Deutschland

Minister Pistorius verteidigt Raketen-Stationierung, Parteikollegen kritisch

Die USA und Deutschland haben vereinbart, ab 2026 weitreichende US-Waffen in Stellung zu bringen. In der Ampel gibt es bei der Kanzlerpartei SPD Bedenken.

Team News dpa/BLZ
3 Min
Verteidigungsminister Boris Pistorius (l., SPD) unterhält sich auf der deutschen Fregatte „Baden-Württemberg“ an der Reling mit Flottillenadmiral Axel Schulz.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (l., SPD) unterhält sich auf der deutschen Fregatte „Baden-Württemberg“ an der Reling mit Flottillenadmiral Axel Schulz.

© dpa

Vertreter der SPD haben Bedenken gegen die Stationierung weitreichender US-Waffen in Deutschland. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hingegen – ebenfalls SPD – verteidigte die Pläne erneut. Vom grünen Regierungspartner kommt Kritik an der Kommunikation der Entscheidung zur Stationierung der Waffen durch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).

Man dürfe „die Welt nicht gefährlicher machen, nicht in einen neuen Rüstungswettlauf eintreten“, warnte der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner im WDR-5-„Morgenecho“. „Wir müssen sehen, dass wir mit Russland in Verhandlungen eintreten. Das ist schwierig, das ist mir klar, aber Aufrüstung ist die schlechteste Variante, die wir gebrauchen können.“

Stegner ist nicht die einzige kritische Stimme in der SPD. Fraktionschef Rolf Mützenich hatte vor dem Risiko einer militärischen Eskalation gewarnt. Der frühere Parteichef Norbert Walter-Borjans bemängelte eine fehlende Debatte über die Entscheidung der Bundesregierung.

Lang: Entscheidung transparent kommunizieren

Am Rande des Nato-Gipfels vor drei Wochen hatten die USA und Deutschland die Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern, SM-6-Raketen und neuen Hyperschallwaffen von 2026 an angekündigt und als Reaktion auf Bedrohungen durch Russland gerechtfertigt. Die gemeinsame Entscheidung kam für viele Bundestagsabgeordnete überraschend. Kritik und die Forderung, dass das Thema auf die Tagesordnung des Bundestags gehöre, gab es aus mehreren Parteien, auch aus Pistorius’ SPD.

Grünen-Chefin Ricarda Lang zeigte sich in der Sendung „Frühstart“ von RTL/ntv dafür offen: „Ich fände es sinnvoll, eine gesellschaftliche und politisch stärkere Debatte darüber zu führen.“ Sie kritisierte die Kommunikation bei dem Thema: „Es wäre gut gewesen, wenn Olaf Scholz als Bundeskanzler die Chance genutzt hätte, diese Entscheidung transparent der Bevölkerung zu kommunizieren und die Beweggründe offenzulegen.“

Lang forderte mit Blick auf mögliche Sorgen in der Bevölkerung eine offene Kommunikation: „Wir als Grüne sind eine Friedenspartei und wir werden das auch immer bleiben. Dabei ist aber für uns klar: Frieden darf nicht bedeuten, dass sich ein Aggressor einfach durchsetzt, die Friedensordnung angreift und damit durchkommt.“

Formell wurde der Bundestag mit dem Thema nach Angaben der Bundesregierung bereits befasst. Gut eine Woche nach dem Nato-Gipfel ging demnach am 19. Juli ein entsprechendes Schreiben von Verteidigungsministerium und Auswärtigem Amt an Vertreter aller Fraktionen in den Ausschüssen für Auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung, hatte das Bundespresseamt mitgeteilt. Gefordert wird darüber hinaus aber eine Debatte im Parlament.

Pistorius offen für Bundestagsdebatte

Verteidigungsminister Pistorius sagte am Dienstag (Ortszeit) am Rande eines Besuchs im US-Bundesstaat Hawaii, es spreche nichts dagegen, über dieses Thema im Bundestag offen zu sprechen. „Aber es ist originär kein Thema, was zuvor im Parlament diskutiert werden müsste. Es ist auch nicht vergleichbar mit dem Nato-Doppelbeschluss aus den 80er-Jahren. Von daher sollten wir hier die Dinge sorgfältig auseinanderhalten.“

Es gehe bei der Stationierung um konventionelle Waffen, die nicht als Waffen mit nuklearen Sprengköpfen vorgesehen seien. „Das muss man zur Beruhigung all derer, die sich hier Sorgen machen, sehr deutlich unterstreichen.“ Russland verfüge über Waffen dieser und anderer Reichweiten schon seit geraumer Zeit und habe dazu den Rüstungskontrollvertrag INF verletzt und aufgekündigt, der nukleare Mittelstreckensysteme regelt. Bei der Stationierung weitreichenderer Waffen mit konventionellen Sprengköpfen gehe es nun um „echte Abschreckung“, sagte Pistorius.

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