Stadtbild

Eltern wählen taktisch

Unser Autor staunt über die breite Akzeptanz des Anmeldeverfahrens für Oberschulen.

Martin Klesmann
2 Min
Im Stadtbild kommentieren wir täglich das Geschehen in der Hauptstadt-Region.

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© Paulus Ponizak Lizenz

In westdeutschen Flächenländern regen sich derzeit Scharen von Schülern, Eltern und Lehrern über das Turboabitur an Gymnasien nach 12 Schuljahren auf. Den Schülern würde ihre Jugend gestohlen, heißt es. Gerade hat Niedersachsen die Rückkehr zu 13 Schuljahren angekündigt. Im der sonst so aufgeregten Berlin hält sich die Empörung über das Turboabitur in Grenzen.

Das hat Gründe: Zum Einen erhielt man zu DDR-Zeiten den Abschluss an der Erweiterten Oberschule ja auch nach insgesamt 12 Schuljahren. Vor allem aber können Berliner Schüler heute wählen, ob sie am Gymnasien das Turboabitur machen oder an vielen Sekundarschulen ein Jahr länger Zeit haben.

Diese Wahlmöglichkeit hat wohl zur relativen Ruhe bei den diesjährigen Oberschulanmeldungen beigetragen. Es scheint so, als hätten viele Eltern das reichlich komplizierte Verfahren samt Losquote inzwischen akzeptiert – obwohl sie erst im Mai Bescheid erhalten, ob es geklappt hat mit dem Platz an der Wunschschule für das Kind. Für diejenigen, die abgewiesen werden, bleibt das eine bittere Erfahrung. Zumal dieses Jahr erstmals Geschwisterkinder bevorzugt aufgenommen werden, was an Oberschulen nicht zwingend erscheint.

Viele Eltern versuchen nun eine Ablehnung zu vermeiden, indem sie taktisch wählen. So kommt es, dass viele im Vorjahr besonders begehrte Schulen dieses Mal gar nicht so sehr nachgefragt sind. Gerade Gymnasien, wo aufgrund der Vorjahreszahlen viele Bewerber vermutet werden, wurden gemieden.

Eine ehrliche Antwort muss die Bildungsverwaltung nun auch auf die Frage geben, wie gut die vielen Schüler, die nur eine Sekundarschulempfehlungen haben, an Gymnasien zurecht kommen. Denn nach der Schulreform 2010 wird in diesem Jahr der erste Jahrgang die Mittelstufe durchlaufen haben.

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