Streit ums Spreeufer: Kreuzberg vergrault Guggenheim

Der eigene Anspruch wird den Kuratoren des BMW Guggenheim Lab zum Verhängnis. Man wolle die Bewohner in die Lage versetzen, aktiv am Wandel der Stadt mitzuwirken, sagt die Berliner Kuratorin Maria Nicanor vom Guggenheim Museum New York, wenn sie erklären will, welchen Zweck das weltweit ausgerichtete Lab (auf Deutsch: Labor) denn nun ...

BLZ
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Berlin - Der eigene Anspruch wird den Kuratoren des BMW Guggenheim Lab zum Verhängnis. Man wolle die Bewohner in die Lage versetzen, aktiv am Wandel der Stadt mitzuwirken, sagt die Berliner Kuratorin Maria Nicanor vom Guggenheim Museum New York, wenn sie erklären will, welchen Zweck das weltweit ausgerichtete Lab (auf Deutsch: Labor) denn nun habe.

Vom 24. Mai bis 29. Juli 2012 soll das temporäre Forschungslabor, eine Art Ideenschmiede auf 250 Quadratmeter Größe, auf einer Brache in Kreuzberg errichtet werden, im Wrangelkiez, Schlesische Straße, Ecke Cuvrystraße, direkt am Spreeufer.

Furcht vor steigenden Mieten

Doch ausgerechnet die Bewohner im Wrangelkiez, Künstler und Kiez-Initiativen, wehren sich nun gegen das Vorhaben, sie fürchten einen Wandel gegen ihre Interessen. „Das sogenannte ,Lab’ ist eine miese Image-Veranstaltung des konservativen BMW-Konzerns, bedeutet für den Kiez noch weiter steigende Mieten sowie die faktische Privatisierung des Grundstückes und wurde natürlich ohne jede Beteiligung der AnwohnerInnen geplant“, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Aufruf.

Das Lab bedeute die „faktische Schließung des heute für die Öffentlichkeit zugänglichen und viel genutzten Grundstückes“, nur noch während der Programmzeiten sei es dann zugänglich, ab 22 Uhr werde es verschlossen. „Securitys und Polizei sollen jedes Betreten unmöglich machen.“

Auf dem Gelände sollen im Rahmen des ebenfalls umstrittenen Großprojektes Mediaspree später Bürohäuser und ein Hotel entstehen.

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Zu den Unterstützern des Aufrufs gehören neben Initiativen aus dem Wrangelkiez auch Künstler der freien Szene, die sich in Gruppen wie „Haben & Brauchen“ und der „Koalition der freien Szene“ organisiert haben. Auch die Piratenpartei von Friedrichshain-Kreuzberg unterstützt den Protest. „Das BMW-Guggenheim Lab dient der Aufwertung im Kiez, es ist Teil der Verdrängung“, sagt Fraktionsgeschäftsführer Rolf Schümer.

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Der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), hingegen sieht in dem Lab „eine Chance, wenn es gelingt, den stadtpolitischen Themen ein Forum zu geben.“ Schulz sagt: „Eine gute Diskussion ist kein Beitrag zur Gentrifizierung.“

Standortmöglichkeiten in Berlin

Doch die Gegner sind auch deshalb verärgert, weil sie nicht in die Planung einbezogen worden seien. Als Guggenheim-Vertreter ihre Pläne Anfang März vorgestellt hätten, sei es nur um die Präsentation, aber nicht um eine Diskussion gegangen, schreiben sie in ihrem Blog. Längst gibt es Pläne, das Gelände zu besetzen und Mitarbeitern des Projekts den Zutritt zu verwehren.

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Auf diese Konfrontation wollen sich die Kuratoren nicht einlassen. Dem Vernehmen nach erwägen sie einen Rückzug aus Kreuzberg, wollen das Projekt aber weiterhin in Berlin errichten. Eine offizielle Bestätigung aus New York gab es am Montag nicht.

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Der neue Standort für das Projekt könnte ein bekannter sein: Der Pfefferberg an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg. Auf der begrünten Freifläche im Innenhof des Areals sollte die 30 Meter lange Leichtbauhalle schon einmal errichtet werden. Im vergangenen Jahr hatten sich die Kuratoren für den Pfefferberg entschieden, nachdem sie den anfangs favorisierten Ort an der Kastanienallee abgelehnt hatten. Der Pfefferberg blieb Favorit.

Im Januar 2012 teilte das Gremium jedoch mit, die Kreuzberger Brache sei wohl doch besser geeignet, das etwa 8400 Quadratmeter große Gelände biete dem Lab Team „eine ideale Basis zur Entwicklung von Programmen“ und „den Teilnehmern optimale Möglichkeiten, um Ideen zum städtischen Leben auszutauschen, zu erörtern und zu entwickeln.“ Doch die Kreuzberger Praxis sieht anders aus.

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