Thomas Weikert steckt in einer Zwickmühle. Unter dem Eindruck der European Championships in München muss der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes nahezu täglich auf die Frage antworten: Wie schaut es denn mit einer deutschen Bewerbung um Olympische Spiele aus? Die Antwort: „Wir machen uns natürlich Gedanken.“ Natürlich.
Tatsächlich zeigt „Mini-Olympia“ in München, dass und wie eine solche Multisportveranstaltung in Deutschland funktionieren kann. „Riesige Stimmung, große Erfolge: Das macht Lust auf mehr“, urteilte die Münchner Abendzeitung zwei Tage nach dem Goldabend der deutschen Leichtathleten und titelte, das alles sei „Olympiareif!“
ISTAF Berlin 2025: Den Zeitplan, die Anfahrt und die Tickets gibt es hier!
Eine Großveranstaltung, die die Bevölkerung akzeptiert
„Ich hoffe“, insistierte etwa Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, dass von München ein Zeichen für eine Austragung Olympischer Spiele ausgehe, Deutschland müsse sich also „zu einer Bewerbung aufraffen“. Jörg Ammon, Präsident des Bayerischen Landes-Sportverbandes, nahm die Vorlage auf und sagte: „Gell, Herr Herrmann, das kriegen wir schon gebacken für 2036, dass wir hier in München wieder Olympische Spiele haben werden.“
Auch Verena Bentele, mehrfache Paralympics-Siegerin und Vizepräsidentin beim DOSB, ist froh, „dass wir in den European Championships eine Referenzveranstaltung haben, um zu zeigen: Wir haben es drauf“. Mit diesem Vorsatz ist auch die Olympiapark- und OK-Chefin Marion Schöne in die Multi-EM gegangen: Sie wolle beweisen, sagte sie, dass eine derartige Großveranstaltung in Deutschland gelingen könne – „und von der Bevölkerung akzeptiert wird“.
European Championships: Grundsatzdebatte über Spitzensport fehlt noch immer
Die Frage nach Akzeptanz der European Championships ist beantwortet, zumindest in München. Die Menschen in der Stadt genießen ein Volkssportfest mit ausgeklügeltem Rahmenprogramm, das unverkrampft und eben nicht wie Olympische Spiele daherkommt. „Es ist ein Konzept, das Zukunft hat“, sagte Zehnkampf-Europameister Niklas Kaul.
Aber es ist eben nicht Olympia, was bedeutet: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist nicht involviert. Dessen Präsident Thomas Bach hält Olympia in Deutschland für möglich, sogar im Jahre 2036, also 100 Jahre nach den Nazi-Spielen von Berlin und Garmisch-Partenkirchen. Als Bach Anfang Juli in München sagte: „Auf geht’s München, pack mas“, gab es Buhrufe.
DOSB-Präsident Weikert schließt Bewerbung nicht aus
Weikert kann und will Olympia in Deutschland, sei es im Winter oder im Sommer, nicht ausschließen. Zugleich weiß er um die Hürden, unter anderem eine Steuerbefreiung des IOC, und bleibt vorsichtig: „Erst einmal werden wir die Mitglieder befragen generell“, sagte er in der ARD. Dies soll bei der nächsten Versammlung im Dezember geschehen. Den Rückhalt der Bevölkerung bräuchte es ja auch – und daran mangelte es bei den letzten Fehlversuchen.
Olympische Spiele in Deutschland sind derzeit in der Tat nicht mehr als eine Vision. Und abgesehen von den vielen sportpolitischen Realitäten, die aktuell dagegensprechen, wäre vor allem eins gefragt: ein langer Atem. Für die Winterspiele 2030 wird ein Gastgeber gesucht. Der nächste freie Termin für Sommerspiele ist: 2036.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de