Die Piratenpartei, besonders ihr Berliner Landesverband, streitet sich derzeit mal wieder mit besonderer Hingabe. Auslöser war, wir berichteten, die menschenverachtende Aktion, die einer Neuköllner Bezirksverordneten zugeschrieben wird. Sie soll eine der zwei halbnackten Frauen sein, die auf einem Foto in Femen-Manier dem britischen General Harris für die Bombardierung Dresdens dankt. Die Teilnehmer an der darauffolgenden Debatte teilten sich rasch in zwei Fraktionen, die einander als „totalitäre Linksfaschisten“ beziehungsweise als „geschichtsvergessene Liberal-Nazis“ bezeichneten.
Doch am Freitag war plötzlich Ruhe. In beispielhafter Weise machte sich nämlich das – natürlich ehrenamtlich tätige – technische Personal der Partei um die Debattenkultur verdient. Es legte kurzerhand die Homepage des Berliner Landesverbandes und die internen Debattenforen lahm und veröffentlichte eine Erklärung. „Wir hatten einen Deal“, schrieben sie. „Wir halten euch den Rücken frei von Verwaltungskram und ihr macht gute Politik. Dieser Deal wurde einseitig gekündigt.“ Die Streikenden forderten eine besseren Umgang der Parteimitglieder miteinander und eine klare Distanzierung des Bundesvorstands von der Dresdener Aktion. Bis zum Freitagabend sollte der Ausstand dauern.
Die Angriffe gingen weiter
Alle hätten die kurze digitale Abstinenz nutzen können, um zur Besinnung zu kommen. Doch was geschah? Die Angriffe gingen weiter, etwa auf Twitter. Aber sie hatten ein neues Ziel: die Streikenden. Erpressung und Machtmissbrauch wurden ihnen vorgehalten. So massiv waren die Anfeindungen, dass die Techniker am Nachmittag eine neue Erklärung veröffentlichten und sich darin rechtfertigten. Dabei hatten sie doch schon eine tadellose Rechtfertigung ihres Handelns geliefert.
In einer Woche werden die Berliner Piraten einen neuen Vorstand wählen. Manche Mitglieder fürchten, dass es zu einer Spaltung der Partei kommen könnte. Andere hoffen klammheimlich darauf, dass sich einige Querulanten von der Partei lösen. Die könnte sich dann wieder der inhaltlichen Arbeit widmen. Zu tun gäbe es genug.
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