Die Gewerkschaft IG BCE hat angesichts der massiven Gewinneinbrüche vieler Stromversorger eine nationale Betreibergesellschaft für die deutschen Steinkohlekraftwerke ins Gespräch gebracht. Das sei effizienter als der Betrieb der vielfach verlustträchtigen Kraftwerke in Konkurrenz, sagte IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis bei einer Gewerkschaftsveranstaltung in Haltern. Die fünf größten Versorger Eon, RWE, Vattenfall, EnBW und Steag könnten ihre Kraftwerke zu einem noch festzulegenden Preis an die Verstromungs-Gesellschaft abgeben.
Der Vorschlag betreffe 28 bis 30 Gigawatt Verstromungskapazität, die zu drei Vierteln den fünf Großen der Branche gehörten, sagte Vassiliadis. In den Kraftwerken arbeiten rund 5000 Menschen. Auch die anderen Betreiber von Steinkohlekraftwerken – etwa Stadtwerke oder Stadtwerkeverbünde – seien in der Gesellschaft willkommen.
Hohe Wertberichtigungen
Als rechtliche Form komme eine Aktiengesellschaft infrage. Unter einheitlicher Führung ergäben sich Rationalisierungsreserven von 100 Millionen Euro im Jahr und damit Ergebnisverbesserungen. Innerhalb eines nationalen Verbundes könnten jeweils die modernsten Kraftwerke mit dem höchsten Wirkungsgrad und niedrigsten CO2 -Ausstoß eingesetzt werden. Die Versorger gewännen ohne die Kraftwerke zugleich Investitionskraft für die Energiewende.
Er habe den Vorschlag Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (beide SPD) sowie den Chefs von Eon, RWE und Steag bereits vorgetragen. Die Politik habe die Idee voll Interesse aufgenommen, die Unternehmenschefs hätten eher reserviert reagiert. Eon äußerte sich allerdings am Sonntag durchaus positiv. „Der Ansatz der IG BCE ist eine interessante Idee“, sagte Unternehmens-Sprecher Carsten Thomsen-Bendixen der Rheinischen Post. „Entscheidend ist aber zunächst die Einführung eines Kapazitätsmarktes für konventionelle Kraftwerke. Nur damit lässt sich eine stabile Stromversorgung sicherstellen.“
Viele Steinkohlekraftwerke in Deutschland machen angesichts des stark gefallenen Börsenstrompreises Verluste. RWE etwa musste vor kurzem Wertberichtigungen im Volumen von 3,3 Milliarden Euro vornehmen. Der Großteil entfällt dabei auf die konventionelle Stromerzeugung. RWE und viele andere Versorger mussten ihre Investitionen insgesamt scharf zurückfahren – auch die in erneuerbare Energien und damit in die energiepolitische Zukunft.
Vorbild sei die Gründung der Ruhrkohle AG Ende der 1960er Jahre in der deutschen Zechenkrise, sagte der Gewerkschaftschef. 1968 hatten sich 23 deutsche Zechenunternehmen angesichts von Überkapazitäten und stark gefallenen Preisen zu einer privatwirtschaftliche geführten Einheitsgesellschaft zusammengeschlossen, die rund 85 Prozent der Branche umfasste.
Die Rettung der deutschen Steinkohle gegen die preiswertere ausländische Konkurrenz gelang damit nicht. Die später in RAG umbenannte Gesellschaft bildete aber eine Grundlage und einen zentralen Ansprechpartner für den sozialverträglichen Ausstieg aus der deutschen Steinkohleförderung. (dpa)
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