Der Gestapo-Chef Heinrich Müller wird auf dem jüdischen Friedhof an der Großen Hamburger Straße in Mitte begraben bleiben. Die Jüdische Gemeinde will keine Exhumierung der Leiche. Das haben ihre Vertreter jetzt deutlich gesagt.
Einer der Hauptverantwortlichen für den Holocaust, ausgerechnet auf einem jüdischen Friedhof, das ist schon bizarr, ja, eigentlich obszön. Entsprechend groß war die Aufregung Ende Oktober als Johannes Tuchel, der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, seine Forschungsergebnisse veröffentlichte. Tuchel führte aus, dass Müller das Kriegsende nicht überlebt habe und im August 1945 auf dem Jüdischen Friedhof in Mitte in einem Massengrab beigesetzt worden sei. Er beruft sich auf Archivfunde und die Aussagen eines Totengräbers, der Müller identifiziert habe.
Es gibt eine Reihe von pragmatischen Gründen, die für ein Verbleiben des Gestapo-Chefs an diesem Ort sprechen. Dazu zählt, dass es schwierig wäre, Müllers Überreste in einem Massengrab überhaupt zu identifizieren. Auch das jüdische Religionsgesetz, wonach die Totenruhe nicht gestört werden darf, stünde einer Exhumierung im Wege.
Aber eine Entscheidung muss man auch aushalten können.
Die Gestapo hat 1942 direkt neben dem Friedhof ein Gefängnis betrieben, das sie Judenlager nannte. 1943 haben SS-Leute auf Befehl der Gestapo den Friedhof verwüstet: Sie schändeten die ausgegrabenen Gebeine der Toten und hoben Gräben aus, die mit zertrümmerten Grabsteinen abgestützt wurden.
Angesichts dieser und noch ganz anderer Gräueltaten zeugt es schon von menschlicher Größe, Heinrich Müller weiterhin eine Ruhestätte zu bieten. Leicht auszuhalten ist das ganz sicher nicht.
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