Stummfilmfestival

Dick und Doof mit jeder Menge Feuerwerk

Der Erfinder der berühmten Stummfilmkonzerte feiert sich an diesem Wochenende.

Lisa Steiner
4 Min
Stan Laurel und Oliver Hardy, 1932.

Stan Laurel und Oliver Hardy, 1932.

© imago/Cinema Publishers Collection

Werbeslogans sind ja oft eher mit Vorsicht zu genießen. Nicht so im Fall von Stephan Graf von Bothmer. „So haben Sie Stummfilme noch nie gehört …“, preist der 46-Jährige seine eigenen Werke an – zu Recht! Seit nunmehr 20 Jahren vertont der Berliner Komponist und Musiker Stummfilme ganz neu und meist auch ungewöhnlich. Sein Kino-Konzert-Jubiläum feiert der musikalische Graf ab diesem Wochenende mit einem kleinen Stummfilmfestival.

Zu sehen gibt es von Bothmers Lieblingsfilme – und zwar dort, wo er vor zwanzig Jahren sein erstes Stummfilm-Konzert spielte, in der Passionskirche.

Der Künstler selbst freut sich zwar auf alle seine Auftritte, persönliches Highlight von Bothmers ist dann aber doch der Sonnabend: „,Metropolis‘. Der Film und meine Komposition, das ist ja so schon was. Aber diesmal kommt noch Feuerwerk dazu. In der Kirche. Das wird ein Spektakel“, so von Bothmer, der ein klein wenig kindlichen Enthusiasmus in der Stimme nicht verbergen kann. Ja, er freue sich genau darauf besonders, gibt er denn auch schmunzelnd zu. Ein bisschen Aufregung ist auch dabei, denn zwar hat von Bothmer das „Metropolis“-Konzert schon zig Male gegeben, aber nie in Kombination mit einer Pyroshow. „Das passt sehr gut, das gibt dem Film eine neue Dimension, schließlich liegt da ja viel in Schutt und Asche“, so von Bothmer.

Monumentaler Stummfilm: „Metropolis“, gedreht in den Jahren 1925/1926 .

Monumentaler Stummfilm: „Metropolis“, gedreht in den Jahren 1925/1926 .

© picture alliance / obs

Slapstick im Konzert

Einem größeren Publikum bekannt geworden ist der Künstler, der neben Komposition auch Mathematik studierte, seit er 2006 einen fixen Stummfilm-Abend im Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz hat – natürlich immer mit Musik, komponiert und dargeboten von ihm selbst.

Die Frage, ob es dann nach 20 Jahren nicht doch zwei gleich klingende Abende gebe, verneint der Komponist. Bestes Beispiel sei „Stan & Olli“ (auch bekannt als „Dick und Doof“), deren Slapstick-Filme von Bothmer am meisten als Konzert gespielt hat – zu hören auch an diesem Freitagabend als Auftakt zum Festival-Wochenende. „Natürlich gibt es eine sekundengenaue Komposition, die Vorbereitung für jeden einzelnen Film dauert Monate. Ich weiß genau, wann jeder Schauspieler lacht. Trotzdem probiere ich bei jedem Konzert was Neues. Gerade bei Stan & Olli. Das habe ich sicher 120 Mal gespielt. Und jedes Mal war es anders, jedes Mal habe ich meine Komposition noch ein Stück perfektioniert“, so von Bothmer.

Perfekt ist es im Fall der Aufführung der Filmklassiker des Komiker-Duos Stan Laurel und Oliver Hardy für den Komponisten dann, wenn das Kino- beziehungsweise Konzertpublikum sich gut amüsiert. „Das Publikum lacht bei diesem Konzert immer die ganze Zeit laut durch. Bei den alten Filmen im Originalton, da schmunzelt man eher. Bei mir lachen sie alle – durchgehend.“
Wer’s weder knallend laut und feurig – wie bei „Metropolis“ – noch schallend lachend laut mag, auch für den hat Stephan von Bothmer dieses Wochenende ein kleines Festival-Highlight parat. Ein Spezialkonzert, das, anders als die anderen, nicht in der Passionskirche, sondern in der Emmauskirche stattfindet. Dort gibt’s Sonntag um 17 Uhr Märchenfilme mit von Bothmer-Soundtrack – allerdings nicht irgendwelche Märchenfilme, sondern solche, deren Schöpferin schon zu Lebzeiten damit von sich reden machte. Richtig! Die Rede ist von der Film-Pionierin Lotte Reiniger und ihren wundervollen Scherenschnitt-Filmen.


Stummfilmfestival

Wann? Am Freitag, 12. 1., Sonnabend 13. 1. und
Sonntag 14. 1., die Filme laufen ab 18 Uhr, Ausnahme sind die Märchenfilme in der Emmauskirche, da ist Beginn
schon um 17 Uhr!

Wo? Passionskirche, Marheinekeplatz 1–2, Kreuzberg;
Märchenfilm-Special: Emmauskirche, Lausitzer Platz 8 A, Kreuzberg.

Tickets: Eintritt zwischen 15 und 24 Euro, je nach Konzert.
Programm & Vorverkauf: www.stummfilmkonzerte.de


Die Töchter als Experten

Sechs hat von Bothmer fürs Konzert aneinander gereiht, „Co-Kuratoren“ bei der Auswahl waren fachkundige Experten. „Meine Töchter haben bei der Märchenauswahl geholfen“, sagt der Pianist, ganz stolzer Papa. Die Mädchen seien mit neun und 14 Jahren zwar nicht das ursprüngliche Zielpublikum der Filme gewesen, Reiniger habe diese für Erwachsene gemacht. Aber heute, heute sei der Konzert-Märchennachmittag in der Kirche genau das richtige für Familien, sagt Stephan von Bothmer.
Wer dieses Wochenende nicht kann oder kein Ticket mehr ergattert, braucht sich nicht allzu sehr grämen. Das Stummfilm-Jubiläums-Programm in der Passionskirche geht ab jetzt über mehrere Wochenenden.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de