Studie

Was bei Homo-Paaren besser läuft als bei Heteros

Gleichgeschlechtliche Paare sind angeblich zufriedener.

Clemens Schnur
6 Min
Homo-Paare teilen sich die Belastungen im Alltag fairer auf und sprechen mehr miteinander als Heteros - sagt eine aktuelle Studie aus den USA.

Homo-Paare teilen sich die Belastungen im Alltag fairer auf und sprechen mehr miteinander als Heteros - sagt eine aktuelle Studie aus den USA.

© imago/Westend61 Lizenz

„Bindungsunfähigkeit, mangelnde Rollenvorbilder, alles schädlich für das Kindeswohl“: Das sind die häufigsten (Schein-)Argumente, die Gegner der #Ehefüralle ins Feld führen. Überhaupt wird seit der Öffnung der Ehe in Irland auch in Deutschland wieder hitzig darüber debattiert. So hitzig, dass in Berlin mit dem Bruch der Koalition gedroht wird.

Uneins über die Homo-Ehe: Innensenator Frank Henkel (CDU, links) ist dagegen, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) ist dafür.

Uneins über die Homo-Ehe: Innensenator Frank Henkel (CDU, links) ist dagegen, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) ist dafür.

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Oft prallen Ansichten auf Ansichten. Gesteuert von Vorbehalten, Vorurteilen und Ängsten. Man täte gut daran, nach dem Schwung an öffentlichen und veröffentlichten Meinungen und rechtzeitig vor der anstehenden Abstimmung im Bundesrat über die „Ehe für alle“ wieder zur Sachebene zurückzukehren. Immerhin sprechen wir über die (An-)Erkennung von Lebensrealitäten.

Homo-Paare machen einiges besser

Inmitten dieses Wunsches taucht aus den USA eine Studie zum Thema „Modern Families“ auf. Das New Yorker Families and Work Institute hat zusammen mit dem Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers untersucht, wie sich gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Beziehungen zwischen Mann und Frau im Alltag organisieren. Wer erledigt was und wie oft? Mit interessanten Ergebnissen.

Die „Washington Post“ fasst sie - salopp gesagt - so zusammen: In Homo-Partnerschaften läuft einiges besser als in Hetero-Beziehungen. Das ist eine steile These. Doch in der Tat zeigen die Zahlen, dass bei homosexuellen Paaren Aufgaben und Belastungen im alltäglichen Leben gleichmäßiger verteilt werden.

So übernehmen in heterosexuellen Beziehungen Männer eher traditionelle Männeraufgaben. An Frauen bleiben dagegen eher klassische Frauenaufgaben hängen, zum Beispiel...

Quelle: Families and Work Institute/Studienleiter Dr. Kenneth Matos

Quelle: Families and Work Institute/Studienleiter Dr. Kenneth Matos

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...Wäsche machen und Haushalt. Die Studie zeigt nun, was eigentlich auch auf der Hand liegt: In gleichgeschlechtlichen Beziehungen teilen sich dieses die Partner eher auf. Ähnliches gilt für die Kindererziehung:

Quelle: Families and Work Institute/Studienleiter Dr. Kenneth Matos

Quelle: Families and Work Institute/Studienleiter Dr. Kenneth Matos

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Interessant auch: Werden Kinder plötzlich krank, sind laut dieser Studie homosexuelle Paare besser in der Lage, die Aufgaben bei der Kinderbetreuung gleichmäßig(er) aufzuteilen und die zusätzlichen Belastungen aufzufangen:

Quelle: Families and Work Institute/Studienleiter Dr. Kenneth Matos

Quelle: Families and Work Institute/Studienleiter Dr. Kenneth Matos

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Frauen in Hetero-Paaren sind am unzufriedensten

Warum ist das so?

In der Regel sind beide Partner in gleichgeschlechtlichen Beziehungen berufstätig. Sie kennen Bedürfnisse und Grenzen des anderen. Sie sprechen auch mehr und besser miteinander – und dieses losgelöst von klassischen Rollenbildern.

Homosexuelle Partner sehen sich öfter auf Augenhöhe und im Alltag zu ähnlichen Teilen verpflichtet und gleichberechtigt. Es gibt ein geringeres „Machtgefälle“ als in heterosexuellen Beziehungen, das dort in den meisten Fällen zu Lasten der Frau geht. Und zudem verstärkt wird, wenn allein der Mann einem Job nachgeht oder wesentlich mehr Geld nach Hause bringt.

In der Regel sehen sich die Frauen benachteiligt, würden gerne aufbegehren, trauen sich aber nicht, was sich schlecht auf das Beziehungsklima auswirkt. Der Verfasser der Studie, Kenneth Mason, formuliert es gegenüber der „Washington Post“ so:

„Das ist wahrscheinlich die bedeutendste Erkenntnis der Studie: wie wichtig es ist, zu reden und zu sagen, was man möchte, nicht still zu bleiben, nur um keinen Streit auszulösen, nur Mutmaßungen anzustellen, bis die Dinge vor sich hin faulen.“

Eine Erkenntnis, die selbstredend für alle Partnerschaften gilt. Diese Studie will kein Ranking zwischen unterschiedlichen Beziehungen erstellen und nicht das traditionelle Konzept von Vater und Mutter anzweifeln. Sondern herausfinden, was bei Homo-Paaren auffällig gut funktioniert und was alle daraus lernen können. Ganz gleich, in welcher Beziehungsform Menschen zusammenleben.

