Start der neuen DEL-Saison: Eisbären Berlin tief im Kurs

In Sachen Krawattenwahl herrschte bei den Eisbären-Verantwortlichen zwei Tage vor dem DEL-Saisonauftakt Zwietracht. Der alte und neue Kapitän André Rankel, der Sportliche Leiter Stefan Ustorf sowie Manager Peter John Lee hatten sich für das Modell blau-rot-gestreift entschieden. Der ehemalige Geschäftsführer Billy Flynn, den man der guten Laune wegen mit aufs Podest gesetzt hatte, präsentierte zarte weiße Pünktchen auf dunkelrotem Grund. Und Trainer Uwe Krupp setzte auf dunkles Blau, das schon fast ins Türkis ging. Vera Gäde-Butzlaff, die als Vorsitzende des Hauptsponsors bei der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz natürlich nicht fehlen durfte, hielt es am Hals etwas ...

BLZ
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In Sachen Krawattenwahl herrschte bei den Eisbären-Verantwortlichen zwei Tage vor dem DEL-Saisonauftakt Zwietracht. Der alte und neue Kapitän André Rankel, der Sportliche Leiter Stefan Ustorf sowie Manager Peter John Lee hatten sich für das Modell blau-rot-gestreift entschieden. Der ehemalige Geschäftsführer Billy Flynn, den man der guten Laune wegen mit aufs Podest gesetzt hatte, präsentierte zarte weiße Pünktchen auf dunkelrotem Grund. Und Trainer Uwe Krupp setzte auf dunkles Blau, das schon fast ins Türkis ging. Vera Gäde-Butzlaff, die als Vorsitzende des Hauptsponsors bei der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz natürlich nicht fehlen durfte, hielt es am Hals etwas luftiger.

Was die Einschätzung der 22. DEL-Saison angeht, die am Freitag gegen die Nürnberg Ice Tigers (19.30 Uhr, Arena am Ostbahnhof) losgeht, war die Stimmungslage − ganz anders als die Kleiderwahl es vermuten ließ − einträchtig. „Wir wollen in die Playoffs, über Meistertitel zu sprechen, haben wir nicht verdient“, sagte Lee. Und Krupp ergänzte: „Ich hoffe, dass wir uns für unsere Arbeit belohnen.“ Die vergangenen zwei Jahre, die jeweils in den Pre-Playoffs endeten, haben ihre Spuren beim siebenfachen DEL-Champion hinterlassen. Bescheidenheit ist jetzt der große Trumpf. Dazu passte der schmächtige Dummy im Konferenzraum, dem man das neue Trikot übergestülpt hatte.

Keine Comeback-Chance

Geht es nach den Eishockey-Experten dieses Landes oder denen, die sich für solche halten, steht den Berlinern erneut eine schwere Saison bevor. Bei der Befragung, welche Mannschaften eine tragende Rolle spielen dürften, wollte sich niemand auf die Eisbären festlegen. Hoch im Kurs stehen hingegen Meister Mannheim, die brausefinanzierten Münchner, die in den letzten zwei Jahren stark aufgekommenen Ingolstädter und die Hamburg Freezers. Selbst den Kölner Haien, die in der vergangenen Saison noch schlechter als die Eisbären abschnitten, werden große Chancen eingeräumt.

Dass man den Eisbären , die mit 5 245 verkauften Dauerkarten mal wieder einen Vereinsrekord aufgestellt haben, kein Comeback zutraut, hängt wahrscheinlich mit der vereinstypischen Personalpolitik zusammen. Die Kölner zum Beispiel reagierten nach verpassten Playoffs mit einem Austausch des halben Kaders. Teure, vor allem skandinavische Spieler holte man in die Domstadt. Die Berliner wiederum nahmen nur minimale Änderungen vor.

Jimmy Sharrow, Matt Foy, Casey Borer und Antti Miettinen mussten den Klub verlassen. Neu gekommen sind die Stürmer Spencer Machacek und Vladislav Filin, sowie die Verteidiger Bruno Gervais und Micki DuPont, der bereits 2003 bis 2006 in Berlin spielte. Im Tor ersetzt zudem Rückkehrer Kevin Nastiuk den nach Düsseldorf entliehenen Mathias Niederberger. Der Japaner Shuhei Kuji, der bislang als Gastspieler agierte, soll auf Leihbasis bleiben. Ustorf sagte zu der Kaderplanung: „Wir hatten nicht das Gefühl, dass es einen Radikalumbruch braucht. Wir sind mit unseren langfristigen Verträgen bislang immer gut gefahren.“ Der frische Wind, den die neuen Spieler gebracht haben, hätte der Mannschaft aber schon gut getan, meinte Krupp. „Sie sind gut für die Chemie in der Mannschaft.“

Eis im Sommer

Nach wie vor ist also die Überzeugung groß, dass die Meisterspieler vergangener Zeiten noch mal das Gerüst einer echten Siegertruppe sein können. Vorausgesetzt natürlich, die Berliner Verletztenmisere bleibt in dieser Saison aus. „Du planst nicht mit fünf, sechs Verletzten. Unsere Stammkräfte haben in den vergangenen zwei Saisons insgesamt 220 Spiele verpasst“, sagt Manager Lee immer wieder. Viele davon fallen auf Verteidiger Constantin Braun, der nach einem Knorpelschaden wieder zum Team gehört, aber zunächst wohl nur dosiert eingesetzt werden kann.

Damit sich Ausfälle reduzieren, die von einer falschen Belastung herrühren, wurde das Trainingsprogramm in der Vorbereitung intensiviert. „Zum ersten Mal seit vielen Jahren konnten unsere Spieler den ganzen Sommer auf dem Eis bleiben“, sagte Ustorf. Gerade zu Beginn des Camps forderte Krupp seine Mannschaft zwei Mal täglich. Trotz Erreichen der K.-o.-Phase in der Champions Hockey League waren die bisher gezeigten Leistungen durchwachsen. Drei von vier Spielen gingen hier verloren. „Die Resultate waren natürlich noch nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben“, weiß Ustorf.

Rankel, der nun schon zum viertel Mal die Kapitänsbinde trägt, fühlt vor dem Spiel gegen Nürnberg dennoch „eine positive Anspannung“ bei sich und seinen Kollegen. Vorausgesetzt natürlich, die Zwietracht von gestern greift nicht auf die Mannschaftsleistung über.

Wunsch: Der neue Bundestrainer Marco Sturm hat auf dem Weg aus der Krise die Deutsche Eishockey Liga in die Pflicht genommen. „Wir sind in einer kritischen Situation“, sagte der frühere NHL-Spieler und sprach sich für eine weitere Reduzierung der Ausländerstellen aus: „Ich würde mir wünschen, um ein oder zwei runterzugehen.“ Die 14 DEL-Klubs dürfen erneut elf Ausländer unter Vertrag nehmen und neun pro Spiel einsetzen. Diese Quote war zuletzt vor drei Jahren gesenkt worden.

Realität: Mit 44 Prozent Kontingentspielern ist der Ausländeranteil in der DEL deutlich höher als etwa in Schweden (28) oder der Schweiz (23). Eine drastische Reduzierung der Kontingentstellen hält Sturm aber für unmöglich: „Dafür haben wir nicht genug deutsche Spieler.“ Unterstützung erhält Sturm aus den Reihen seiner Spieler. „Damit die Nationalmannschaft langfristig besser wird, muss die Liga mit der Ausländerbegrenzung runter“, forderte Kölns Kapitän Moritz Müller.

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