Gianni Pittella neigt zum Pathos. „Wir sind hier in Brüssel doch keine Roboter“, sagte er beispielsweise. Das sitzt. Was womöglich auch an Pittellas klangvollem Italienisch liegt. Englisch spricht der Sozialdemokrat und Arzt selten. Und wenn, dann nur schwer verständlich. Das prädestiniert nicht gerade für die angestrebte moderierende Rolle des Parlamentspräsidenten. Wobei Pittella, 58, diese Schwäche mit seinem ebenfalls aus Italien stammenden Konkurrenten Antonio Tajani teilt.
Der frühere Gerichtsmediziner ist seit 1999 ist er Europaabgeordneter, seit 2014 Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europaparlament. Nach Schulz’ Abgang kündigte er das Bündnis mit den Christdemokraten und rief sich im Dezember überraschend selbst zum Kandidaten aus.
Pittella hofft auf eine Mehrheit links der Mitte. Was man am Beispiel Ceta sieht: „Vertieft behandeln, nicht übereilt“, fordert der Sozialdemokrat. Und er setzt auf einen anderen Führungsstil. „Der Präsident des Parlaments ist nicht der Präsident einer Koalition.“ Bündnisse müssten die Fraktionen vereinbaren. Die Abgeordneten sollen wieder mehr Freiraum haben. Das bedeutet aber auch: Mehr Unwägbarkeiten für die Politik in stürmischen Zeiten.
Nur mit Pathos wird es Pittella nicht schaffen. Im entscheidenden Wahlgang müsste er auch auf Abweichler bei den Christdemokraten hoffen – oder zumindest auf Enthaltungen. (ptr.)
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