Sparkasse in Brandenburg mit ungewöhnlichen Methoden auf Kundenfang

Badetücher statt Sparbücher

Sebastian Wolff
4 Min

KYRITZ, 25. August. Gute Geschäfte werden in Kyritz schon lange nicht mehr gemacht. Das 9 000-Seelen-Städtchen im brandenburgischen Landkreis Ostprignitz-Ruppin kann seinen Bewohnern nicht genügend Jobs bieten. Einziger größerer Arbeitgeber ist eine Fabrik, die aus Kartoffeln Stärke produziert. Und darunter leidet wiederum der Tourismus: Steht der Wind ungünstig, rümpfen die von den reizvollen Fachwerkhäusern und dem nahe liegenden Badesee angelockten Touristen die Nase und suchen bald das Weite.Die Deutsche Bank hat dort bereits die Konsequenz gezogen: Ende Mai schloss sie ihre Kyritzer Filiale und vertröstete ihre Kunden mit dem Vorschlag, ihre täglichen Bankgeschäfte doch mal eben im 30 Kilometer entfernten Wittstock zu erledigen. Die örtliche Sparkasse dagegen ficht die trüben Aussichten nicht an und geht genau den umgekehrten Weg: Sie steckte rund sechs Millionen Mark in den Neubau eines hochmodernen Bankhauses: lichtdurchflutet, mit Börsenfernsehen auf Großbildleinwand und mobilen Beratungstresen, die einen offeneren Zugang zum Kunden ermöglichen sollen.Doch damit nicht genug. Anlässlich der Eröffnung der modernisierten Sparkassen-Filiale ließ sich Guido Hunke, Marketing-Chef der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin zu der die Kyritzer Filiale gehört, etwas Besonderes einfallen: Zwei Wochen lang mussten die sechs Angestellten ihre Verkaufsbemühungen nicht auf typische Bankprodukte wie Girokonten und Sparbücher legen, sondern auf Dinge, die üblicherweise bei Kaufhof und Co. zu haben sind: Fußball-Fanartikel und Badetücher, Videos und Musik-CDs, Modellautos und Stoffhündchen."Clever shoppen in der Sparkasse", so der Slogan der Aktion, sei "ein voller Erfolg", vermeldet Hunke nun gegen Ende des Projekts. "Die Kundenfrequenz war sehr hoch." In der ersten Woche seien 15 Prozent mehr Kunden gekommen als üblich. Um das genau zu ermitteln hat Hunke extra eine Praktikantin engagiert, die beide Wochen lang jeden zählte, der die Filiale betrat. "Am ersten Tag waren es genau 1 031", strahlt die junge Dame. Auch viele Nichtkunden seien von der Aktion angelockt worden, so Hunke. Jeder Achte habe sogar zugeschlagen und mindestens einen der Artikel erstanden. "Bei dieser Aktion geht es uns vor allem um Kundenbindung", beteuert der eifrige Marketing-Mann. Der Marktanteil der Sparkasse in der Region liege immerhin bereits bei rund 70 Prozent, "da gestaltet sich die Neukundengewinnung schon schwierig". Jetzt will Hunke die Aktion auch in seiner Zentrale in Neuruppin veranstalten. Inzwischen liegen ihm auch Anfragen von anderen interessierten Sparkassen vor. Die Neugier lässt nachGeboren sei die Idee dort, wo man das üblicherweise auch vermuten würde: abends beim Biertrinken gemeinsam mit Bekannten in der Kneipe. "Mir fiel das erfolgreiche Beispiel Tschibo ein und ich dachte mir, so etwas können wir doch auch versuchen", erinnert sich Hunke. Doch während der Kaffeeröster heute einen Großteil seines Umsatzes mit diesem Zusatzgeschäft macht, will Hunke an seiner Aktion nichts verdienen: "Wir sind froh, wenn wir unsere Kosten wiederhereinholen", räumt er ein und stellt klar: "Unser eigentliches Geschäft bleiben die klassischen Produkte der Sparkasse." Ob und wie viel die Aktion beim Stammgeschäft an zusätzlichem Umsatz gebracht hat, darüber hüllt sich Hunke in Schweigen. Alle zwei Monate für jeweils zwei Wochen, wie ursprünglich angedacht, soll "clever shoppen" jedenfalls künftig nicht mehr stattfinden, sondern nur noch rund um besondere Ereignisse wie Weihnachten oder den Weltspartag: "Es hat sich gezeigt, dass zwei Wochen zu lang sind", sagt Hunke. "Der Überraschungseffekt ist nach einer Woche einfach nicht mehr da."In der Tat herrscht am Nachmittag des vorletzten Verkaufstages gähnende Leere in der Sparkassen-Filiale Kyrnitz. Traurig blickt die Praktikantin drein: "Anfangs waren alle neugierig, doch jetzt kennen es schon alle. Es kommen ja doch immer wieder dieselben Leute in die Filiale", bemerkt sie resignierend.Die Kunden reagieren zwiespältig auf das neue Angebot. Viele kommen ohnehin nur in die Filiale, um sich Geld am Automaten zu ziehen oder einen Kontoauszug ausdrucken zu lassen: "Ich finde die Sachen ganz schön, aber ich persönlich habe nicht so den Bedarf", sagt eine Dame mittleren Alters. Eine jüngere Kundin äußert sich weniger zurückhaltend: "Mir gefällt nichts davon", sagt sie. "Und außerdem habe ich es eilig."Shopping in der Sparkasse // Unter dem Slogan "clever shoppen" verkaufte die Sparkasse im brandenburgischen Kyritz zwei Wochen lang Gebrauchsgegenstände aller Art - vom Kaffeebecher über den Regenschirm bis zum Autoatlas.Der örtliche Marketing-Chef Guido Hunke betrachtet die Aktion in erster Linie als Kundenbindungsinstrument. Die Gewinnung von Neukunden in der Region sei bei einem Marktanteil von bereits 70 Prozent äußerst schwierig. Hunke bezeichnet die Aktion als vollen Erfolg, spricht aber gegen Ende von einem nachlassenden Interesse.Die Aktion der Sparkasse im Internet: www. sparkasse-opr. de

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