Markus Wolf, ehemaliger Leiter der DDR-Auslandsspionage, muss draußen blieben. Der zuständige Stadtrat und Generalsekretär der Berliner CDU, Gerhard Lawrentz, untersagte die geplante Buchpräsentation von Wolf und anderen Ex-Spionen am kommenden Freitag im Rathaus Schöneberg. Wegen "arglistiger Täuschung" über den Grund der Raumnutzung, so Lawrentz am Montag.Was war vorgefallen? Der PDS-Bezirksverordnete Gert Julius hatte einen Raum im Rathaus für die PDS beantragt, der der Partei kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Julius hatte aber keinen Grund für die PDS-Veranstaltung genannt. In der Post fand Lawrentz wenige Tage später eine Einladung vor: für die Präsentation des Sammelbandes "Kundschafter im Westen", an dem 30 Autoren beteiligt sind. Das Buch sollte im Rahmen einer Pressekonferenz im Rathaus Schöneberg am Freitag um 10 Uhr vorgestellt werden. Im goldenen Saal. "Veranstalter ist Gert Julius, Bezirksverordneter in Schöneberg", hieß es in der Einladung, die von dem Verlag Eulenspiegel verschickt worden war.Damit hatte der PDS-Verordnete gegen die Hausordnung verstoßen, denn andere Veranstalter müssen die Räume extra anmieten und dafür bezahlen. Lawrentz untersagte die Buchpräsentation. Unterstützung erhielt er sogleich vom CDU-Landesverband, dessen Generalsekretär er ist. CDU-Landesgeschäftsführer Matthias Wambach, ebenfalls im Kreisverband Schöneberg-Tempelhof zu Hause, bezeichnete das Vorgehen von Julius als "unglaubliche Frechheit". Die geplante Veranstaltung sei "eine Zumutung für jeden aufrechten Demokraten und das Rathaus Schöneberg insgesamt", so Wambach. Er kritisierte, dass die frühere Stasi-Prominenz "praktisch unter der Freiheitsglocke" ihr Buch vorstellen wollte.Der Eulenspiegel-Verlag akzeptierte die Entscheidung von Lawrentz. "Wir haben dagegen nichts unternommen", sagte eine Sprecherin am Montag. Die Pressekonferenz findet nun in Lichtenberg statt. Vorgestellt wird das Buch unter anderem von den früheren Stasi-Spionen Markus Wolf, Werner Großmann und Johanna Olbricht. Sie beschreiben darin, warum sie "für eine fremde Macht" arbeiteten. Ihre Darlegungen seien auch als "polemischer Beitrag zum Umgang mit den so genannten ,Rosenholz -Papieren zu verstehen", teilte der Verlag mit. (cri. )
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