Für das Kindeswohl ist es zweifelsohne ein Gewinn, wenn dem Nachwuchs praktisch vorgelebt wird, wie Elternpaare gesund miteinander kommunizieren, die Belastungen durch Job und Alltag auf pragmatische Art untereinander aufteilen und nicht die Arbeit mehrheitlich auf eine Person abgewälzt wird – meistens eben die Frau.

Aber kann das alles auch so für Deutschland gelten?

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Studien in Deutschland dazu sagen.

In Deutschland läuft es ähnlich

Studienergebnisse lassen sich selten ohne Weiteres übertragen. Da sich Deutschland und die USA aber nicht unähnlich sind, kann man die Untersuchung sehr wohl als Blaupause für die Lage hierzulande ansehen.

Das Regenbogenfamilienzentrum des LSVD Berlin erinnert an eine ähnliche Untersuchung des Bundesjustizministeriums zur „Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften“ aus dem Jahr 2009.

Berliner Regenbogenfamilie: Lena Ringswandl und Gerke Schlickmann mit ihrer gemeinsamen Tochter.

Berliner Regenbogenfamilie: Lena Ringswandl und Gerke Schlickmann mit ihrer gemeinsamen Tochter.

© imago/Ulli Winkler Lizenz

Und siehe da: Hier läuft es ganz ähnlich wie in den USA:

„Bei gleichgeschlechtlichen Elternpaaren ist sowohl der Umfang der individuellen Erwerbstätigkeit wie auch die Aufteilung häuslicher Versorgungs- oder Verwaltungsaufgaben deutlich gleichberechtigter, flexibler und demokratischer als in heterosexuellen Partnerschaften.“

Und weiter:

„Die Aufteilung gerade der Haushaltstätigkeiten erfolgt hierbei nicht nach festen Prinzipien oder Rollenmodellen, sondern eher nach Interessen, Können oder der aktuellen Einbindung in Berufstätigkeit.“

Also auch hier: Homo-Paare teilen die Aufgaben fairer untereinander auf und sprechen öfter miteinander.

Rollenbilder werden ausreichend vermittelt

Gegner und Zweifler bemängeln an der Homo-Ehe, dass es an verschiedenen „Rollenbildern mangelt“ und sehen das als großen Nachteil der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, sobald das Thema Kindeswohl auf den Tisch kommt.

So auch jüngst die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die in einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung durch fragwürdige Äußerungen zu Homo-Ehe, Inzucht und Vielehe für Verwirrung sorgte. Darin sagte sie zum Thema Rollenbilder:

„In der Kita beklagen wir, dass es zu wenige männliche Vorbilder gibt. Mir will nicht ganz einleuchten, dass das im engsten Umfeld, in dem Kinder geprägt werden, gar keine Rolle spielt.“

Die Studie des Bundesjustizministeriums widerlegt das, denn:

„Gleichgeschlechtlich lebende Eltern legen in hohem Maße Wert darauf, dass ihre Kinder Bezugspersonen des anderen Geschlechts im nahen Lebensumfeld haben, damit ihnen ausreichend weibliche bzw. männliche Rollenvorbilder zur Verfügung stehen.“

Nicht nur überstimmen, sondern überzeugen

Was können wir hieraus mitnehmen? Die Erkenntnisse sprechen für eine Öffnung der Ehe und auch für ein volles Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Keine Beziehung kann eine gelingende Elternschaft garantieren, doch dass Elternteile schwul beziehungsweise lesbisch sind, steht dem eben auch nicht im Wege.

Studien, Zahlen und Daten bieten für viele Menschen handfeste Fixpunkte. Sie können sich bei ihrer Entscheidung daran orientieren. Andere Menschen wiederum ziehen es vor, auf ihr Bauchgefühl zu vertrauen. Für diese Menschen wird es hilfreicher sein, funktionierende und vorbildhafte Regenbogenfamilien im Alltag zu beobachten oder mitzuerleben.

Gleichstellung und volles Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partnerschaften werden dazu beitragen können. Daher wird es für die Befürworter der „Ehe für alle“ bei der Abstimmung im Bundesrat um mehr gehen, als Zweifler und Gegner nur im Plenarsaal zu überstimmen - sondern sie im Leben durch mehr Erfahrung zu überzeugen.

Die Studie des Families and Work Institute und PricewaterhouseCoopers finden Sie unter http://www.familiesandwork.org/downloads/modern-families.pdf

Einen Blog dazu finden Sie unter http://www.familiesandwork.org/blog/same-sex-couples-more-work-life-equitable/

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