Stuttgart. Nach einem der ersten "Lauftreffs für Stuttgart 21" stand der Vorstandsvorsitzende des Pharmagroßhändlers Celesio, Fritz Oesterle, auf dem Stuttgarter Marktplatz. Neben ihm der frühere Späth-Regierungssprecher und spätere Daimler-PR-Mann Matthias Kleinert. Auf der Rathaustreppe, die zur Bühne umfunktioniert wurde, befand sich CDU-Fraktionschef Peter Hauk. Er wurde flankiert von Stuttgarter CDU- und FDP-Gemeinderäten sowie deren Parteinachwuchs, die der zögerlichen Menge Kampfrufe beibrachten, ohne die eine Bewegung nicht auskommt: "Oben ohne" lautet die Replik auf den Schlachtruf der Gegner ("Oben bleiben").Man hätte also vor Wochen meinen können, dass zutrifft, was die Bahnprojektkritiker behaupten: Alle gekauft, nur Parteivolk, nur interessengeleitete Kartelle. Doch die Befürworter des Protests kommen zusehends aus der Deckung. Organisator des S-21-Laufs ist Christian List, er wehrt sich gegen die Vorwürfe. List ist Chef einer Agentur für "Begegnungsmarketing". Der Lauf sei sein "Privatvergnügen", beteuert er.Anzeigen geschaltetGestern Abend kamen zu dem 5. Lauftreff rund 4000 Menschen zusammen. Immer mehr ganz normale Stuttgarter Bürger tragen Bekenner-Buttons mit einem Herz und S21 darauf oder einem Langohrhasen neben dem der Schriftzug "Parkerweiterer", weil rund zehn Hektar Grünfläche entstehen sollen, wenn die Schienen unter der Erde sind. Allerdings tragen viele Befürworter ihren Pro-Sticker nicht gerade beim Gang durch den Schlossgarten, der von der Dauerpräsenz der Projektgegner dominiert wird.Auch Aufkleber auf Autos meiden sie. "Ich habe einen Leasingwagen, das ist mir zu riskant", sagt ein Pro-Mann. Er spricht von Angst vor unschönen Reaktionen, vom unguten Gefühl, dass ein Button zu provozierend wäre. Doch die Bewegung verbreitert sich, der Querschnitt des Bürgertums ist auch hier vertreten.Unterstützung erhalten die Projektträger seit jeher von der Wirtschaft im Südwesten. Die Industrie- und Handelskammern wie auch die Handwerkskammern sind für das Großvorhaben. Auch die meisten Rathausspitzen zählen zu den Befürwortern, allen voran der SPD-Oberbürgermeister von Ulm, Ivo Gönner. In einer in Stuttgarter Zeitungen erschienenen Anzeige der Projektbefürworter finden sich bekannte Parteigänger neben Bäckern, Architekten und Krankenschwestern. Ihre Empfindung: "Jetzt reicht's."
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