Seit Freitag gehören die Handschuhe nicht mehr dem Kriminaloberkommissar. Boltz hat sich von ihnen für einen guten Zweck, eine, wie er sagt, „Herzensangelegenheit“ getrennt und vor einem Monat zusammen mit Axel Schulz eine Spendenaktion im Internet gestartet. Das Geld soll den Familien der beiden im Dienst getöteten Polizeibeamten Torsten K. und Torsten P. zugute kommen. 162 Menschen aus allen Bundesländern, aber auch aus dem Ausland haben seitdem Geld für die Hinterbliebenen gespendet. Die letzte Spende kam aus Las Vegas. 7500 Euro sind insgesamt zusammengekommen.
„Ich habe nicht gedacht, das die Anteilnahme so groß sein würde“, sagt Boltz zum Abschluss der Aktion. Die Handschuhe bleiben aber in seiner Nähe. Sie gehören nun einer 40-jährigen Frau aus Frankfurt (Oder), deren Vater einst selbst Polizist war. Ihr Name wurde per Los unter den Spendern ausgelost. Sie hatte auf das Konto des Polizeihilfevereins Grüner Stern 400 Euro eingezahlt. „Das gesamt Geld kommt den zwei betroffenen Familien zugute. Kein Cent der Spenden geht verloren“, sagt Boltz.
Angst vor Schüssen
Lutz Boltz kannte die beiden 52 und 49 Jahre alten Beamten persönlich, die am 28. Februar am Ortsausgang von Oegeln bei Beeskow (Oder-Spree) von dem offenbar psychisch kranken mutmaßlichen Mörder Jan G. totgerast worden waren. Der 24-Jährige soll kurz zuvor im Drogenrausch bei einem Streit um Geld seine Großmutter in Müllrose umgebracht haben. Dann war er mit dem Wagen der alten Frau davongerast. Die beiden Beamten wollten das Fahrzeug des Flüchtigen mit einem über die Straße gelegten Nagelgurt stoppen. Doch Jan G. wich aus, raste mit hoher Geschwindigkeit auf die Beamten zu. Später sagte er, dass er Angst gehabt habe, von den Polizisten erschossen zu werden.
„Ich wollte an dem Tag nach Oegeln fahren, habe die Polizeiabsperrung gesehen, den Polizeihubschrauber in der Luft und bin dann zurückgefahren“, sagt Boltz. Kurz darauf habe er aus Rundfunknachrichten erfahren, dass zwei Polizeibeamte getötet worden seien. „Ich habe die beiden Kollegen öfter gesehen bei Weiterbildungen oder Einsätzen“, sagt Boltz. Bei der Hochzeit der Tochter von Torsten K. im Jahr 2009 habe er sogar fotografiert.
Schlaflose Nacht
„Ich konnte die Nacht nach dem Tod der beiden Kollegen nicht schlafen, habe überlegt, was ich machen, wie ich helfen könnte“, berichtet Boltz. Dann sei ihm die Idee mit den Boxhandschuhen gekommen. Er habe am nächsten Tag Axel Schulz angesprochen, und der sei sofort Feuer und Flamme gewesen. Ein weiterer Freund, der Werbe-Experte Torsten Seiring aus Frankfurt (Oder), baute kostenlos die Webseite www.boxspende.de.
„Ich musste nicht lange überlegen, ob ich mitmachen würde. Der Anlass konnte schließlich kaum tragischer sein“, sagt der 48-jährige Schulz. Er war es dann auch, der die Idee mit der Verlosung gehabt habe. „7 500 Euro ist schon eine grandiose Summe, soviel wären bei einer Versteigerung der Handschuhe wohl nicht herausgekommen“, sagt der Ex-Profiboxer. „Aber man muss wirklich auch allen Spendern danken, egal ob sie zehn oder 400 Euro gegeben haben.“
Lutz Boltz versichert, dass die Unterschrift auf den Handschuhen echt sind. Er hatte die Box-Legende Max Schmeling im Jahr 1996 angeschrieben und gefragt, ob dieser nicht ein paar Boxhandschuhe für das Boxmuseum auf Rügen signieren könnte. Schmeling sagte zu, und so schickte Boltz gleich noch ein zweites Paar Handschuhe, das er dann behielt. Er hat noch den Brief von Schmeling, der die Echtheit des Namenszuges beweist.
Michael Peckmann vom Landesverband der Gewerkschaft der Polizei findet die Spendeninitiative des Kriminaloberkommissars „total super“. „Das war ganz in unserem Sinne“, sagt er. Peckmann erzählt, dass die Spendenbereitschaft der Kollegen nach dem gewaltsamen Tod der beiden Beamten riesig gewesen sei. Ein Beamter aus Niedersachsen habe dem Grünen Stern 1 000 Euro für die Familien überwiesen. Eine Berliner Dienststelle habe 325 Euro gesammelt und vorbeigebracht.
Jeder der beiden Beamten hatte eine Frau und drei Kinder hinterlassen.
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