit, wir sind auf jedes Szenario vorbereitet, sowohl in der Verteidigung als auch im Angriff“, sagte Netanjahu und fügte hinzu, dass Israel die Unterstützung der USA und „vieler“ anderer Länder habe.
Angesichts der Sorge vor einem möglichen iranischen Vergeltungsangriff hatte die israelische Armee am Samstagabend neue Schutzanweisungen für die Zivilbevölkerung veröffentlicht. Hagari gab bekannt, es werde von Sonntag an keinen Schulunterricht oder andere Bildungsaktivitäten, keine Ferienlager und keine organisierten Ausflüge geben. Am Sonntag beginnen zweiwöchige Schulferien zum jüdischen Pessach-Fest.
In den sogenannten Konfliktzonen dürfen sich draußen bis zu 30 und drinnen bis zu 300 Menschen versammeln. Am Arbeitsplatz sollen die Bürger besonders in diesen Gebieten darauf achten, dass sie notfalls rasch einen Schutzraum erreichen können. Seit Tagen wachsen die militärischen Spannungen im Nahen Osten.
Bericht: Jordanien sperrt Luftraum wegen Sicherheitsbedenken
Israels Nachbarland Jordanien hat inmitten militärischer Spannungen in der Region einem Bericht zufolge seinen Luftraum gesperrt. Von 23.00 Uhr lokaler Zeit an (22.00 Uhr MESZ) werde der Luftraum für alle Flüge gesperrt, berichtete der private Fernsehsender Roja News am Samstagabend unter Berufung auf die zivile Luftfahrtbehörde des Landes. Begründet wurde der Schritt demnach mit Sicherheitsbedenken sowie „in Anbetracht der eskalierenden Risiken in der Region“.
Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, hatte Israel am Mittwoch mit Vergeltung für einen Israel zugeschriebenen Angriff auf ein iranisches Konsulargebäude in der syrischen Hauptstadt Damaskus gedroht. Dabei waren Anfang April 16 Menschen getötet worden. Darunter waren zwei Generäle der iranischen Revolutionsgarden sowie fünf weitere Mitglieder der Elitetruppe.
Die USA, Israels wichtigster Verbündeter, hatten die Angriffsgefahr als realistisch eingestuft. US-Präsident Joe Biden hatte am Freitag gesagt, er gehe davon aus, dass ein iranischer Angriff auf Israel „eher früher als später“ stattfinden werde.
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