Ratgeber

Spenden für die Ukraine: Von 100 Euro gehen mindestens 70 Euro an Bedürftige

Wie viel von meiner Spende kommt eigentlich an? Und sind große Organisationen seriöser als kleine? Antworten auf häufig gestellte Fragen.

4 Min
Die Spendenbereitschaft für Geflüchtete aus der Ukraine ist groß.

Die Spendenbereitschaft für Geflüchtete aus der Ukraine ist groß.

© dpa

Die Spenden aus Deutschland an vom Krieg betroffene Ukrainer erreichen einen Rekordwert. Mit dem bereits Ende März erreichten Zwischenstand von 631 Millionen Euro ist laut Deutschem Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) zu erwarten, dass die weiter andauernden Spendensammlungen zum höchsten Spendenaufkommen führen werden, das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland für eine einzelne Katastrophe gemessen wurde - auch wenn Hilfsorganisation vor einer immer deutlicher sinkenden Spendenbereitschaft warnen. Bei der Zwischenauswertung des DZI wurden allein Geldspenden betrachtet. Doch sind Geldspenden eigentlich immer besser als Sachspenden? Und wie kann ich erkennen, wofür das Geld eingesetzt wird? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Sind Geldspenden besser als Sachspenden?

„In den allermeisten Fällen sind Geldspenden besser“, sagt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des DZI. Geldspenden könnten im Gegensatz zu Sachspenden flexibler und effizienter eingesetzt werden. Außerdem fallen Transport- und Lagerkosten weg. „Es gibt aber auch Situationen, in denen Sachspenden Sinn machen“, sagt wiederum Max Mälzer, Geschäftsführer des Deutschen Spendenrats. Etwa wenn ankommende Geflüchtete dringend Hygieneartikel oder Kleidung benötigen. Sachgüter sollten allerdings nur gespendet werden, wenn Betroffene und seriöse Organisationen gezielt um sie bitten. Und auch dann sollten sich Spender vorher informieren, was genau gebraucht wird, und auf gute Qualität achten. Einen Überblick über den Bedarf an  Sachspenden gibt es beispielsweise auf der Plattform adiuto.org. Dort ist der Bedarf verschiedener Hilfsorganisationen gelistet und nach Dringlichkeit sortiert.

Wie kann ich bei Geldspenden erkennen, wofür das Geld eingesetzt wird?

Seriöse Hilfsorganisationen machen ihre Arbeit transparent. Spender können sich am einfachsten auf den Websiten über die konkreten Projekte informieren. So teilt etwa die Diakonie Katastrophenhilfe mit, dass sie mit den Spenden unter anderem direkt in den Regionen rund um Kiew, Lwiw und Dnipro für Ältere, Menschen mit Behinderungen und Flüchtlinge Lebensmittel, Wasser, Unterkünfte, Medikamente und Hygieneartikel bereitstellt sowie psychosoziale Hilfe anbietet. Spender können sich außerdem für ganz konkrete Zwecke entscheiden. Etwa dafür, einer Gastfamilie in Moldau mit einer Spende von 125 Euro zu helfen oder geflüchteten Personen aus der Ukraine Bettzeug, Decken und Kissen zu beschaffen. Allerdings ist es für Hilfsorganisationen generell besser handhabbar, wenn Spenden ohne einen konkreten Zweck gegeben werden. Nur so könnten Spendengelder flexibel und möglichst wirksam eingesetzt werden, erklärt das DZI.

Wie viel von meiner Spende kommt direkt bei den Bedürftigen an?

Spendenorganisationen haben Werbungs- und Verwaltungskosten zu tragen. Wie hoch diese sind, ist unterschiedlich. Bei Trägern des Spendensiegels des DZI dürfen die Werbungs- und Verwaltungskosten pro Spende die Obergrenze von 30 Prozent nicht überschreiten. Von 100 Euro gehen also immer mindestens 70 Euro an das konkrete Projekt. Im Durchschnitt würden die Werbe- und Verwaltungskosten bei den Siegel-Organisationen mit elf Prozent geringer ausfallen.

Sind große Spendenorganisationen seriöser als kleine?

Ob eine Organisation seriös ist, lässt sich nicht daran ablesen, wie groß sie ist. Auch wie hoch die Werbungs- und Verwaltungskosten ausfallen, steht laut Deutschem Spendenrat nicht in Zusammenhang mit der Größe. Zumal solche Kosten notwendig sind. „Kleine Hilfsorganisationen haben den Vorteil, dass sie sehr flexibel reagieren können, während große Organisationen größere Hilfsvolumina häufig leichter schultern können“, sagt Mälzer. Zu erkennen sind seriös arbeitende Organisationen – ob groß oder klein – am ehesten, wenn sie das Spendensiegel des DZI tragen oder Mitglied des Deutschen Spendenrats sind. Diese Organisationen müssen ihre Arbeit und ihre Finanzen offenlegen. Will jemand für einen bestimmten Zweck spenden, beispielsweise für die Ukraine-Hilfe, rät das DZI,  auch bei Trägern des Siegels darauf zu achten, dass die Organisation in der Region gut vernetzt ist und die nötige Kompetenz besitzt, um vor Ort wirksam Hilfe leisten zu können.

Sind Spenden über Facebook und Co sicher?

Auch bei sozialen Netzwerken taucht immer öfter ein Spenden-Button auf. Seit 2017 können Facebook-Nutzer direkt über die Plattform Geld spenden. Insbesondere für kleine Organisationen ist das eine Möglichkeit, mehr Spender zu erreichen. Solange es sich um gemeinnützige Organisationen handelt und nicht um Privatpersonen, erhebt Facebook dafür keine Gebühr – und das Geld geht voll und ganz an die Organisation. „Allerdings werden Nutzer hinsichtlich der Seriosität der Spendenaufrufe weitestgehend alleine gelassen“, kritisiert Wilke. Jeder darf Spendenaufrufe erstellen – auch Privatpersonen. „Deshalb sollten Spender umso genauer hinsehen“, so Wilke.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema