Carsten Schneider (SPD), Staatsminister und Ostbeauftragter der Bundesregierung, legt viel Wert auf die Gemeinsamkeiten zwischen Ost- und Westdeutschland. Umso enttäuschender für ihn, dass die deutsche Einheit im Bewusstsein der meisten Bürger noch immer nicht erreicht ist: Laut dem aktuellen RTL/ntv-Trendbarometer des Meinungsforschungsinstituts Forsa halten nur 37 Prozent der Bundesbürger Ost und West für zusammengewachsen. Im Osten sind es gerade einmal 21 Prozent.
Um die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Differenzen zwischen Ost und West zu überwinden, „brauchen wir wieder mehr Interesse und Neugier für- und aufeinander“, sagte Carsten Schneider der Berliner Zeitung. Schneider weiter: „Leider waren Befragungen zufolge mehr als 20 Prozent der Westdeutschen noch nie im Osten. Ich wünsche mir mehr Offenheit und Interesse von ihnen.“
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Und die Ostdeutschen? Von ihnen wünscht sich Schneider „mehr Stolz darauf, was sie in den vergangenen 33 Jahren erreicht haben“ sowie „mehr Selbstbewusstsein beim Eintreten für ihre Rechte als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“. Bereits auf der Pressekonferenz bei der Vorstellung des Berichts der Bundesregierung „Zum Stand der Deutschen Einheit“ hatte Schneider auf das steigende Engagement ostdeutscher Arbeitnehmer in Gewerkschaften verwiesen. Der Kampf um höhere Löhne helfe ihnen dabei, die eigene Rolle in der Gesellschaft „zu finden, anzunehmen und gesehen zu werden“, so Schneider während der Pressekonferenz am Mittwoch.
Schneider: Westen kann in Sachen Gleichstellung viel vom Osten lernen
Schneider ist darüber hinaus der Ansicht, dass der Westen in Sachen Gleichstellung „viel vom Osten lernen“ könne und „das in den letzten 33 Jahren auch schon getan“ habe. Ein markantes Beispiel: „Der massive Ausbau der Kitas in (West)-Deutschland und der Betreuungsangebote von Schulkindern“ – wie etwa die Schulspeisung und die Nachmittagsbetreuung. Diese maßgebliche Erweiterung der Kinderversorgung in der gesamten Bundesrepublik ist laut Schneider „nicht zuletzt auf den Einfluss ostdeutscher Frauen zurückzuführen“.
Generell würden Studien zeigen, „dass sich Frauen und Männer in Ostdeutschland private Aufgaben deutlich egalitärer aufteilen“. Als Beispiele nennt Schneider die Hausarbeit, die Betreuung von Angehörigen und das ehrenamtliche Engagement. In der Folge seien ostdeutsche Frauen und insbesondere Mütter mit kleinen Kindern „häufiger erwerbstätig und arbeiten weniger in Teilzeit“. Zudem hätten ostdeutsche Frauen auch deutlich häufiger betriebliche Führungspositionen inne als westdeutsche Frauen.
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Trotzdem ist Schneider optimistisch, was die deutsche Einheit angeht. Ihm zufolge hat der aktuelle Bericht zum Stand der Deutschen Einheit gezeigt: „Deutschland ist sich viel ähnlicher als angenommen“. So ließen sich ländliche Räume in Ost und West „durchaus vergleichen“. Auch „Leipzig und Hannover sind sich viel ähnlicher, als man denkt“, so Schneider.
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