Start des Filmfestivals

So wurde die allererste Berlinale gefeiert

Die 1. Internationalen Filmfestspiele Berlin fanden noch im Sommer statt.

Maike Schultz
3 Min
Solche luftigen Kostüme gab es nur in den Fünfzigern, als die Berlinale noch im Sommer stattfand.

Solche luftigen Kostüme gab es nur in den Fünfzigern, als die Berlinale noch im Sommer stattfand.

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In dicke Wintermäntel eingemummte Fans, die am Roten Teppich ausharren, um ein Autogramm von den Hollywood-Stars zu ergattern, gehören zur Berlinale wie der rote Schal zu Dieter Kosslick. Doch das war nicht immer so: Anfangs fand die Berlinale im Frühsommer statt. Am 6. Juni 1951 eröffnete Alfred Hitchcocks "Rebecca" im Titania-Palast die ersten Internationalen Filmfestspiele Berlin. Der Star des Films, Joan Fontaine, war auch der gefeierte Stargast des Festivals.

Joan Fontaine (Mitte) in Hitchcocks "Rebecca".

Joan Fontaine (Mitte) in Hitchcocks "Rebecca".

© imago/AGD

Der Sommertermin – erst 1978 verlegte man das Festival in den Februar, um mehr zeitlichen Abstand zum Festival in Cannes zu gewinnen – war dem Krieg geschuldet. Sechs Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs lagen große Teile Berlins noch immer in Trümmern. Der Wiederaufbau hatte begonnen, aber von der Lebendigkeit einer Kunstmetropole wie in den Zwanzigern war man noch weit entfernt.

So kam es, dass bei den angenehmen Temperaturen auch die Waldbühne für Aufführungen zugelassen wurde. Eigentlich hatten die Amerikaner sie beschlagnahmt, gaben sie für die Berlinale aber frei. Auch die Festakte fanden in der ausverkauften Waldbühne statt - am Abschlussabend von einem großen Feuerwerk gekrönt.

In dieser Situation befriedigten die Filmfestspiele und ihre glamourösen Gäste das Bedürfnis der Stadt nach Beachtung und Anerkennung. Gleichzeitig sollte das Festival ein politisches Zeichen setzen und in der in Sektoren aufgeteilten Stadt als „Schaufenster der freien Welt“ dienen. 

Auch in der Waldbühne wurden 1951 Berlinale-Filme gezeigt.

Auch in der Waldbühne wurden 1951 Berlinale-Filme gezeigt.

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Schon in ihrem ersten Jahr war die Berlinale ein großer Publikumserfolg und der Andrang auf die Karten groß. Kritik kam freilich aus dem Ostteil der Stadt, wo man den Filmfestspielen die Internationalität absprach, weil Filme aus sozialistischen Ländern kategorisch ausgeschlossen waren.

Immerhin war es den Bewohnern Ost-Berlins möglich, die Berlinale zu besuchen, denn die Sektoren-Grenze war ja noch passierbar. Im Corso-Filmtheater im Wedding wurden verbilligte Vorführungen für Ost-Berliner gezeigt und Tausende nutzten dieses Angebot.

Film-Fans in der Schlange vorm Ticketschalter. Auch Ost-Berliner besuchten die Berlinale-Vorführungen.

Film-Fans in der Schlange vorm Ticketschalter. Auch Ost-Berliner besuchten die Berlinale-Vorführungen.

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Über die Preise entschied 1951 noch eine Fachjury aus ausschließlich deutschen Mitgliedern. Auch das Publikum kürte seinen Lieblingsfilm: "Cinderella" aus dem Hause Disney.

Die Vergabe offizieller Preise durch eine internationale Fachjury war in den Fünfzigern den so genannten A-Festivals vorbehalten. Diesen Status bekam die Berlinale erst fünf Jahre später - erst seit 1956 werden die Goldenen und die Silbernen Bären vergeben. 

Berlinale-Mitarbeiter bei der Auszählung der Stimmen für den Publikumspreis.

Berlinale-Mitarbeiter bei der Auszählung der Stimmen für den Publikumspreis.

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