Vor zwölf Jahren war es als Gegenaktion zu den Straßenkrawallen am 1. Mai in Kreuzberg erfunden worden. Doch ob das Myfest auch im nächsten Jahr stattfindet, ist weiter ungewiss. Nachdem die Polizei Anfang Oktober dem Fest den Status der politischen Veranstaltung abgesprochen hat, steht es vor dem Aus. Die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann, hat jetzt Innensenator Frank Henkel (CDU) und dessen Polizeiführung heftig kritisiert. „Die Polizei ist aus der gemeinsamen Verantwortung ausgestiegen und hat sich von der Grundidee des Festes verabschiedet“, sagte die Grünen-Politikerin. Bislang habe das Fest im Dreiklang aus Bezirk, Anwohnern und Polizei stattgefunden, um den Steineschmeißern entgegenzutreten. Diese Gemeinschaft hätten der Senator und seine Polizei verlassen.
Anfang Oktober hatte die Polizei entschieden, dass das Myfest, das alle Jahre als politische Veranstaltung angemeldet worden war, nichts mehr mit Politik zu tun habe. Vielmehr sei es ein reguläres Straßenfest mit Massenbesäufnis. Ein Anwohner hatte vor Gericht geklagt, er sehe wegen Überfüllung die Sicherheit nicht mehr gewährleistet.
Herrmann: Bezirk kann nicht Veranstalter sein
Herrmann bekräftigte die Haltung des Bezirks, er könne aus finanziellen und personellen Gründen nicht als Veranstalter eines regulären Straßenfestes antreten. „Das Bezirksamt muss dann persönlich haften, wenn etwas passiert. Es gibt andere Umweltauflagen und wir müssen die Kosten für die Müllbeseitigung tragen“, sagte sie. Natürlich sei es dieses Jahr auf der Festmeile viel zu voll gewesen, vielleicht sei das Myfest auch keine politische Veranstaltung mehr gewesen, aber: „Wieso wird dies auch für 2016 prognostiziert, ohne dass man gemeinsam darüber redet?“
Um das Myfest zu retten, so Herrmann, müsse jetzt schleunigst die grundlegende Frage geklärt werden: „Wer ist noch mit im Boot, wenn es darum geht, in Kreuzberg am 1. Mai auch künftig etwas gegen Krawalle zu tun?“ Innensenator Henkel hatte jüngst erklärt, der Senat werde das Fest weiterhin unterstützen. Der Bezirk müsse sich jetzt äußern.
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