Der Sozialstaatssekretär Aziz Bozkurt (SPD) hat eine Art Bürgermeister für das Ankunftszentrum für Flüchtlinge in Tegel gefordert. Dies berichtete der RBB. „Diese Kleinstadt braucht einen Bürgermeister, Dezernenten und Stadträte“, so Bozkurt am Mittwoch. Bis Jahresende sollen 7000 Menschen in dem Ankunftszentrum wohnen können.
Wie das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) am Mittwoch mitteilte, sollen am Samstag die ersten Flüchtlinge in zwei Leichtbauhallen mit 760 Plätzen ziehen. Eigentlich standen die Hallen bislang nur für Sportangebote für Bewohner des Flüchtlingszentrums zur Verfügung. Nun werden sie umgewidmet und mit Betten ausgestattet.
Geplant ist der Aufbau weiterer Leichtbauhallen. Bis Ende des Jahres sollen dann laut LAF in Tegel zu den aktuell etwa 4600 Betten, von denen 4230 belegt sind, 3000 zusätzliche Plätze für die Unterbringung Geflüchteter zur Verfügung stehen. Die 760 Plätze aus der ersten Erweiterungsphase, die nun greift, sind dabei mit eingerechnet.
Berlin nimmt ein Drittel mehr Geflüchtete auf als noch 2022
Ursprünglich diente Tegel ausschließlich als Ankunftszentrum für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine: Menschen sollten dort vor ihrer Verteilung auf andere Unterkünfte maximal für einige Tage leben. Da in diesem Jahr sehr viele Geflüchtete in Berlin ankommen, dient der Standort seit geraumer Zeit auch der längerfristigen Unterbringung von Menschen. Da kleinere Unterkünfte fehlen, will der Senat auch am früheren Flughafen Tempelhof eine Großunterkunft einrichten. Zudem werden unter anderem Hotelzimmer angemietet.
Nach Angaben des LAF nahm Berlin in diesem Jahr bislang ein Drittel mehr Asylsuchende auf als 2022. Bis September 2023 wurden demnach 11.925 Asylbewerber registriert. Von Januar bis September 2022 waren es 9036, im Gesamtjahr 14.700. Hinzu kamen von Januar bis September 2023 rund 11.800 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. Im Gesamtjahr 2022 waren in Berlin 68.194 registriert worden, wobei viele zunächst privat unterkamen und nicht in Unterkünften des Landes.
Berlin: Die Angst vor den Flüchtlingsghettos
Das LAF ächzt unter der Last seiner Aufgaben, einige der 530 Mitarbeiter beklagten jüngst in einer Art Brandbrief völlige Überlastung. „Die Arbeitsbedingungen haben unser Maß des Erträglichen längst erreicht. In keiner anderen Behörde herrschen solche katastrophalen Zustände“, hieß es unter anderem in dem Brief. Zustände der Krisensituation 2015/2016 wiederholten sich.
Wie der Sozialstaatssekretär und kommissarische LAF-Präsident Aziz Boskurt nun mitteilte, fangen in den nächsten Wochen 27 neue Mitarbeitende an. 20 neue Kolleginnen und Kollegen kommen demnach in die Abteilung Leistungsgewährung und 7 in das Ukraine-Ankunftszentrum Tegel.
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