Pflege, Betreuung, Gesundheit – diesen Themen gehört die Zukunft, sagen viele Wissenschaftler und Politiker. Und klar ist, dass sich deshalb auch vermehrt Start-ups mit der Frage beschäftigen, nicht nur, wie Mediziner bei der Diagnose unterstützt werden können, sondern auch wie sich Abläufe in Arztpraxen durch die Hilfe von Computertechnik vereinfachen lassen.
Doctolib ist nach eigenen Angaben europäischer Marktführer im Bereich der Arztterminbuchung und will die technische Entwicklung in Berlin vorantreiben, teilte der neue Technische Direktor Philippe Vimard am Mittwoch der Berliner Zeitung mit. Angefangen hat das Unternehmen vor fünf Jahren in Frankreich seit 2016 ist es auch in Deutschland aktiv.
„Wir möchten unsere Aktivität auf dem deutschen Markt weiter verstärken"
In Berlin will Doctolib in diesem Jahr ein Innovation-Center eröffnen, die Zahl der Mitarbeiter im Entwicklungsteam soll von 50 auf insgesamt 100 steigen. „Als deutsch-französisches Start-up haben wir uns sehr gut überlegt, an welchem Standort das Innovation-Center am besten aufgehoben ist – mehrere Standorte standen zur Debatte“, erklärte CTO Vimard. Warum die Wahl auf Berlin fiel?
„Wir möchten unsere Aktivität auf dem deutschen Markt weiter verstärken. Außerdem sehen wir in der Berliner Tech- und Start-up-Szene die besten Chancen, hochmotivierte und qualifizierte Mitarbeiter zu finden“, sagte Vimard.
Erfolgreiche Finanzierungsrunde
Doctolib bietet Patienten, die sich nicht gut fühlen, zur Kontrolle müssen oder fachärztliche Auskunft wünschen, den Service an, ihren Termin direkt im Netz zu vereinbaren. Auf der Plattform werden Ärzte und die verfügbaren Sprechstunden-Zeiten angezeigt. Nach ein paar Klicks erhält der Nutzer dann in Echtzeit einen Erinnerungshinweis zum Termin und zur Adresse per SMS. Aus Sicht der Entwickler hat die Technik zwei Vorteile: In der Arztpraxis werden die Mitarbeiter entlastet, so das sie kaum noch Termine am Telefon vergeben müssen.
Außerdem können Patienten jederzeit absagen, auch außerhalb der Sprechstunden, so dass sich auch die Zahl der Termine, bei denen die Patienten nicht erscheinen, verringert. In Zukunft soll es dann darum gehen, die Gesundheitsversorgung leicht zugänglich, effizient und praktikabel zu machen, teilte das Unternehmen mit.
85 Millionen Euro
Im vergangenen Jahr war das Unternehmen bei Finanzierungsrunden erfolgreich. Im Herbst konnten so weitere 35 Millionen Euro gesichert werden, nach Firmenangaben die größte Start-up-Investition im europäischen Gesundheitswesen.
Seit seiner Gründung vor vier Jahren sammelte Doctolib insgesamt 85 Millionen Euro ein. Außerdem wurde das Unternehmen im vergangenen Jahr mit dem deutsch-französischen Wirtschaftspreis der Industrie- und Handelskammer in der Kategorie „Start-up“ ausgezeichnet.
Keine Benotung von Ärzten möglich
Allerdings ist das Unternehmen in Deutschland nicht konkurrenzlos. Die Frankfurter Allgemeine zählte vor ein paar Monaten weitere Anbieter auf, zu denen Jameda, Doctena, Terminland, Arzttermine und Samedi gehören.
Im Gegensatz zu anderen Anbietern ist die Benotung von Ärzten durch Patienten bei Doctolib nicht möglich, auch deshalb nicht, weil dieses Angebot in Frankreich rechtlich verboten ist. In Deutschland hatte das Thema zuletzt zum einem Streit geführt, der beim Bundesgerichtshof verhandelt wurde. (BLZ)
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