Buchcover
© WildUrb
Abwechslung beim täglichen Spaziergang freut aber nicht nur den Hund, sondern auch Herrchen und Frauchen. Die Autorin Melanie Knies hat deshalb in ihrem Stadtführer „Berlin geht Gassi“ (178 Seiten, WildUrb-Verlag, 14,80 Euro) 16 Touren durch die Hauptstadt und das Umland zusammengetragen, bei denen man Stadt und Natur gemeinsam mit seinem Vierbeiner entdecken kann. Wir haben uns drei dieser Strecken genauer angesehen:
Parkhopping in West-Berlin
Teich im Rudolph-Wilde-Park in Schöneberg mit Blick auf das Rathaus und die U-Bahnstation.
© Nadine Pensold
Wo: Rudolph-Wilde-Park Schöneberg/ Volkspark Wilmersdorf
Die Strecke: Dieser Spaziergang führt sechs Kilometer mitten durch die Stadt durch zwei Parks vorbei an vielen sehenswerten Orten und auch Wasser. Die Tour kann von mehreren Startpunkten gut begonnen werden, da mehrere Haltestellen, U- und S-Bahnstationen in der Nähe liegen. Zum Beispiel auch der Halt Rathaus Schöneberg. Von dort aus kann man eine kleine Runde in Richtung Hirschbrunnen drehen – das Wahrzeichen des Rudolph-Wilde-Parks. Nach einem kurzen Blick auf das Rathaus geht die Runde zurück zur U-Bahnstation. Über Treppen gelangt man auf die andere Seite des Parks und kann dort den Blick auf einen kleinen See genießen, in dem sich gerne Schwäne und Enten tummeln.
Auf den großzügigen Grünflächen wird gerne mit Hunden gespielt.
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Nun geht es weiter Richtung Westen. Nach einigen Minuten Fußweg erreicht man das Gebäude des Deutschlandfunks und findet mit der „Pusteblume“ eine von vielen Einkehrmöglichkeiten auf der Strecke. Vorbei an einem großen Spielplatz geht es entlang einer schönen Wiesenfläche, auf der Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern gerne mit Frisbees oder Bällen tollen. Im gesamten Park herrscht zwar Leinenzwang, wie auch Melanie Knies schreibt, wird er aber nicht sehr ernst genommen. Es gibt aber reichlich Möglichkeiten, die Hunde hier aus dem Konzept bringen können, denn neben anderen Hunden wuseln auch Kaninchen, Eichhörnchen und viele Vögel durch den Park.
Auf einem abgezäunten Gelände gibt es einen eigenen Hundeauslauf im Volkspark Wilmersdorf.
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Nun muss man die Prinzregentenstraße überqueren – Autos sind hier im Schritttempo unterwegs. Wählt man die nördliche Route, findet man kurz vor der Fußgängerbrücke über die Bundesallee eine Möglichkeit zum Austoben. Ein kleiner Hundeauslauf ermöglicht das Spielen mit Artgenossen und vor allem Leinenfreiheit.
Nach einer Spieleinlage überquert man die Brücke und erreicht den westlichen Teil des Volksparks Wilmersdorf. Blumenbeete, einen kleinen Kiosk, reichlich Sitzgelegenheiten und Spielplätze sind unter anderem hier zu finden. Am Ende des Parks müssen ein paar Schritte entlang der Mecklenburgischen Straße gegangen werden. Vorbei an einer Tankstelle geht es auf die Straßenseite, auf der man das Friedrich-Ebert-Gymnasium erblickt. Hier führt der Weg in den Park um den Fennsee. Damit beginnt der ruhigere Teil des Spaziergangs.
Das ruhige Stück der Gassitour: die Runde um den Fennsee.
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Im Gegensatz zum ersten Teil der Strecke ist hier deutlich weniger los. Gemütlich geht es um zwei Seen herum. Der Weg zum Wasser ist dabei sehr steil, also Vorsicht, wer ans Ufer heran möchte. Neben Wasser gibt es auch reichlich schöne Altbauten auf der Strecke zu bewundern. Ein Blick lohnt sich zudem auf die bunte Brücke in der Barstraße. Nun folgt der Fußmarsch um den zweiten See und damit Halbzeit auf dem Rundweg. Durch viele verschlungene Wege kann man nun auf neuen Pfaden den Rückweg bis zum Rathaus Schöneberg antreten.
