Ein anonymer Zettel unter dem Scheibenwischer eines geparkten Autos hat in Italien eine Diskussion über den Umgang mit verbaler Gewalt in der Öffentlichkeit ausgelöst. Das handgeschriebene Blatt wurde nach Berichten der Tageszeitungen Corriere della Sera und La Repubblica an der Strandpromenade von Castellaneta Marina in der süditalienischen Provinz Taranto an einem geparkten Fahrzeug hinterlassen.
Ein Facebook-Nutzer fotografierte den Zettel und stellte ihn in die Facebook-Gruppe „Rinascita Castellaneta Marina“. Dort erhielt das Bild innerhalb weniger Stunden knapp 20.000 Zustimmungsbekundungen.
Botschaft in roter Schrift
Der Text ist in Druckbuchstaben mit rotem Filzstift verfasst. Die Verfasserin wendet sich darin an eine Frau, die ihr Begleiter am Strand angeschrien haben soll. Sie wünscht ihr den Mut, ihn zu verlassen, und schreibt, sie verdiene Respekt und einen „echten Mann“. Unterschrieben ist der Zettel mit „Una passante“ – „Eine Passantin“.
Nach der auf Facebook geteilten Schilderung soll die Autorin beobachtet haben, wie ein Mann seine Partnerin am Strand lautstark beschimpfte, während diese einen Sonnenschutz zurechtrückte. Als Reaktion darauf habe sie das Blatt am Auto des Paares hinterlassen. Was genau am Strand passiert ist, wer das Paar ist und wer den Zettel geschrieben hat, weiß außer den Beteiligten bis heute niemand.
Zustimmung und Kritik
In den Kommentaren unter dem Beitrag berichteten mehrere Frauen von eigenen Erfahrungen mit lautstarken Zurechtweisungen in der Öffentlichkeit. Eine Nutzerin schrieb laut La Repubblica, sie habe jahrelang vergeblich auf ein tröstendes Wort gewartet, wenn ihr Mann sie angeschrien habe. Eine andere erklärte, wenn man in einer solchen Beziehung stecke, sei man „wie betäubt“.
Andere Nutzer äußerten sich zurückhaltender. Einige gaben zu bedenken, das Paar sei vermutlich gemeinsam zum Wagen zurückgekehrt und der Mann könne sich durch den Zettel zusätzlich provoziert fühlen. Wieder andere bezweifelten den Wahrheitsgehalt der geschilderten Szene. Als wiederkehrende Botschaft nennen die Berichte den Appell, zu verbalen Übergriffen nicht zu schweigen.
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