Ukrainekrieg

Spionage-Eklat: Ukraine meldet Festnahme ungarischer Agenten – Budapest reagiert

Ein Spionagefall erschüttert die Westukraine: Zwei mutmaßliche Agenten aus Ungarn wurden festgenommen. Der ohnehin brisante Konflikt zwischen Kiew und Budapest droht zu eskalieren.

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Einsatzkräfte des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU beziehen Stellung.

Einsatzkräfte des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU beziehen Stellung.

© Depositphotos/imago

Die Spannungen zwischen Kiew und Budapest verschärfen sich: Der ukrainische Geheimdienst hat in Transkarpatien ein mutmaßliches ungarisches Spionagenetzwerk aufgedeckt. Ungarn reagiert mit Vergeltung – und verweist zwei ukrainische Diplomaten des Landes.

Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU erklärte, der Spionagering werde von einem „Stabsoffizier des ungarischen Militärgeheimdienstes“ geleitet, und die Operation habe darauf abgezielt, Informationen über Schwachstellen in der ukrainischen Verteidigung der westlichen Regionen aufzudecken.

Nach Angaben des SBU seien zwei mutmaßliche ungarische Spione festgenommen worden. Die beiden Verdächtigen – ein 40-jähriger Mann und eine Frau – sollen unter der Leitung eines ungarischen Geheimdienstoffiziers unter anderem Informationen über den Standort ukrainischer Luftabwehrsysteme gesammelt haben. Beide waren demnach zuvor Soldaten. Der Mann sei bereits 2021 vom ungarischen Militärgeheimdienst angeworben, aber erst 2024 aktiviert worden, um unter anderem militärische Objekte in der Ukraine auszuspähen. Den beiden Verdächtigen droht eine Anklage wegen Hochverrats, die zu lebenslanger Haft führen könnte.

In Transkarpatien leben rund und 150.000 ethnische Ungarn

„Zum ersten Mal in der Geschichte der Ukraine hat der Inlandsgeheimdienst ein ungarisches Militärgeheimdienstnetzwerk aufgedeckt“, erklärte der SBU am Freitag via Telegram. Die mutmaßlichen Agenten seien in der an Ungarn grenzenden Region Transkarpatien aktiv gewesen.

Hintergrund: Die Region Transkarpatien (ukrainisch: Saakarpattja) liegt im äußersten Westen der Ukraine und grenzt an Ungarn, die Slowakei, Polen und Rumänien. Sie ist eine der vielfältigsten Regionen des Landes: Neben Ukrainern leben dort ethnische Ungarn, Rumänen, Russen, Slowaken und Roma.

Schätzungen zufolge leben in der Region rund 150.000 ethnische Ungarn – viele von ihnen sprechen kaum Ukrainisch. Ungarn vergibt an sie großzügig Pässe, was in Kiew seit Jahren als Eingriff in die Souveränität empfunden wird.

Ungarn wirft Ukraine „Verleumdungskampagne“ vor

Als Reaktion kündigte das ungarische Außenministerium umgehend die Ausweisung von zwei ukrainischen Diplomaten an. Diese seien „Spione“, erklärte Außenminister Péter Szijjártó via Facebook. Zugleich warf er Kiew eine „Verleumdungskampagne“ gegen Budapest vor. Orbáns Regierung bezeichnete Kiews Vorwürfe als „ein klares Zeichen für eine zunehmende Koordination zwischen ukrainischen Geheimdiensten und der ungarischen Oppositionspartei Tisza“. Das sei sehr „beunruhigend“, hieß es weiter.

Als Beweis für die Zusammenarbeit zwischen der Ukraine und der Tisza-Partei wurde die Tatsache angeführt, dass Kiews Behauptungen über die Aufdeckung ungarischer Spione von der Opposition verbreitet wurden und „sich schnell zu einer umfassenden internationalen Diskreditierungskampagne ausweiteten“. Die ungarische Regierung erklärte weiter, ihre Weigerung, Waffen an die Ukraine zu liefern, habe das Land zur Zielscheibe gemacht - insbesondere im Vorfeld der Entscheidungen über einen möglichen EU-Beitritt der Ukraine.

Die diplomatische Eskalation verschärft die bereits seit Jahren angespannten Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten. Der seit 2010 regierende Ministerpräsident Viktor Orbán hat sich im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine mehr oder weniger auf die Seite Moskaus gestellt. Er lehnt westliche Sanktionen gegen Russland und jegliche militärische Unterstützung für die Ukraine ab. Orbán kritisiert Kiew zudem regelmäßig wegen angeblicher Einschränkungen der Rechte der ungarischen Minderheit in der Ukraine – und blockiert einen EU-Beitritt Kiews.

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