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Ölversorgung

Schiff in Straße von Hormus getroffen – Sorge vor weltweitem Ölschock

Ein Geschoss löst Feuer an Bord aus, die Besatzung wird evakuiert. Zugleich fällt eine der wichtigsten Ausweichrouten für Ölexporte vorerst aus.

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Handelsschiffe warten vor Bandar Abbas in der Straße von Hormus. Nach Angaben der Bildagentur meiden viele Schiffe wegen der militärischen Eskalation die Weiterfahrt.

Handelsschiffe warten vor Bandar Abbas in der Straße von Hormus. Nach Angaben der Bildagentur meiden viele Schiffe wegen der militärischen Eskalation die Weiterfahrt.

© Fatemeh Bahrami/imago

Ein iranisches Handelsschiff ist am Sonntagmorgen in der Straße von Hormus von einem Geschoss getroffen worden. Ein Besatzungsmitglied kam ums Leben, mehrere weitere wurden verletzt. Wer das Schiff angegriffen hat, ist bislang nicht bekannt.

Der Treffer ereignete sich nach Angaben iranischer Staatsmedien vor der Insel Qeschm an der iranischen Südküste. Die Nachrichtenagentur AP berichtet unter Berufung auf die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna von einem Toten und vier Verletzten. An Bord sollen sich insgesamt zehn Menschen befunden haben. Reuters hatte zunächst drei Verletzte gemeldet.

Der Gouverneur von Qeschm machte einen nicht näher bezeichneten „terroristischen Feind“ verantwortlich. Zugleich erklärte er, die iranischen Behörden hätten noch nicht feststellen können, von welchem Geschoss das Schiff getroffen worden sei. Belege für die Täterschaft einer bestimmten Konfliktpartei wurden nicht vorgelegt.

Feuer bricht auf iranischem Schiff aus

Die britische Überwachungsstelle United Kingdom Maritime Trade Operations, kurz UKMTO, meldete unabhängig davon, ein Schiff sei während der Fahrt durch die Straße von Hormus von einem Geschoss getroffen worden. Anschließend sei an Bord ein Feuer ausgebrochen. Die örtlichen Behörden hätten die Menschen auf dem Schiff evakuiert.

Ob sich die Angaben von UKMTO und den iranischen Staatsmedien zweifelsfrei auf dasselbe Schiff beziehen, wurde zunächst nicht bestätigt. Der Name und die Ladung des iranischen Handelsschiffs sind ebenfalls nicht bekannt.

Das US-Militär äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall. In den vergangenen Tagen hatten sich der Iran und die USA gegenseitig mit Angriffen auf Schiffe überzogen. Die Vereinigten Staaten hatten mehrere iranische Öltanker attackiert. Teheran erklärte daraufhin, Schiffe der USA und weitere Tanker angegriffen zu haben.

Wichtige Ölpipeline in Saudi-Arabien geschlossen

Der neue Zwischenfall trifft die Energieversorgung in einer besonders kritischen Phase. Saudi-Arabien hatte erst am Samstag seine wichtige Ost-West-Pipeline vorübergehend geschlossen. Vorausgegangen war ein Drohnenangriff, der nach Angaben aus Riad und Bagdad vom Irak ausging. Dort sind mehrere mit dem Iran verbündete Milizen aktiv. Zu dem Angriff hat sich jedoch bislang niemand bekannt.

Die rund 1200 Kilometer lange Pipeline verbindet Fördergebiete am Persischen Golf mit dem Roten Meer. Seit die Straße von Hormus infolge des Krieges weitgehend blockiert ist, transportierte sie täglich zwischen vier und fünf Millionen Barrel Öl. Das entspricht etwa vier bis fünf Prozent des weltweiten Angebots, berichtet Reuters.

Wie lange die Pipeline geschlossen bleibt und welche Folgen der Angriff für die Liefermengen hat, ist noch nicht bekannt. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent war bereits in der zurückliegenden Woche wieder über 100 US-Dollar gestiegen.

Huthis rücken am Zugang zum Roten Meer vor

Auch am Bab al-Mandab, der Meerenge zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden, wächst das Risiko für Handelsschiffe. Vier Vertreter der international anerkannten jemenitischen Regierung sagten Reuters, die mit dem Iran verbündeten Huthis hätten die strategisch gelegene Insel Perim eingenommen.

Die Insel teilt den Bab al-Mandab in zwei Fahrrinnen. Über diese Route erreichen Schiffe durch das Rote Meer und den Suezkanal Europa. Eine unabhängige Bestätigung für die vollständige Einnahme der Insel liegt bislang nicht vor.

Die Huthis griffen zuletzt zudem Ziele im Süden Saudi-Arabiens an. In der Region Dschasan wurden nach Angaben des saudischen Zivilschutzes zwei Menschen verletzt und mehrere Gebäude beschädigt.

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman bat US-Präsident Donald Trump nach Angaben von drei mit dem Gespräch vertrauten Reuters-Quellen um militärische Hilfe gegen die Huthis. Washington habe vorerst keine direkte Beteiligung zugesagt, wolle Riad aber mit Geheimdienstinformationen unterstützen. Trump bestätigte das Gespräch, äußerte sich jedoch nicht zu den Einzelheiten der Bitte.

Der Iran stellt Bedingungen für Öffnung von Hormus

Am Montag sollen Vertreter des Irans und mehrerer arabischer Golfstaaten im Oman über die Zukunft der Straße von Hormus beraten. Ein hochrangiger iranischer Vertreter dämpfte gegenüber Reuters bereits die Erwartungen. Eine unterzeichnete Vereinbarung werde bei dem Treffen voraussichtlich nicht zustande kommen.

Nach einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim will der Iran die Meerenge erst vollständig öffnen, wenn die USA sieben Bedingungen erfüllen. Welche Forderungen damit genau gemeint sind, wurde nicht mitgeteilt.

Teheran verlangt unter anderem die Anerkennung seiner Kontrolle über die Straße von Hormus und das Recht, Gebühren von passierenden Schiffen zu erheben. Washington lehnt dies ab. Der iranische Präsident Massud Peseschkian erklärte zudem, die Meerenge werde erst wieder geöffnet, wenn die USA ihre Blockade iranischer Häfen beenden.

Damit stehen drei zentrale Wege für den internationalen Energiehandel gleichzeitig unter Druck: die Straße von Hormus, die saudische Ost-West-Pipeline und die Zufahrt zum Roten Meer durch den Bab al-Mandab.

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