Sternenhimmel im Dezember

Die längste Nacht des Jahres

Tim Florian Horn erklärt das Firmament im Dezember

Tim Florian Horn
6 Min
Dank Lichtverschmutzung sieht der Himmel in Berlin nicht ganz so überwältigend aus. Trotzdem gibt es auch hier etwas zu sehen.

Dank Lichtverschmutzung sieht der Himmel in Berlin nicht ganz so überwältigend aus. Trotzdem gibt es auch hier etwas zu sehen.

© imago/Westend61

Gemütlich soll er sein, der Dezember auf Erden. Doch sind es die astronomisch anwachsende Zahl an Festivitäten und Aktionen im Kreise des Kindergartens, der Schule, des Betriebes und natürlich in der Familie, die diese besinnliche Zeit manchmal in Hektik umschlagen lassen. Gerade aber der Blick an den Himmel zeigt die immerwährende Ruhe und Besonnenheit des großen uns umgebenden Universums – und lädt zum Innehalten ein.

Dank der kurzen Tage und langen Nächte bleibt dafür im Dezember viel Zeit. Wir erreichen das astronomische Bergfest, die Wintersonnenwende und damit den kürzesten Tag und die längste Nacht des Jahres am 21. Dezember.

An diesem Tag geht die Sonne bereits um 15.54 Uhr unter, kurz danach erleuchten nur noch die Sterne und der Mond das Firmament. Astronomisch beginnt damit der Winter, der vielleicht den eigentlichen Grund für unsere irdischen Festivitäten dieser Jahreszeit darstellt.

Die eitle Königin

Die Schräglage der Erdachse beschert uns die stete und doch wiederkehrende Veränderung der Tageslängen und Unterschiede der Sonneneinstrahlung, die zu den Jahreszeiten führen. Imposant steht das Wintersechseck am nächtlichen Himmel. Sechs prächtig helle Sterne markieren den Winterhimmel und laden zur Beobachtung ein: Kapella im Fuhrmann, Aldebaran im Stier, Rigel im Orion, Sirius im Großen Hund, Prokyon im Kleinen Hund und Kastor in den Zwillingen.

Die Sternkarte zeigt den Sternenhimmel über Berlin für Nachtschwärmer: Am 1. Dezember um 23 Uhr, am 15. Dezember um 22 Uhr und am 31. Dezember um 21 Uhr. Über dem Nordosthorizont steht das Sternbild des Großen Bären als immerwährender Wegweiser zum Polarstern: Einen Teil des Sternbildes kennen wir gemeinhin als Großen Wagen. Verbindet man die hinteren beiden Sterne des Wagenkastens und verlängert diese Linie fünfmal nach oben, erreicht man den Polarstern. Zieht man die kürzeste Verbindung zum Horizont, finden wir die Nordrichtung. Verlängern wir die gedachte Linie über den Polarstern hinaus, erreichen wir das Himmel-W, das Sternbild Kassiopeia, die als eitle Königin den Weg zu den Sternen gefunden hat.

Vollmond kurz vor Weihnachten

Das Sternbild des Himmelsjägers Orion in südlicher Richtung ist in der winterlichen Gemengelage die auffälligste Sternenanordnung. Dennoch ist Phantasie gefragt, aus der Reihe der drei Sterne einen Gürtel zu erkennen. Die zwei hellen Sterne „oben“ stellen die Schultern dar und die zwei Sterne Rigel und Saiph die Knie. Hier finden wir auch das berühmte Sternentstehungsgebiet M42, den Orionnebel. Dort können wir mit Teleskopen nahezu direkt bei der Entstehung neuer Sterne zuschauen. Der linke Schulterstern Beteigeuze hat gar den tausendfachen Sonnendurchmesser, Aldebaran im Sternbild Stier immerhin noch den 43-fachen. Um Aldebaran zu finden, eignet sich der Gürtel des Orion als Wegweiser. Verlängert man diesen nach oben, erreicht man den gesuchten Stern. Verlängert man die Sternreihe gen Horizont, findet sich der Stern Sirius im Sternbild Großer Hund. Sirius ist der hellste Fixstern am Himmel und befindet sich in nur knapp 9 Lichtjahren Entfernung.

