Es ist wirklich ein Trauerspiel: Der einst stolze Sowjetische Ehrenfriedhof in Marzahn verfällt. Grünalgen überwuchern die Grabsteine, Denkmäler bröckeln, Risse durchziehen den mächtigen Obelisken mit dem Sowjet-Stern. So kann man doch nicht der Rotarmisten gedenken, die für die Befreiung Berlins ihr Leben ließen.
Das sieht jetzt auch der Senat ein – und plant die Sanierung. Der in roten Stein gemeißelte Leitsatz hätte Mahnung sein sollen: „Eure großen Heldentaten sind unsterblich, euer Ruhm wird Jahrhunderte überleben, die Heimat wird euch stets in Erinnerung behalten.“
Der Zustand gilt als verbesserungswürdig
Doch mit der würdevollen Erinnerung hapert es seit langem gewaltig, denn auf Anfrage des Linken-Abgeordneten Kristian Ronneburg musste der Senat jetzt zugeben, dass der Ehrenhain vor die Hunde geht. Von dem Glanz, der bei der Einweihung am 7. November 1958 von ihm ausgegangen sein muss, ist fast nicht mehr zu erkennen.
Ehrenhain und Soldatengräber verfallen.
© Volkmar Otto
Die zuständige Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr bestätigt, dass der „allgemeine bauliche Zustand des Sowjetischen Ehrenhains auf dem Parkfriedhof Marzahn verbesserungswürdig“ sei. Die bauliche Substanz des Obelisken, der Mauern und der Pergola (Säulengang) mit der Asche von 125 sowjetischen Soldaten bedürfe einer „Instandsetzung“.
Der von Algen, Flechten und Moosen hervorgerufene Grünbelag auf den Grabsteinen sei „der extrem feuchten Witterung der vergangenen Jahre geschuldet“. Auch in anderen Teilen des Parkfriedhofs seien viele Inschriften unleserlich.
Wie viel die Instandsetzung kostet ist noch unklar
Der Abgeordnete Ronneburg berichtet von „kritischen Bürgerhinweisen“, die ihn zu seiner Anfrage beim Senat gebracht hätten. Schon in zwei Jahren werde sich der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum 75. Mal jähren. „Ich erwarte, dass bis dahin der Sowjetische Ehrenfriedhof in einen würdigen Zustand versetzt wird“, so Ronneburg.
Der Senat versichert, es sei bereits geplant, „die Inschriften der Grabsteine der Offiziere am Hauptweg nachzuziehen“ und die Grabsteine auf der Rasenfläche „komplett durch neue Grabsteine zu ersetzen“.
Kristian Ronneburg (Linke) will eine schnelle Instandsetzung.
© privat
Noch unklar ist, wie viel Geld die Instandsetzung kostet. Bevor es losgehen kann, müssen ohnehin noch die Daten der Bestatteten überprüft werden. Der Senat spricht derzeit mit der russischen Botschaft, denn auf dem Friedhof liegen auch solche Angehörige der Sowjet-Militärkommandantur, die nicht unter den Schutz des Gräbergesetzes fallen.
Hier könnten die Russen eine finanzielle Unterstützung leisten. Die anstehende Sanierung ist für alle Berliner auch eine Chance, den Ehrenhain wiederzuentdecken. Denn Besucher sieht man in diesem Teil des Friedhofs eher selten.
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