Das Volk hat entschieden, dass es auf dem Tempelhofer Feld lieber Spazierengehen oder Drachenfliegen statt in der dort eigentlich geplanten Zentral- und Landespolitik mal ein gutes Buch lesen will. Das kann man als Demokrat leider nicht kritisieren, weil das Volk der Souverän und damit die höchste Instanz ist. Vielleicht darf man aber anmerken, dass Berlin außer seiner Hauptstadtfunktion sowie dem Tourismus nur Bildung und Forschung als relevante Entwicklungspotenziale vorzuweisen hat, wozu Einrichtungen wie eine zeitgemäße ZLB zweifellos gehören.
Das gilt völlig unabhängig davon, ob man den ZLB-Förderer Klaus Wowereit leiden kann oder nicht. Dem hat das Volk am Sonntag vors Schienbein getreten, was zu Aggressionsabfuhr und hoffentlich dazu führt, dass man über die ZLB künftig weniger emotional reden kann. Denn in der Sache ist klar: Irgendwo müssen unsere künftigen arbeitsplatzschaffenden Nobelpreisträger, Erfinder und Künstler ja heute ihre Bücher und E-Books ausleihen und in Ruhe studieren können.
Hinz und Kunz machen jetzt öffentlich Vorschläge für alternative ZLB-Standorte: ICC, Flughafengebäude Tempelhof, Marstall und andere. Neu ist daran meist nichts, die meisten genannten Standorte wurden schon ausführlich untersucht und im Vergleich mit Tempelhof für mehr oder minder ungeeignet befunden. Darüber gibt es Daten und Analysen, auf die man zurückgreifen kann. Die ZLB hat es als wichtige Bildungseinrichtung nicht verdient, jetzt wie eine mobile Pommesbude politisch dort hinverpflanzt zu werden, wo die öffentliche Hand zufällig noch einen Bauplatz oder eine im Werden befindliche Ruine wie das ICC freihat. Die Landesbibliothekare können nichts dafür, dass der Politik trotz des absehbaren Leerstands nichts Besseres für das Kongresszentrum eingefallen ist.
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