Möge uns der Mond ein wenig die kalten Nächte erhellen, der seine Phasengestalt seinem Orbit um die Erde verdankt und doch nur das Sonnenlicht reflektiert. Am 7. Dezember bleibt der Mond als Neumond zwischen Sonne und Erde verborgen, am 15. Dezember steht die Sichel des zunehmenden Halbmondes (erstes Viertel) am Abendhimmel, der Vollmond erleuchtet die Nacht am 22. Dezember, der abnehmende Halbmond (letztes Viertel) wird am 29. Dezember erreicht.

Sternschnuppenstrom

Am Abendhimmel ist uns nur der Planet Mars erhalten geblieben. Während er im Laufe des Monats vom Sternbild Wassermann in die Fische wechselt, bleibt seine Untergangszeit nahezu konstant bei 23.21 Uhr. Auf dem 168 Millionen Kilometer entfernten Planeten ist Ende November die Nasa-Sonde InSight gelandet. Mit dabei ist Technik aus Adlershof, die uns einen Einblick in das Innerste des Roten Planeten erlauben wird.

Für die Sehnsüchte und vielen Wünsche des Dezembers bleiben die Sternschnuppen. In der Zeit vom 6. bis 16. Dezember können wir den Sternschnuppenstrom der Geminiden beobachten. Sternschnuppen, kleinste Gesteinsbrocken, kosmischer Krümelkram, tritt in die Erdatmosphäre ein und verglüht. In der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember ist das Maximum mit 110 Sternschnuppen pro Stunde zu erwarten. Zeichnet man die Bahnen der Meteore zurück, scheinen sie aus dem Sternbild der Zwillinge zu kommen (lat. Gemini).

Auf die weiteren Planeten müssen wir bis in die frühen Morgenstunden warten. Den Anfang macht die Venus, wenn sie gegen 4 Uhr aufgeht. Auch sie wandert flink durch die Tierkreissternbilder und wechselt am 13. Dezember vom Sternbild Jungfrau in die Waage. Ihre dichten Wolken reflektieren einen Großteil des ankommenden Sonnenlichtes und machen sie zum Morgenstern. Dabei erreicht die Venus für diese Beobachtungssaison am 2. Dezember bereits ihre größte mögliche Helligkeit, ihren größten Glanz.

Der Jupiter kehrt zurück

Im Fernrohr, sogar schon im Feldstecher, offenbart sich ihre wahre Gestalt, da sie als von der Erde aus gesehen innerer Planet Beleuchtungsphasen aufweist. Im Dezember nimmt das zu beobachtende Venusscheibchen im Teleskop an Durchmesser ab, während ihre Sichel immer voller wird. Ende Dezember ist Venus fast halb beleuchtet.

Der Planet Merkur gibt ab dem 6. Dezember eine kurze, aber prägnante Himmelstournee. Am 15. Dezember erreicht er seinen größtmöglichen Winkelabstand von der Sonne. Dennoch bleibt nur wenig Zeit ihn zwischen etwa 6.35 Uhr und 7.05 Uhr am Morgenhimmel aufzufinden. Am 21. Dezember können aber der Planet Jupiter und der Stern Antares als Aufsuchhilfe dienen, in dessen Nähe der flinke Merkur vorbeiwandert. Bereits am 27. Dezember ist Merkurs Gastspiel auch schon wieder beendet. Der Riesenplanet Jupiter tritt im letzten Monatsdrittel aus dem Schein der Sonne und kann wieder im Grenzbereich der Sternbilder Skorpion und Schlangenträger beobachtet werden. Am Ende des Jahres geht Jupiter um 6.11 Uhr auf.

Stern der Wissenschaften

Voraussichtlich pünktlich zu Weihnachten wird der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst am 20. Dezember mit seiner Crew zur Erde zurückkehren. Am Himmel aber bleibt uns die Internationale Raumstation ISS erhalten. Wenn es in Berlin noch dunkel ist, die Raumstation aber über uns in 400 Kilometern Höhe bereits von der Sonne beleuchtet wird, zieht sie als heller Punkt vom 1. bis 14. Dezember und wieder ab dem 24. Dezember über den Morgenhimmel. In der Weihnachtszeit vielleicht ein neuer Stern, dem es zu folgen gilt. Dem Stern der Wissenschaften.

Der Dezember verspricht einiges an schönen astronomischen Begegnungen, Beobachtungen und Sternschnuppen in langen, kalten Nächten. Umso mehr wünsche ich Ihnen die Gelegenheit, die kosmischen Freuden gemeinsam mit Familie und Freunden zu genießen – auf dem wunderbaren Planeten, den wir unsere Heimat nennen dürfen. Hier auf Erden.

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