Die Milchstraße hat vor rund 11,8 Milliarden Jahren offenbar eine kleinere Galaxie verschlungen. Das berichten Forscher laut Reuters in der Fachzeitschrift Nature Astronomy.
Es ist demnach die früheste bekannte Verschmelzung unserer Heimatgalaxie mit einer anderen Galaxie. Die Entdeckung sei ein Hinweis darauf, dass unsere Galaxie nicht nur durch die Geburt eigener Sterne gewachsen ist, sondern auch, indem sie kleinere Galaxien in ihrer Schwerkraft einfing und verschluckte, wie Reuters berichtet.
Rand unserer Galaxie näher als gedacht: So sieht das Ende der Milchstraße aus
Verschmelzung mit Zwerggalaxie LKH
Studienleiter Davide Massari vom italienischen Astrophysik-Institut INAF in Bologna erklärte laut Nasa: „Unsere Heimat ist die Milchstraße, aber wir wissen nicht, wie unser Haus gebaut wurde. In diesem Paper entdecken wir, woher der erste bedeutende Stapel Ziegelsteine kam: eine Zwerggalaxie, die wir LKH nennen.“
Die Frage, ob das frühe Wachstum der Milchstraße durch eigene Sternentstehung oder durch eine Verschmelzung mit einer anderen Galaxie vorangetrieben wurde, ist seit Längerem Gegenstand wissenschaftlicher Debatten, sagte Massari laut Reuters. Die neue Studie deute darauf hin, dass die Verschmelzung große Mengen an Sternen und interstellarem Gas sowie Dunkler Materie in die Milchstraße eingebracht hat.
Die geschluckte Galaxie war demnach eine sogenannte Zwerggalaxie – deutlich kleiner als die Milchstraße. Die Forscher schätzen, dass sie zum Zeitpunkt der Verschmelzung Sterne mit einer Masse von 500 Millionen Sonnen enthielt. Das entsprach rund einem Viertel der damaligen Masse der Milchstraße. Ein erheblicher Anteil also – die Zwerggalaxie brachte reichlich neues „Baumaterial“ mit.
Wie haben die Forscher den Fund identifiziert?
Den Beweis lieferten Kugelsternhaufen – dichte, kugelförmige Ansammlungen von zehntausenden bis mehreren Millionen Sternen. Sie enthalten laut Nasa einige der ältesten Sterne unserer Galaxie.
Das Team analysierte laut Nasa 39 solcher Kugelsternhaufen in den inneren 20.000 Lichtjahren unserer Galaxie. Genutzt wurden Reuters zufolge Daten und Beobachtungen des Hubble-Teleskops sowie der Gaia-Mission der europäischen Raumfahrtagentur Esa.
So stieß das Team auf eine dritte Gruppe von Sternhaufen: älter als die aus einer späteren Verschmelzung, aber jünger als die in der Milchstraße selbst geborenen. Diese Haufen stammten aus einem eigenen, noch früheren Zusammenschluss.
„Dank der hohen Auflösung und Tiefenschärfe der Hubble-Aufnahmen konnten wir das Alter und den Metallgehalt dieser Sternhaufen mit beispielloser Präzision bestimmen“, sagte Co-Autorin Chiara Zerbinati von der Universität Bologna laut Nasa. In Verbindung mit Gaia-Messungen sei es möglich gewesen, „eine Population von Kugelsternhaufen zu identifizieren, die sich von den anderen unterscheidet.“
„Dabei handelt es sich um die Sternhaufen, die in LKH entstanden sind, und sie verraten uns, wann diese Galaxie von unserer verschlungen wurde und wie massereich sie war“, so die Forscherin.
Weitere Galaxienverschmelzungen bekannt
Die verschluckte Zwerggalaxie erhielt den Namen Low-energy-Kraken-Heracles, kurz LKH. Der Name würdigt laut Nasa und Reuters drei frühere Studien, die eine solche frühe Verschmelzung vermutet hatten.
„Aus Sicht der Sterne würde ich sagen, dass die Verschmelzung recht friedlich verlief, ohne Sternkollisionen. Aus Sicht des Gases hingegen war sie eher explosiv – vermutlich löste die Kollision des Gases von LKH mit dem der Milchstraße die Entstehung vieler Sterne aus“, sagte Massari laut Reuters.
Die Milchstraße war laut Reuters nach bisherigen Erkenntnissen an zwei weiteren großen Galaxienverschmelzungen beteiligt. Etwa 1,8 Milliarden Jahre nach der LKH-Verschmelzung nahm sie demnach die Zwerggalaxie Gaia-Sausage-Enceladus auf. Seit rund sechs Milliarden Jahren verschmelze sie zudem mit der Sagittarius-Zwerggalaxie.
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