BERLIN, 9. April. Der frühere SPD-Spitzenpolitiker Björn Engholm hat eine Zusammenarbeit mit der DDR-Staatssicherheit erneut bestritten. Er könne zwar nicht ausschließen, "dass mich jemand von der Stasi in schäbiger Absicht irgendwo aufgeschrieben hat", sagte Engholm dieser Zeitung. Einen bewussten Kontakt zur Stasi habe er nie unterhalten, "ich habe denen auch nie irgendetwas geliefert". Engholm ist durch einen Bericht des Magazins "Focus" neuerlich unter Stasi-Verdacht geraten. Demnach sei der SPD-Politiker zwischen 1971 und 1983 bei der Stasi-Hauptverwaltung A (HVA) als IM "Erdmann" registriert gewesen. Im vergangenen Dezember hatte das Magazin fälschlicherweise behauptet, der SPD-Politiker habe als IM "Beethoven" für die DDR spioniert. Als Beweis präsentiert der "Focus" einen Auszug aus der elektronischen SIRA-Datei der HVA. Daraus geht hervor, dass die HVA unter der Registriernummer XV/128/71 einen IM-Vorgang "Erdmann" führte. Unter der gleichen Nummer war auch Engholm beim MfS registriert. Der IM "Erdmann" wurde am 3. Februar 1971 in der Schweriner HVA-Außenstelle ins Agentenregister eingetragen. Der damals zuständige HVA-Offizier bestätigte lediglich, als FDJ-Funktionär 1969 mit dem damaligen Juso-Funktionär Engholm anlässlich des Besuchs einer Jugenddelegation aus Kiel einmal zusammengetroffen zu sein. Ob er den Politiker für die HVA geworben hat, wollte er nicht sagen.Für eine Identität zwischen "Erdmann" und Engholm spricht auch, dass der IM-Vorgang Anfang 1978 von der Ostberliner HVA-Zentrale übernommen wurde. Wenige Monate zuvor war der Bundestagsabgeordnete Engholm Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswissenschaftsministerium geworden.
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