In Friedrichshain-Kreuzberg gibt es jetzt eine bezirkliche Ausstellung, in der nur eine einzige Uhr ausgestellt wird. Diese provokative Billigheimeraktion ist auf den ersten Blick eine gute Idee, mit der der Bezirk auf die Tücken der sogenannten Kosten-Leistungsrechnung aufmerksam machen will. Grob gesagt macht diese „KLR“ auch Kunst zum „Produkt“ mit einem Preis. Den erhält der Bezirk für Billigst-Ausstellungen genauso wie für sorgfältig und aufwendig vorbereitete. Das geht auf die Dauer gegen die Qualität.
Es kann deshalb nicht schaden, das seit Jahren angewendete Effizienzmodell KLR immer wieder öffentlich zur Diskussion zu stellen. Wie jedes Messinstrument ist die KLR ungenau und schematisch. Bei Standardaufgaben ist sie brauchbar, etwa wenn man ermitteln will, warum die Ausgabe eines Personalausweises im Bürgeramt A ein Drittel mehr kostet als im Bürgeramt B. Für die ihrem Wesen nach wolkige „künstlerische Qualität“ findet sich hingegen kein passendes Kästchen im KLR-Erhebungsbogen. Das kann man beklagen, aber es reicht nicht zu sagen, dass Kultur nicht mit Brötchenbacken zu vergleichen sei, wie es die zuständige Kreuzberger Kulturstadträtin tut.
Wenn die Kritiker das missliebige Effizienzinstrument anprangern, dann wüsste man gern, nach welchen Kriterien stattdessen das Geld vergeben werden soll, das der Finanzsenator als Globalsumme an den Bezirk überweist. Wie dieser Nußbaum-Kuchen verteilt wird, entscheidet die Bezirksverordnetenversammlung. Wenn die Kultur zu wenig bekommt, dann liegt das nicht an der KLR, sondern am Desinteresse des mehrheitlich grünen Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksparlaments an Kultur. Eine preisgünstige, aufrüttelnde Kunstperformance in der BVV schüfe sicher mehr Aufmerksamkeit.
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