Das freut Herrchen: Viele Sitzmöglichkeiten, Gastronomie, Spielplätze und Sportmöglichkeiten, ausreichend Mülleimer
Das Plus für den Hund: Viele Artgenossen, Hundeauslauf, viele Wege, die entdeckt werden wollen.
Erreichbarkeit: S41/42/46 Bundesplatz, S41/42/46 Innsbrucker Platz, S41/42/46/U3/U2, Heidelberger Platz, U4 Rathaus Schöneberg, U7 Blissestraße
Nachteile: Keine Tütenspender, viele Ablenkungsmöglichkeiten
Fazit: Wer auf Trubel und Action aus ist, findet hier genug Platz für Aktivitäten, für einen Familienausflug mit Hund ist für jeden etwas dabei. Wer einen ruhigen Spaziergang mit seinem Vierbeiner unternehmen will, ist hier nicht so gut beraten.
Gassi mit Aussicht
Eine Tafel zeigt die Entfernungen markanter Berliner Punkte an.
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Wo: Neukölln-Rudow
Strecke: Im Neuköllner Stadtteil lässt sich allerhand entdecken. Zum Start des knapp acht Kilometer Spaziergangs zum Beispiel die Rudower Höhe. Los geht es am Zugang im Neudecker Weg, der direkt in die Parkanlage führt. Gleich zu Beginn geht es nach oben. Über unterschiedliche Pfade kann man bis zur Spitze des Aussichtspunktes gelangen. Dort warten ein paar Sitzgelegenheiten und ein Blick über die Hauptstadt. Theoretisch zumindest. Denn rundherum ist die Rudower Höhe dicht bewachsen, sodass es schwer fällt, durch das Grün hindurch zu gucken. So bleibt vor allem der freie Blick auf Altglienicke und seine bunten Plattenbauten und das dahinter beginnende Brandenburg. Auch auf den Flughafen Schönefeld kann man einen Blick erhaschen.
Tierische Begegnungen gibt es beim Passieren der Pferdekoppeln.
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Der Weg führt nun wieder auf der anderen Seite der Anhöhe hinunter und vorbei an einer Kleingartenkolonie. Nach einem kleinen Fußmarsch durch die angrenzende Siedlung wird es richtig ländlich: eine Baumschule und ein Pferdehof erwartet den Spaziergänger. Hier haben neugierige Hunde einiges zu schnuppern.
Im Landschaftspark Rudow findet man auch Weideflächen.
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Gleich hinter dem Hof liegt etwas versteckt der Zugang zum Landschaftspark Rudow. Die großzügige Grünfläche bietet vor allem viel Weideplatz. In den Sommermonaten kann man hier auch Wasserbüffel beobachten.
Dem Rundgang durch den Landschaftspark folgt ein Ausflug durch einen Birkenhain, der sich zu einem mit Hecken gesäumten Wanderweg wandelt. Zurück durch eine Siedlung und eine Grünfläche am Schirpitzer Weg geht es zurück Richtung Rudower Höhe. Zum Schluss gibt es noch einen kleinen Abstecher in die Berliner Geschichte. In der Nähe der Autobahn befindet sich ein Abschnitt des Mauerwegs.
Das freut Herrchen: Viele Sitzmöglichkeiten, viele Variationen der Route möglich
Das Plus für den Hund: abwechslungsreicher Spaziergang mit vielen Schnüffelmöglichkeiten
Erreichbarkeit: Bushaltestelle Rudower Höhe (Linie 162) oder Pfarrer-Heß-Weg (Linien 162, 172 und 372), Parkmöglichkeiten im Neudecker Weg
Nachteile: Keine Tütenspender, nicht viele Mülleimer, viel Lärm durch Nähe zu Autobahn und Flughafen, keine Einkehrmöglichkeiten,
Fazit: Wen das Dauerrauschen der Autobahn und der Lärm startender Flugzeuge nicht stört, der findet hier eine Strecke abseits des Zentrums, an dem nicht viel Publikumsverkehr ist. Wer zudem noch geschichtsinteressiert ist, der kann die Tour ein wenig ausbauen und den naheliegenden Mauerweg integrieren, der auf diesem Abschnitt mit vielen Informationstafeln bestückt ist.
