SPD warnt Minister Seehofer vor Rückschritten beim Tierschutz / Grüne sind empört

Hennen sollen zurück in den Käfig

Jörg Michel
3 Min

BERLIN. Die SPD will eine Wiedereinführung kleiner Käfige für Legehennen verhindern und fordert von Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) mehr Engagement beim Tierschutz. "Eine Rückkehr zur Käfighaltung können wir nicht mittragen, auch nicht die kaum verschleierte Wiedereinführung von Käfigen unter anderem Namen", schrieb der stellvertretende SPD-Fraktionschef im Bundestag, Ulrich Kelber, in einem Brief an Minister Seehofer. Er forderte den CSU-Politiker auf, sich endlich mit eigenen Vorschlägen für artgerechte Haltungsformen einzusetzen.Hintergrund der Kontroverse ist das noch von der alten rot-grünen Bundesregierung verabschiedete Käfigverbot ab 2007. Danach sind die herkömmlichen Hühnerkäfige, in denen die Hennen auf einer Fläche von der Größe eines Briefbogens gehalten werden, ab Ende des Jahres verboten. In der EU gilt das Verbot erst ab 2013. Einige Länder und Teile der Bundesregierung wollen dieses strikte Verbot auf Druck der Geflügelwirtschaft aufweichen. Die Halter fürchten Standortnachteile gegenüber ausländischen Produzenten und fordern die Einführung der Gruppenhaltung in so genannten Kleinkäfigen. Diese aber würden jedem Tier je nach Modell nur geringfügig mehr Platz bieten als die alten Hühnerkäfige. Der Bundesrat will sich am 7. April mit einem entsprechenden Antrag einiger Länder befassen, unter anderem aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Diese drohen damit, einem anderen Gesetz des Bundes nicht zuzustimmen, wenn es beim Käfigverbot bleibt. In allen drei Ländern gibt es beträchtliche Nutztiergeflügelbestände.TÜV für artgerechte HaltungZwar haben die Länder mittlerweile Gesprächsbereitschaft signalisiert, etwa über die Höhe oder die Fläche der geplanten Käfige. Die SPD im Bundestag befürchtet aber, dass eine artgerechte Haltung trotzdem auf der Strecke bleiben könnte. So sei für die SPD eine Kleingruppenhaltung nur akzeptabel, "wenn sie insbesondere hinsichtlich Platzangebot und Höhe nicht dem bisherigen Käfig entspricht", schreibt Kelber. Er mahnte bei Seehofer auch die Einrichtung eines Tierschutz-TÜVs an, mit dem eine artgerechte Haltung sicher gestellt werden soll. "Hier muss Ihr Ministerium endlich die notwendigen Schritte einleiten", forderte er. Außerdem müsse die staatliche Förderung von Betrieben, die auf alternative Haltungsformen umstellen wollen, verbessert werden.Landwirtschaftsminister Seehofer machte gestern allerdings deutlich, dass er die Forderungen der Agrarwirtschaft zur Einführung des Kleinkäfigs, der auch Kleinvoliere genannt wird, unterstützt. "Wenn die nicht zugelassen wird, erfolgen die Investitionen im Ausland", sagte Seehofer der Passauer Neuen Presse. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner warnte, dass die Eierproduktion nach Osteuropa oder Brasilien abwandern könnte.Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Renate Künast, warnte vor einer Aufweichung des Verbots, das sie seinerzeit als Agrarministerin erlassen hatte. "Die Kleinvoliere ist nicht artgerecht", sagte Künast der Berliner Zeitung. In den geplanten Kleinkäfigen könnten sich die Hühner nur schwer aufrichten und nicht richtig bewegen. "Das dürfen Union und SPD nicht zulassen", forderte sie. Die Grünen hatten in der vergangenen Woche eine Unterschriftenaktion zu Gunsten der Hennen gestartet. Auch der Deutsche Tierschutzbund hatte sich gegen jegliche Auweichung des Käfigverbots gewandt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz startete eine Internet-Protestaktion an die Ministerpräsidenten. Mit den neuen Käfigen werde die Tierquälerei in den Hühnerfarmen fortgesetzt, sagte dessen Agrarreferentin Reinhild Benning.------------------------------Foto: Tierquälerei? Die Käfighaltung von Legehennen polarisiert.

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