In Charlottenburg hat das Ordnungsamt untersagt, dass zwei Aktmalereien in ihrer ursprünglichen Form in der Öffentlichkeit gezeigt werden dürfen. Es geht um Bilder des Malers Wilhelm Peters, beides Sexdarstellungen. Peters hatte sie in das Schaufenster seines Ateliers in der Bleibtreustraße am Savignyplatz gehängt. Dem Ordnungsamt ist diese Kunst zu anstößig, der Maler musste die kritischen Stellen bedenken – und beschwert sich nun über die Zensur. Peters sieht die Freiheit der Kunst verletzt.
Peters hat sein Atelier seit 15 Jahre in der Bleibtreustraße. Vor ein paar Monaten hing er die beiden Bilder ins Fenster. Akt-Darstellungen die er durchaus eingebettet in aktuelle Debatten sieht. Das Bild, auf dem ein Mann einer Frau an die Brust greift, trägt den Titel „Offene Begegnung. Silvesterübergriff“. Sein anderes Werk heißt „familienwirksame Leistung.“
Titel des Bildes: Familienzusammenführung. Jetzt nur eingeschränkt zu sehen.
© Gerd Engelsmann
Die Frage ist, ob es sich um Pornografie handelt
„Ich habe viel Lob bekommen, sogar von Familien mit Kindern“, sagt Peters. „Aber dann wurde erst sein Schaufenster mit Joghurt beschmiert, anschließende kamen nach seiner Aussage zwei Leute von Ordnungsamt. Sie kamen einmal und ein zweites Mal. Beim dritten Mal sei ein Mann vom Ordnungsamt aufgetaucht und habe ihm ein Ordungswidrigkeitsverfahren wegen „Grob anstößiger und belästigender Handlung“ angedroht. Die Begründung: Jemand habe sich über die Bilder beschwert. Nach langem Hin- und Her deckte Peters die Geschlechtsteile auf den Malereien mit kleinen Leinwandstückchen ab und hängte die Bilder wieder ins Fenster.
Das Ordnungsamt Charlottenburg-Wilmersdorf bestätigt die Beschwerden. „Wo Menschen sich gestört fühlen, können die Grenzen der künstlerischen Freiheit überschritten werden“, sagt Stadtrat Arne Herz (CDU) der Berliner Zeitung. Die Frage sei, ob es sich schon um Pornografie im Schaufenster handele. „Und wir reden hier nicht vom Atelierräumen, wir reden vom Schaufenster. Das Ordnungsamt musste kommen und entscheiden und hat entschieden zum Schutz der Jugend“, sagt Herz.
Wilhelm Peters ist trotzdem enttäuscht. Er sei ein Schüler von Eugen Gomringer, dessen Alleen-Gedicht an der Alice-Salomon-Hochschule in Hellersdorf jetzt übermalt werden muss, weil es Studenten zu anstößig fanden. „Gomringer ist nun wirklich kein Sexist.“ Wer etwas verbieten wollte, sollte im Internet und im Fernsehprogramm anfangen. Nicht an der Alice-Salomon-Hochschule. Und schon gar nicht an seinem Schaufenster.
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