Nicht erst seit der erfolgreichen ARD-Serie „Babylon Berlin“ sind die Goldenen Zwanziger wieder en vogue. In Ballhäusern werden Charleston-Tanzkurse angeboten, modisch liegt man mit Federboas, Zigarettenspitzen und goldfarbenen Hosenträgern voll im Trend und kann sich auf den vielen Burlesque-Partys der Stadt sehen lassen.
Nicht nur Männer, auch emanzipierte Frauen, die Flapper Girls und die Garconne, tanzten durch die wilden Nächte der Goldenen Zwanzigerjahre. Und da wollen wir an diesem Wochenende hin – zu den Originalschauplätzen der Serie „Babylon Berlin“. Arne Krasting, der Zeitreisen-Chef, führt stilecht mit Knickerbocker, Schiebermütze und Fuchskragen zu den Drehorten, die man heute noch besichtigen kann.
Tipps
Die Führung „Auf den Spuren von Gereon Rath“ beginnt am Sonnabend um 16.30 Uhr vor dem Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte. Die dreistündige Tour kostet 27 Euro. Anmeldung unter zwanziger-jahre-berlin.de
Bar Tausend Schiffbauerdamm 11, Mitte, Di–Sa ab 19.30 Uhr
Kleine Nachtrevue Kurfürstenstraße 116, Schöneberg. Sa 21 Uhr „1001 Nacht Burlesque Oriental“, ab 23.45 Uhr Nachtshow „Burlesque und Nackt Ballett“, 35 Euro, ermäßigt 30 Euro
Ratskeller im Rathaus Schöneberg Kantine, Mo–Do 7–14.30, Fr 7–14 Uhr
Shell-Haus, Grand Hotel Esplanade und Ratskeller
In vielen Berlin Bezirken erinnern Gebäude an die Zwanziger, die Jahre, in denen Berlin nach dem Ersten Weltkrieg umkrempelt wurde. Da ist Shell-Haus am Landwehrkanal zum Beispiel, ein Bürohaus der klassischen Moderne. Oder das Grand Hotel Esplanade am Potsdamer Platz. Nur ein kleiner Teil ist erhalten vom Hotel, aber immerhin:. Der prachtvolle Kaisersaal liegt versteckt und konserviert im Sony Center.
Am Wochenende ist der Ratskeller im Rathaus Schöneberg leider nicht geöffnet, aber unter der Woche kann man dort essen. Dort wurden die „Babylon Berlin“-Szenen, die im legendären Restaurant Aschinger spielen, gedreht. Eine Erbsensuppe für sechs Groschen und Schrippen, so viel der Gast verdrücken konnte – das war das Erfolgsrezept der Aschinger-Kette. Mit Restaurants, Konditoreien und Bierquellen war Aschinger zeitweise Europas größter Gastronomiebetrieb. Die Zentrale befand sich auf dem Gelände hinter dem heutigen Soho House in Mitte.
Kokain brachte die Menschen damals durch die Nacht
Egal ob im Femina-Palast, im Moka Efti oder im Kakadu: Drogen gab es auch 1929 überall. „Zement“, „Koks“ oder „Kakao“ genannt – Kokain brachte die Menschen damals durch die Nacht. „Tauentzien! Kokain! Dit is Berlin“, so begann ein Gedicht auf das Berliner Nachtleben.
Einige Bars versprühen mit Tanz, Musik, Akrobatik und vor allem viel nackter Haut auch heute das Flair der Zwanziger. In der „Babylon“-Serie hat die Sängerin Swetlana Sorokina einen letzten Auftritt in einer Pariser Bar. Gedreht aber wurde diese Szene in Berlin: in der Kleinen Nachtrevue in der Kurfürstenstraße. Hier treffen sich auf der Tanzfläche und später an der Bar bei roter Beleuchtung die Fans von Burlesque-Shows.
Auch die Gegend zwischen Admiralspalast, Friedrichstadtpalast und Berliner Ensemble zog bereits 1929 viele Nachtschwärmer an. In Berlin florierte die Prostitution. Glanz und Elend lagen dicht beieinander. Berlin war schon damals sehr sexy, aber auch sehr arm. Ein verruchter Nachtclub war Der Holländer. Homosexuelle und Transvestiten feierten dort.
Zwielichtige Personage aus Bettlern, Huren und Gaunern
Gedreht wurden die Holländer-Szenen für die Serie in der Bar Tausend, die sehr gut versteckt am Schiffbauerdamm liegt, hinter einer Eisentür nämlich, an der man gerne vorbeiläuft. Ob man hereinkommt, entscheidet die Laune des Türstehers.
Ein paar Schritte weiter liegt das Berliner Ensemble, damals hieß es Theater am Schiffbauerdamm. Hier begann 1928 hier der sensationelle Erfolg von Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“. Auch heute noch steht die Oper mit der zwielichtigen Personnage aus Bettlern, Huren und Gaunern auf dem Programm und ist immer schnell ausverkauft.
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