Hund trifft Kunst
Wo: Lichtenberg-Friedrichsfelde
Strecke: Hinter Hauptstraßen und Plattenbauten geht es rund fünf Kilometer durch eine Parkanlage und den Zentralfriedhof Lichtenberg. Der Startpunkt befindet sich direkt gegenüber einer Fressnapf-Filiale in der Allee der Kosmonauten. Den ersten Abschnitt des Spaziergangs heißt es schlicht: den Wärmerohren folgen.
Ein Mosaik-Löwe wurde in die kunstvolle Mauer mit eingearbeitet.
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Bei einer Gabelung geht es für Hund und Herrchen nach rechts und bei der Allee der Kosmonauten erneut ein Stückchen nach rechts, um den Eingang zum Landschaftspark Herzberge zu erreichen. Auf dem Gelände herrscht Leinenpflicht. Der Landschaftspark lässt sich auf unterschiedlichen Routen entdecken und bietet viele Wiesen, Weiden und Pflanzenwelten, die entdeckt werden wollen. Nachdem man die Schafweiden passiert hat, wird es bunt. Eine mit Mosaiken verzierte Mauer säumt den Weg, sogar ein Löwe hat sich in diesem Kunstwerk versteckt.
Es geht in einem kleinen Bogen auf das Gelände einer Gärtnerei. Am Ende des Weges geht es an einem Bambusbeet nach rechts. Hier erwartet den Besucher ein kleiner Garten mit angrenzendem Kunstpark, der ebenfalls durch seine aufwendigen Mosaikwerke begeistert.
Betreten darf man die Weideflächen im Landschaftspark zwar nicht, sie sind aber schön anzuschauen.
© Nadine Pensold
Auf dem Weg durch den Landschaftspark begegnet einem aber nicht nur Kunst, sondern auch Interessantes über Gesundheit und Natur. Ein Lehrpfad vermittelt auf sieben Stationen den Weg zur ewigen Weisheit.
Nach dem Durchqueren des Landschaftsparks geht es auf einem Waldweg vorbei am ehemaligen Lichtenberger Sana-Klinikum zum Haupttor des Zentralfriedhofs Lichtenberg. Natürlich herrscht auch hier Leinenpflicht. Auf dem historischen Friedhof findet man gleich zu Beginn die Gedenkstätte der Sozialisten. Unter anderem sind auch Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht auf diesem Friedhof begraben.
Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Lichtenberg.
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Der Friedhof bietet viele Wege, um wieder Richtung Norden zu gelangen. Dort geht er in einen kleinen Park über von dem aus man erneut zu den Heizungsrohren gelangt. Von dort sind es nur noch ein paar Minuten bis zum Ausgangspunkt der Gassitour.
Das freut Herrchen: Informativer und sehenswerter Weg, auch für Familienausflug gut geeignet, genug Sitzmöglichkeiten
Das Plus für den Hund: Viel Gelegenheit zum Schnüffeln, andere Hunde. In der Nähe befindet sich zudem der Tierpark, in dem auch Hunde willkommen sind.
Nachteile: Keine Tütenspender, wenig Mülleimer, keine Möglichkeiten für Freilauf
Fazit: Melanie Knies schlägt in ihrem Gassiführer eine etwas andere Route für diesen abwechslungsreichen und spannenden Ausflug vor und beginnt mit dem Spaziergang durch den Friedhof. Allerdings erscheint es sinnvoller, erst den Landschaftspark zu besuchen, da Hunde dort alle ihre Geschäfte erledigen können und Hinterlassenschaften besser beseitigt werden können. So passiert auf dem Friedhof später kein Malheur.
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