Bei einer Demonstration gegen geplante Sparmaßnahmen im französischsprachigen Bildungswesen Belgiens ist es am Donnerstag in Brüssel zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters Tränengas ein.
Mehr als tausend Menschen versammelten sich nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga in der Innenstadt. Nahe dem Brüsseler Hauptbahnhof setzten Demonstranten Fahrradständer und andere Gegenstände auf der Straße in Brand und zündeten Feuerwerkskörper. Die Behörden schlossen die meisten Ausgänge des Bahnhofs, nur ein Eingang blieb geöffnet. Ein Wasserwerfer wurde herangeführt, um weitere Brände zu verhindern. Die Polizei nahm laut Belga mehrere Personen gewaltsam fest.
Die Bundespolizei bestätigte Zwischenfälle an mehreren Orten der Stadt, die zu Beeinträchtigungen an Metro-Stationen führten. An der Station Saint-Guido in Anderlecht hätten Jugendliche Absperrgitter auf die Gleise geworfen und Feuerlöscher auf den Bahnsteigen entleert, berichtete Belga. Auch aus anderen wallonischen Städten wie Namur und Charleroi wurden laut Reuters Proteste gemeldet, die jedoch überwiegend ruhiger verliefen.
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Sparpaket von 300 Millionen Euro im Bildungswesen
Hintergrund sind umfangreiche Sparpläne der Regierung der Französischen Gemeinschaft Belgiens, die für das französischsprachige Bildungswesen zuständig ist. Allein im Bildungssektor sollen laut Belga in den kommenden Jahren 300 Millionen Euro eingespart werden. Bildungsministerin Valérie Glatigny plant Reuters zufolge unter anderem eine Anhebung der jährlichen Studiengebühren von 835 auf 1194 Euro – ein Anstieg um 35 Prozent. Lehrkräfte in den oberen Klassen der Sekundarstufe sollen künftig 22 statt 20 Wochenstunden unterrichten, ohne zusätzliche Bezahlung. Auch die Regelungen zur unbefristeten Anstellung sollen geändert werden.
Die Ministerpräsidentin der Französischen Gemeinschaft Belgiens Elisabeth Degryse verteidigte die Maßnahmen bei einer Pressekonferenz mit Verweis auf ein erwartetes Defizit von 1,9 Milliarden Euro. „Unser Ziel mit diesen Maßnahmen ist es, Mittel freizusetzen, um wieder in den Sektor zu investieren“, sagte Bildungsministerin Valerie Glatigny laut Reuters.
Eine Lehrerin, die sich gegenüber dem Sender VRT NWS nur Marie nannte, kritisierte: „Wir werden mehr arbeiten müssen für denselben Lohn, und die Arbeitsbedingungen werden sich verschlechtern.“ Das Parlament der Französischen Gemeinschaft sollte am Donnerstagnachmittag über das Paket abstimmen.
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